QSC-Chef Bernd Schlobohm: Unsere Leitsätze für eine gemeinsame Unternehmenskultur

QSC-Vorstandsvorsitzender Dr. Bernd Schlobohm.

QSC-Vorstandsvorsitzender Dr. Bernd Schlobohm.

Die meisten Firmenübernahmen oder Fusionen scheitern nicht an unterschiedlichen Kundenstrukturen, Produktportfolios oder Geschäftsplänen, sondern an den unterschiedlichen Unternehmenskulturen.

Geschäftsmodelle sind meist gut definierbar, werden in Excel modelliert, detailliert analysiert und eingepreist.

Anders bei der Unternehmenskultur! Sie ist in der Regel nicht wirklich sichtbar und oft auch allen Beteiligten gar nicht so präsent. Unterschiedliche Werte, unterschiedliche Stile des Miteinanders, unterschiedliche Ziele werden erst nach und nach erlebbar. Nach einiger Zeit entwickelt sich ein Gefühl dafür, wie das jeweilige Unternehmen „tickt“. Entscheidungsfreudig oder eher abwägend, streng hierarchisch oder eher informell, kundennah oder produktzentriert. Sind die Unterschiede zu groß oder gibt es keine Bereitschaft aufeinander zu zugehen, so können diese Faktoren eine Zusammenarbeit scheitern lassen.

 

Was ist denn eigentlich Unternehmenskultur?

Für mich wird Unternehmenskultur greifbar, wenn man sie definiert als die Menge der Gewohnheiten, durch die sich ein Unternehmen von der Umgebung, auch von einem anderen Unternehmen, unterscheidet.

Der Wunsch nach einer guten, von Fairness und Glaubwürdigkeit geprägten Unternehmenskultur war bereits 1996 für mich eine Motivation dafür, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Aus Großkonzernen kommend, wollten mein Freund und Mitgründer Gerd Eickers und ich in einem Unternehmen arbeiten, in dem die Arbeit mehr Spaß machte und der Teamgeist, das Unternehmensinteresse, vor den Einzelinteressen stand. Natürlich nicht ohne Ehrgeiz: Wir wollten auch gemeinsam etwas Neues schaffen und zu den Besten unserer Branche zählen.

Ob uns Letzteres bisher gelungen ist, haben andere zu entscheiden, zum Beispiel Kunden, Mitarbeiter und Investoren. Aber was Spaß und Teamgeist angeht, so ziehe ich für all die Jahre eine durchaus positive Bilanz. Für mich gibt es keinen Zweifel, dass die Basis für langfristigen unternehmerischen Erfolg ein werteorientiertes Handeln ist.

Nach der Übernahme der IP Partner AG und der INFO AG hat das Thema Unternehmenskultur für QSC und auch für mich persönlich wieder sehr an Bedeutung gewonnen. Es fällt auf, dass die Art, wie Themen bearbeitet und vorangetrieben werden, in allen drei Unternehmen durchaus unterschiedlich ist. Mit diesen Unterschiedlichkeiten so umzugehen, dass sie die Entwicklung der QSC-Gruppe nicht bremsen, ist die hohe Kunst. Unser Ziel muss es sein, jenseits der rechtlichen und organisatorischen Gegebenheiten, schon jetzt einen Konsens zwischen den Unternehmen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzustellen, was Werte und den „Stil des Hauses“ angeht.

 

Was haben wir bisher gemacht?

Zunächst hat ein Team aus Führungskräften der gesamten neuen QSC-Gruppe fünf Leitsätze definiert, die die wichtigsten Eckpunkte für eine gemeinsame Unternehmenskultur beschreiben. Sie basieren zum großen Teil auf den bereits eingeführten Leitsätzen in den einzelnen Unternehmen.

High5: Leitsätze der QSC-Gruppe.

Ein Team aus Mitarbeitern der gesamten neuen QSC-Gruppe hat fünf Leitsätze definiert – genannt „High 5“. Sie beschreiben die wichtigsten Eckpunkte für eine gemeinsame Unternehmenskultur.

„Wir gestalten den Wandel!“

Die TK-Branche befindet sich im Umbruch, weil alte Geschäftsmodelle nicht mehr genügend Marge abwerfen und sich sowohl die Technologien als auch die Bedürfnisse der Kunden rasant verändern. Die IT-Branche verändert sich durch anstehende Industrialisierung.  Themen wie „IT as a Service“, „Bring your own Device“ – auch die zunehmende  Konsummerisierung der IT werden die Sourcingmodelle der Kunden sehr verändern.

Angesichts dieser Marktveränderungen müssen auch wir uns verändern. Die Kür dabei ist, diesen Wandel aktiv mitzugestalten.

Die meisten Menschen mögen keine Veränderung, das Neue wird oft als beängstigend, zumindest störend empfunden. Das erzeugt Widerstände. Es gibt eine permanente Spannung zwischen dem Alten und dem Neuen. Wir brauchen beides – die Kontinuität und ihre Brechung –, weil sich unser Markt immer ändert. Unser Unternehmen muss ein adaptives System sein. Nur das sichert unseren langfristigen Erfolg. Wir wollen eine aktive Rolle bei der Gestaltung des Wandels übernehmen.

