Dr. Bernd Schlobohm, Vorstandsvorsitzender der QSC – über gute Quartalszahlen und den Wandel zur Service-Company

Dr. Bernd Schlobohm

Dr. Bernd Schlobohm

„Konzernumbau lässt bei QSC Kassen klingeln – Gewinn schnellt in die Höhe.“ – Diese Headline in Handelsblatt-online gefiel mir gestern besonders gut. Sie bringt die derzeitige Entwicklung von QSC auf den Punkt: QSC befindet sich in einem Transformationsprozess von einem Netzbetreiber zu einem Serviceanbieter – und wird dadurch profitabler.

IP-basierte Services sind die Zukunft

Der Markt für Call-by-Call- und Preselect-Telefonie geht laut VATM-Studie 2010 um 27 Prozent beziehungsweise 42 Prozent zurück und auch das Nettowachstum der ADSL2+ Leitungen ist am Ende. Das betrifft auch QSC: Die Umsätze aus diesen Produkten eines klassischen Netzbetreibers, wie der „alten“ QSC, sinken.

QSCs Zukunft sind neue Produkte und auch bestehende Dienstleistungen, die auf dem IP-Protokoll basieren. Unser skalierbares Next Generation Network (NGN) ermöglicht bei IP-Umsätzen geringe Herstellungskosten und damit höhere Margen. Diese IP-basierten Produkte machen bereits 69 Prozent des 105,6-Millionen-Euro-Umsatzes im dritten Quartal 2010 aus. Bis Ende des Jahres sollen die 70 Prozent überschritten werden, im nächsten Jahr wird die 80-Prozent-Marke anvisiert. Damit legen wir die Basis für eine starke Positionierung von QSC als Serviceanbieter für unsere Vermarktungspartner und speziell für mittelständische Unternehmen.

Zwei weitere Kennziffern sind entscheidend für unsere zukünftige Entwicklung. Erstens der Konzerngewinn: Mit 5,8 Millionen Euro war dieser im dritten Quartal höher als im gesamten Jahr 2009. Zweitens der Free Cash Flow (FCF): Dies ist die wichtigste Kennziffer für QSC. Der FCF zeigt an, salopp gesagt, was wir ins Portmonnaie reintun. Mit 8,5 Millionen Euro verdreifachte sich dieser Wert im Vergleich zum Vorjahresquartal.

FCF ermöglicht uns Investitionen in neue Ideen wie „Q-loud“, unsere eigene Cloud-Plattform, Akquisitionen, die uns gegebenenfalls auf dem Weg Richtung ServCo schneller machen können. Und auch für eine Dividende für 2011 an unsere Anteilseigner ist FCF eine der zentralen Größen.

Neue Geschäftsfelder im Visier

Das alles verdanken wir einem sehr kostenbewussten Verhalten all unserer Mitarbeiter und Führungskräfte. Die klassischen Produkte werden größtenteils automatisiert und mit hoher Effizienz erbracht. Daneben müssen neue Geschäftsfelder erobert werden. Auch hier gilt: Klassischer TK-Anbieter war gestern, ITK-Lösungen gehören die Zukunft.

Über zwei neue Aktivitäten freue ich mich besonders: Über unser Managed Outsourcing und über Open Access. Managed Outsourcing heißt, dass wir das Sprachnetz anderer Anbieter für sie betreiben, indem wir es auf unser NGN migrieren. Erster Kunde ist Freenet. Aber ich bin sicher, dass wir im nächsten Jahr noch weitere Kunden für diese Dienstleistung gewinnen werden. Sie ist vor allem deswegen so interessant, weil sie eine Lösung für den Kostendruck ist, dem derzeit alle Netzbetreiber am Markt unterliegen.

Um Minimierung von Kosten und Aufwand für unsere Kunden geht es auch bei dem zweiten neuen Geschäftsfeld: Open Access. Hier können sich Anbieter von Infrastruktur – in der Regel von Glasfaser-Zugangsinfrastruktur – an uns wenden, wenn sie eben diese Infrastruktur schneller auslasten wollen, zum Beispiel mit Hilfe von Serviceanbietern außerhalb ihrer Region. Umgekehrt haben zunehmend Unternehmen Interesse an der Nutzung von Glasfaser im Zugangsbereich, um ihren Kunden höhere Geschwindigkeiten jenseits der 100 Mbit/s anzubieten. QSC verbindet auf ihrer Open Access-“Drehscheibe“ beide miteinander. Dieser Dienst ist klar ein ServCo-Dienst, QSC investiert nicht in Access-Glasfaser, verfügt jedoch mit ihrem NGN und ihrer langjährigen Wholesale-Erfahrung über viele Instrumente, auch im Auftragsmanagement, die für dieses Geschäft notwendig sind. Erste Kunden sind der Leipziger Stadtnetzbetreiber HL komm und der Internet-Serviceprovider 1&1. Hier rechnen wir in nächster Zeit mit weiteren Kunden. Derzeit gibt es mehr als 50 Unternehmen, die sich mit dem Aufbau lokaler Glasfaser-Infrastrukturen beschäftigen, weitere werden in den nächsten Jahren folgen.