„Wir begegnen uns mit Respekt und Wertschätzung!“

Unser Ziel ist die möglichst schnelle Integration zu einem Unternehmen, in dem alle an einem Strang ziehen und ein gemeinsames Ziel anstreben. Jenseits der jeweiligen Vergangenheit gestalten wir jetzt eine gemeinsame Zukunft. Wir sind eine Mannschaft und müssen ein  Team werden. Teamgeist beruht auf Wertschätzung, Loyalität und gegenseitigem Respekt.

Ich muss Interesse daran haben, was meine Kollegen tun, wie sie arbeiten, welche Kompetenzen sie mitbringen. Nur so kann Respekt vor der Leistung des anderen entstehen. In der Praxis heißt das, aktiv auf Kollegen zuzugehen. Teamgeist bedeutet auch, dass ich den Willen habe zu verstehen, welche Motive die Kollegen leiten und welche Ziele sie verfolgen. Aus gegenseitigem Verständnis entsteht gegenseitige Wertschätzung. Ist sie vorhanden, lässt sich auch gerade aus der Unterschiedlichkeit Mehrwert für das Unternehmen generieren.

„Wir achten aufeinander!“

Wir sind Dienstleister. Unsere Mitarbeiter sind unser wahres Potenzial. Sie sind die wichtigsten Akteure unserer QSC-Geschichte. Daher gilt: Bei aller Mobilität, Flexibilität und Intensität, die wir von ihnen verlangen, achten wir darauf, dass es möglichst allen unseren Kolleginnen und Kollegen gut geht. Eine gute Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn wir unsere Jobs gerne machen. Dazu gehört, dass jeder das Gefühl hat, im Team akzeptiert, gebraucht und verstanden zu werden. Dass Kollegen vertrauensvoll, verbindlich und achtsam miteinander umgehen und kommunizieren. Und wenn einer mal „durchhängt“, dann helfe ich ihm, unterstütze ich ihn. Das ist ganz wesentlich für den Zusammenhalt in einer Gruppe und damit auch im Unternehmen.

„Wir arbeiten ergebnisorientiert!“

Wir haben als Unternehmensgruppe die besten Voraussetzungen, uns in den Themenbereichen ITK und Cloud zu positionieren. Dabei stehen wir in hartem Wettbewerb, wir müssen Ergebnisse liefern und das auf jeder Ebene. Kunden, Aktionären und unseren Kollegen sind wir dazu verpflichtet. Das heißt auch, dafür einzustehen, was man sagt, Projekte, Entwicklungen, Produkte termingetreu fertigzustellen und mit realistischen Forecasts zu arbeiten. Wir benötigen eine Lieferkultur!

„Wir wollen gewinnen!“

Ohne den Willen, Erster zu sein, geht unternehmerisch gar nichts. Dieser Wille gehört unbedingt dazu. Er ist die Basis für jede Innovation, für den Erfolg. Wir arbeiten in einem wettbewerbsintensiven Umfeld. Auch unsere Wettbewerber wollen die Besten sein. Dieser Herausforderung stellen wir uns, und zwar gerne. Wir wollen für unsere Kunden immer die bessere Entscheidung sein. Das ist nicht leicht. Wenn wir aber innerhalb unserer Unternehmensgruppe zusammenhalten, unsere Talente und Fähigkeiten bündeln, um Neues zu kreieren, wird es uns gelingen. Für den Erfolg braucht man die grundsätzliche Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung und vor allem Spaß am Wettkampf. Spaß daran, besser zu sein als der Wettbewerb.

 

Stand der Implementierung

Unsere Leitsätze sind Hilfen zur Orientierung. Wir müssen die gewünschte Veränderung in mehrere Etappen gliedern und uns auf Schwerpunkte konzentrieren, bei denen der größte Veränderungsbedarf besteht! Wie kann ein Messsystem aussehen, wie können wir den gewünschten Fortschritt bei der Entwicklung einer gemeinsamen Unternehmenskultur kontrollieren? Was passiert bei Zuwiderhandlung? Diese Fragen gilt es zu klären und gerne nehme ich Vorschläge und Ideen entgegen.

Eine gute Unternehmenskultur ist kein Luxusthema für Unternehmen, sie hat unmittelbare Auswirkungen auf Produktivität und Profitabilität. Ich wage die Behauptung, dass QSC ohne unsere Werte gescheitert wäre.

Der ITK-Markt verändert sich dramatisch. Drastische Veränderungen sind immer gute unternehmerische Möglichkeiten. Ich will, dass QSC diese Möglichkeit ergreift und jetzt nutzt. Wir werden als eines der ganz wenigen Unternehmen erfolgreich diesen Turnaround vom reinen TK- bzw. IT-Unternehmen hin zu einem neuen, einem integrierten ITK-Unternehmen schaffen. Und zwar bis 2016. Unsere Unternehmenskultur ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg!