Parallel zu diesen Aktivitäten arbeiten wir intern an ganz neuen Produkten und Dienstleistungen. Wir entwickeln inhouse – basierend auf Open Source – eine Cloud-Plattform, mit der wir schon im nächsten Jahr erste neue Produkte für Wiederverkäufer und Geschäftskunden anbieten werden. Auch das verstehen wir darunter, wenn wir sagen, dass wir uns zu einer ServCo weiterentwickeln.

Kommunikation intensiviert

Dieser Transformationsprozess von einer NetCo zu einer ServCo wird uns Jahre begleiten, langsam nimmt er Fahrt auf. Und es ist für mich ein Erfolg, dass dieser Weg mittlerweile auch von der Öffentlichkeit verstanden und nachvollzogen wird. Die größtenteils positive Resonanz von Analysten und Medien auf unsere Quartalszahlen gestern bestätigt das.

Wir haben in den letzten Monaten viel dafür getan, unsere Story Analysten, Banken und Medien nahe zu bringen. Arne Thull, unser IR-Manager, hat mit meinem Kollegen Jürgen Hermann unzählige Roadshows im In- und Ausland durchgeführt. Unsere Kommunikationsmanagerin Claudia Isringhaus hat mit ihrem Team ebenfalls den Dialog mit Kunden, Partnern und Medien intensiviert. Nun haben wir den Worten auch erste Taten folgen lassen. Weitere werden folgen!

Die offizielle Pressemitteilung zu den Quartalszahlen lesen Sie unter www.qsc.de.

Dr. Bernd Schlobohm, Vorstandsvorsitzender der QSC – über gute Quartalszahlen und den Wandel zur Service-Company
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  • Ursula Prasuhn sagt:

    Seit nunmehr 10 Jahren bin ich treue Aktionaerin und habe nie eine meiner 6000 QSC-Aktien verkauft, weil ich dank der guten Information durch Quartalsberichte u.a. nie meinen Glauben an QSC verloren habe, obwohl der Aktienkurs dies nahe legte. Auch wenn der Kurs in den letzten Tagen „explodiert“ ist, sitze ich noch immer auf Verlusten. Dies soll aber kein Vorwurf sein.
    Was ich vielmehr anmerken moechte: So schoen es ist, dass QSC eine Dividende in Aussicht stellt, so wenig bin ich doch an ihr interessiert. Fuer viel sinnvoller und kurstreibender hielte ich den Rueckkauf eigener Aktien. Auch er signalisiert finanzielle Staerke, kommt den Aktionaeren in Form von Kurssteigerungen zugute und verbessert augenfaellig den Gewinn pro Aktie, wenn die zurueckgekauften Aktien vernichtet werden. Meiner Meinung nach hat QSC reichlich viele Aktien und Rueckkaufmeldungen sind in der Regel ein Segen fuer Kurse. Wahrscheinlich ein groesserer als mickrige Dividenden wegen zu grosser Aktienanzahl. Auch dem Unternehmen kommt diese Loesung viel mehr zugute als eine Minidividende.
    Mit freundl. Gruss
    U. Prasuhn

  • Arne Thull
    Arne Thull sagt:

    Sehr geehrte Frau Prasuhn,

    herzlichen Dank für Ihre Treue. QSC schließt einen Aktienrückkauf nicht aus, wie Sie beispielsweise der Seite 22 unserer aktuellen IR-Präsentation unter http://www.qsc.de/fileadmin/downloads/ir/ir.praesentation.en_13.pdf entnehmen können. Die Erfahrung anderer Unternehmen zeigt allerdings, dass der Erfolg einer solchen Maßnahme entscheidend vom Kapitalmarktumfeld abhängt. Derzeit ist noch nicht klar, ob sich die zuletzt positive Grundstimmung am Aktienmarkt im kommenden Jahr fortsetzt oder ob wieder mögliche Risiken wie beispielsweise die Kursentwicklung des Euro in den Mittelpunkt der Überlegung vieler Investoren rücken. In einem solch volatilen Umfeld könnte die Wirkung eines Aktienrückkaufs verpuffen. Eine Dividende dagegen kommt in jedem Fall unseren Aktionärinnen und Aktionäre zu Gute. Der Vorstand hat auch vor diesem Hintergrund im laufenden Jahr wiederholt betont, dass er die erstmalige Ausschüttung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2011 plant.