 

QSC-Chef Bernd Schlobohm: Unsere Leitsätze für eine gemeinsame Unternehmenskultur
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Dr. Bernd Schlobohm

Über Dr. Bernd Schlobohm

Bernd Schlobohm ist Aufsichtsratschef der QSC AG. Er war 1997 einer der Mitgründer des Unternehmens und übernahm 1999 die Funktion des Vorstandsvorsitzenden. Zuvor war er in verschiedenen leitenden Funktionen im Thyssen-Konzern tätig. Schlobohm ist promovierter Ingenieur der Informationstechnik. Im Mai 2013 wechselte er vom QSC-Vorstand an die Spitze des Aufsichtsrats.
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2 Antworten auf QSC-Chef Bernd Schlobohm: Unsere Leitsätze für eine gemeinsame Unternehmenskultur

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  1. Robert Bartha sagt:

    Hallo Herr Schlobohm,

    was mir aus den aufgefächerten Eckpunkten einer gemeinsamen Unternehmenskultur am meisten entgegenkommt und auffällt, sind die sinnstiftenden und auf einer gesunden Beziehung beruhenden Ideen. Ich meine das Menschenbild hinter allen Strukturen, ob unternehmenstechnisch oder auf den einzelnen Menschen bezogen. Wo Strukturen geschaffen werden, kann das zugrunde liegende Menschenbild nicht versteckt werden. Es wird sichtbar im täglichen Umgang miteinander, in den offenbaren Entscheidungen, aber auch im oft verborgenen Umgang des Einzelnen mit sich selbst. Alle Entscheidungen, alle Taten, alle gesagten Worte transportieren zwischen den Zeilen ihr jeweilig dahinter liegendes Menschenbild. Keine Worte können darüber hinwegtäuschen, selbst Kinder erfühlen eine eventuelle Diskrepanz zwischen Worten und Taten.

    Ich mag die Idee, ein Unternehmen als einen lebendigen Organismus zu sehen. Natürlich sind selbst die kleinsten Lebewesen schon so komplex, dass die heutigen Unternehmen nur eine grobe Annäherung in ihrer Struktur und Lebendigkeit darstellen können. Trotzdem glaube ich, dass es sich lohnt den Geist (hier: die Unternehmenskultur) der gemeinsamen Unternehmung zu untersuchen.

    Damit die Worte „alle an einem Strang ziehen“, „ein gemeinsames Ziel anstreben“ und „ein Team werden“ nicht nur leere Worthülsen bleiben, benötigen sie eine Belebung und Erfüllung durch den Geist. Ein Geist, der den einzelnen Menschen wirklich einen Wert beimisst, der größer ist als das Arbeitsergebnis der Strukturen. So wie Sie geschrieben haben, Herr Schlobohm: „Unsere Mitarbeiter sind unser wahres Potenzial“. Was bedeutet es, dies wirklich zu leben?

    „Aus gegenseitigem Verständnis entsteht gegenseitige Wertschätzung“; ja, eine grundsätzliche Einsicht, die den Blick auf das dahinterliegende Menschenbildes führt und klarer werden lässt – sofern die Worte mit den Taten übereinstimmen. In einigen der großen Weltreligionen wird der Ursprung des Bösen in der Unwissenheit verortet. Wissen wiederum ist die Grundlage von wachsendem Verständnis und Verständnis der Schlüssel zu Wertschätzung und der Erkenntnis, dass alle Menschen – trotz aller Unterschiede – eine nicht nur ähnliche Grundlage haben, sondern die absolut gleiche. Diese geistige Grundlage, die alle Menschen haben und auf der alle Menschen organisch verbunden sind, ist die Realität hinter jedem Unternehmen (im Sinne von gemeinsamer Unternehmung). Ein Standpunkt, der sich auf diese – die Menschheit tragende – Grundlage versenkt, wird der Zukunft gelassen entgegensehen. Entscheidungen werden klar und die Strukturen vom Ursprung her mit Leben gefüllt. Ein Baum, der an den Wurzeln gesundet, trägt die Gesundheit durch alle Strukturen nach oben, bis in die äußersten Blattspitzen.

    Tatsächnlich glaube ich auch nicht, dass die Beschäftigung mit den tragenden Werten hinter den Strukturen bloßer „Luxus“ oder nur ein ‚Addon‘ ist, sondern DER Schlüssel zu einem Erfolg, der sich nicht am Umsatz oder am Gewinn misst, sondern an einer Wahrheit, die den Menschen aus den Strukturen befreit und ihn in Freiheit wieder einsetzt. Letztlich ist es eine Änderung des Standpunktes, der Sichtweise, die doch so weitreichende und alles verändernde Konsequenzen nach sich zieht. Dieser Prozess müsste in jedem einzelnen Mitglied der Unternehumg stattfinden können, so dass – wenn eine kritische Masse erreicht ist – die Kultur noch reicher, tiefer und wahrhaftiger wird. Eine solche Unternehmung würde eine große Anziehungskraft auf die Menschen ausüben, weil sie in Umfeld bietet, die ein Kontakt zur eigenen inneren Wahrheit begünstigt.

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