    Viele Grüße aus Köln,
    Arne Thull
    Head of Investor Relations

    • Prasuhn sagt:

      Sehr geehrter Herr Thull,
      in einem schlechten Boersenklima verpufft alles – ob Dividende oder Aktienrueckkauf. Was nuetzen Dividenden, wenn fallende Kurse sie mehr als auffressen? Hohe Dividenden koennen die Fallhoehe zwar etwas abbremsen, nicht aber eine bescheidene Dividende, wie QSC sie plant.
      Gerade ein schlechtes Kapitalmarktumfeld ist ideal fuer Rueckkaeufe, denn die eigenen Aktien sind dann billig zu haben. Der positive Effekt tritt wegen des negativen Umfelds vielleicht nicht sofort ein, aber ziemlich sicher bei einer Besserung des Klimas.
      Meiner Meinung nach hat QSC eine zu grosse Aktienanzahl, die immer fuer Verwaesserung sorgen wird – sei es beim Gewinn pro Aktie oder bei der Dividende. Nachhaltig positive Wirkung auf den Kurs wird darum eine Reduzierung der Aktienanzahl haben und nicht eine bescheidene Dividende. Wer QSC-Aktien kauft, laesst sich ganz sicher nicht von der Aussicht auf die Dividende leiten. Diesbezueglich sind andere Unternehmen lukrativer. Zu ihnen koennte eines Tages auch QSC gehoeren, wenn denn die Aktienanzahl weniger gross waere.

      Mit freunlichem Gruss Prasuhn

      • Arne Thull
        Arne Thull sagt:

        Sehr geehrte Frau Prasuhn,

        nochmals herzlichen Dank für Ihre Anmerkungen. In den vergangenen Monaten haben wir in zahlreichen Einzelgesprächen mit institutionellen Investoren auch die Vor- und Nachteile einer nachhaltigen Dividendenpolitik versus eines Aktienrückkaufprogramms erörtert. Der Großteil der institutionellen Investoren bevorzugt eine Dividendenzahlung – ein Aktienrückkaufprogramm würde nach ihrer Meinung den geringen Freefloat von 55,24 Prozent weiter verringern.
        Zusätzlich unterstreicht die nachfolgende Aussage die Haltung vieler Investoren: „Wenn ein Unternehmen seine Dividende verdient und kontinuierlich einen Teil seines Gewinns an seine Anteilseigner ausschüttet, dann ist das ein klares positives Zeichen für die Qualität eines Unternehmens.“

        Viele Grüße aus Köln,
        Arne Thull
        Head of Investor Relations

  • Mal an dieser Stelle „Glückwunsch zum Kauf von IP Partner AG“, sicherlich eine gute Investition gewesen. Weiter so!

    • Arne Thull
      Arne Thull sagt:

      Sehr geehrter Herr Frazzetta,

      vielen Dank für Ihre Glückwünsche. Mit der Akquisition von IP Partner können wir den Transformationsprozess von einem TK- zu einem integrierten ITK-Serviceanbieter nochmals beschleunigen.
      IP Partner konzentriert sich ebenso wie QSC auf hochwertige Dienste für mittelständige Geschäftskunden. Gemeinsam können wir die rasch steigende Nachfrage nach ITK-Services wie Hosting, Outsourcing und zukünftig auch Cloud-Dienstleistungen optimal abdecken.

      Viele Grüße aus Köln,

      Arne Thull
      Head of Investor Relations

  • Martin Lausitz sagt:

    Ich habe eine VOIP-Telefonanlage für mein Unternehmen vor kurzer Zeit bei Nfon (www.nfon.net) gekauft. Leider gibt es hier noch nicht einen so tollen Service. Vielleicht ziehen hier andere Anbieter nach. Die App finde ich mal echt gelungen. Danke für diese Info!

    • Ulrich Lupus sagt:

      Der Beitrag ist leider unklar. Was heißt „hier gibt es noch nicht so tollen Service“? Bei nfon oder bei QSC? Wie ist den nfon im vergleich zu Centraflex von QSC zu bewerten? Und welche App ist gelungen?

      Gruß, Ulrich Lupus

  • Dr. Jürgen Wahls sagt:

    Zur Diskussion Dividende vs. Aktienrückkauf zwei Anmerkungen:

    In einer Marktwirtschaft kann die Überlassung von Risikokapital niemals unentgeltlich erfolgen, Fehlentwicklungen und Kapitalvernichtung wären die sichere Folge. Nur in Ausnahmefällen, z.B. zum Aufbau eines Unternehmens kann/muss auf eine Gewinnausschüttung verzichtet werden. Die QSC-Aufbauphase ist aber (nach einigen Wirren) Geschichte, somit die Dividendenzahlung zwingend geboten.

    Ein Aktienrückkauf ist daher keine Alternative zur Dividende, er folgt gänzlich anderen Intentionen. In einer Zeit der QSC-Neubewertung und Branchenkonsolidierung ist aber ein Aktienrückkaufprogramm zumindest eine Überlegung wert, da die gute Positionierung der Gesellschaft zu einer quasi „mitwachsenden“ Akquisitionswährung führen könnte. Die Anzahl der ausstehenden Aktien zumindest mittelfristig nicht reduziert würde.

    Abschließend noch ein großes Lob für den Blog. Bitte weiter so.

    Mit freundlichen Güßen
    J. Wahls

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