Dennis Knake
Publiziert am 9. Februar 2011 von unter:

VATM-Glasfasertag: Wie kommt die Glasfaser aufs Land?

Unter dem Titel „FttX gerät in Bewegung: Was tut sich im Land bei der Glasfaser“, rief der VATM, der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten am 4. Februar zum dritten Mal zum „Glasfasertag“. Im schicken Kölner Wohn- und Geschäftsviertel „Im Zollhafen“ mit Blick auf den Rhein trafen sich Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik, um einmal ganz ohne die sonst üblichen Power-Point-Präsentationen die aktuelle Glasfaser-Versorgungslage im Land zu diskutieren.

VATM Glasfasertag

Gut besuchter VATM-Glasfasertag im Zollhafen Köln. Foto: © VATM/Frank Ossenbrink

Der Ausbau von schnellen Glasfasernetzen in Deutschland ist kein leichtes Unterfangen. Am einfachsten ist es noch in den Städten, in denen die Bevölkerungsdichte den hohen Invest beim Ausbau rechtfertigt. Kein Wunder also, dass Glasfaser bislang nur in Ballungsgebieten wie Köln, München oder anderen Großstädten meist von lokalen Anbietern in Angriff genommen wurde. Aber von einem flächendeckenden Ausbau ist Deutschland noch weit entfernt. Da helfen auch die EU-Förderprogramme bislang nicht viel. Gerade ländliche Regionen haben es dabei schwer: Denn wer will schon in Regionen investieren, in denen kaum lohnenswerte Einnahmen zu erwarten sind. Und last but not least: Wie werden alternative Anbieter auf die Glasfaser des Ex-Monopolisten Deutsche Telekom zurückgreifen können. Sorgt die Regulierungsbehörde für einen fairen Wettbewerb? Ist Glasfaser nur dann zu bewerkstelligen, wenn Wettbewerber plötzlich partnerschaftlich zusammen arbeiten?

Energieversorger sehen Glasfaserausbau euphorisch entgegen

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde klar, dass nicht nur die Telekommunikationsunternehmen ein reges Interesse am Ausbau schneller Datenleitungen in Deutschland haben. Auch die Energiebranche hat ein vitales Interesse: So werden nach Ansicht von Roger Kohlmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW, die so genannten „Erneuerbaren Energien“ der größte Treiber für die TK-Branche werden, den Ausbau der Glasfaser voran zu treiben.

Kohlmann wies auf die Notwendigkeit der Erneuerung des Stromnetzes in Deutschland innerhalb der nächsten zehn Jahre hin. Er sieht dabei große Chancen für Synergien zwischen den Energieversorgern und den TK-Anbietern. So verwies Kohlmann auf die in Zukunft unerlässlich werdenden intelligenten Stromnetze, die so genannten Smart-Grids. Seine Zukunftsvision: So genannte „Smart-Cities“, in denen die Energieerzeugung, Speicherung, das Netzmanagement und der Verbrauch in einem intelligenten System gesteuert wird. Zugleich bemängelte Kohlmann die noch fehlende Kooperation der Unternehmen untereinander „Wir alle sind auf den Feldern am Arbeiten. Nur nicht miteinander. Aber keine Branche wird es Stand-Alone schaffen.“ Daraus ergebe sich auch das Problem, dass die Energiewirtschaft heute auch noch nicht genau wisse, wer denn die Partner der Zukunft sind. Sind es die Mobilfunkanbieter? Die Glasfaserbetreiber?

Blick über die Grenze

Wie sind überhaupt die Voraussetzungen für einen Glasfaser-Ausbau in Deutschland? Sowohl in politischer als auch geographischer Sicht? Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur BNetzA in Bonn verwies darauf, dass es im Gegensatz zum VDSL-Ausbau diesmal keine so genannten „Regulierungsferien“ bei der Telekom geben werde. Das habe die Telekom schon selbst zugesichert. So wolle der Ex-Monopolist auf der Glasfaser sofort alle technischen Funktionalitäten als Vorleistungsprodukt für alternative Anbieter bereitstellen, wenn diese verfügbar seien.

In Sachen Glasfaser ist die Schweiz schon weiter
Philipp Metzger, BAKOM: „Kabelnetzbetreiber haben den Glasfaserausbau der TK-Anbieter in der Schweiz schon früher als in Deutschland angetrieben.“ Foto: © VATM/Frank Ossenbrink

In der Schweiz ist man in Sachen Glasfaser offenbar schon weiter. Hier gab Philipp Metzger, Vizedirektor und Leiter Abteilung Telekomdienste, vom Schweizer Bundesamt für Kommunikation, BAKOM, einen Einblick: Zunächst hätten die Kabelnetzbetreiber in der Schweiz schon früher als in Deutschland schnelles Internet angeboten und somit bei den TK-Anbietern den Glasfaser-Ausbau viel früher angetrieben als hierzulande. Außerdem spiele das Preisniveau eine besondere Rolle. Der Ausbau von Glasfaser ist teuer. Das schlägt sich auf die Preise nieder. In der Schweiz seien die Leute aber bereit, mehr für eine schnelle Internetleitung auszugeben als in Deutschland. So wundert es kaum, dass das Preisniveau bei den Eidgenossen mehr als ein Drittel über dem in Deutschland liege. Fazit: Wen man nicht viel für einen Breitbandanschluss verlangen kann, dann bleibt auch weniger Geld für Investitionen in teure Glasfaserleitungen.

In Österreich unterliegt das Thema Glasfaser im Gegensatz zu Kupferleitungen keiner Regulierung, wusste Dr. Kurt Reichinger, Abteilungsleiter Technik, der Rundfunk & Telekom Regulierungs GmbH (RTR) aus Wien zu berichten. Glasfaser sei in dem Alpenstaat einfach noch zu wenig verbreitet. Statt dessen versuche man dort zunächst, die Möglichkeiten der Kupferleitung auszureizen.Auch seien die Kunden in Österreich ähnlich preissensitiv wie in Deutschland. Die Kunden würden nicht in Scharen zu den bereits verfügbaren High-Speed Produkten rennen, sondern eher Preis und Leistung gegeneinander abwägen. Also lieber weniger Geld bezahlen und „nur“ eine ADSL2+ Leitung nutzen. Sicher werde der Glasfaserausbau auch in Österreich weiter voranschreiten, aber von der Glasfaser-Euphorie der Energieversorger, wie sie in Deutschland sichtbar sei, zeigte Reichinger dann doch überrascht.

Die nationalen Voraussetzungen sind unterschiedlich

VATM Präsident Gerd Eickers wies auf die geographischen Gegebenheiten und Schwierigkeiten beim Glasfaser-Ausbau in Deutschland hin. Während hierzulande viel in den Ausbau der Strecken investiert werden müsse, verfüge die Schweiz bereits über große Leerrohr-Kapazitäten. Auch Frankreich habe ein großes Netz an Kanalschächten und damit vor allem in den Metropolen weniger Probleme, Glasfaserleitungen bis in die Häuser zu verlegen. In Deutschland aber müsse erst die notwendige Infrastruktur geschaffen werden. Bis dies flächendeckend verfügbar sei, würden noch 20 Jahre vergehen: „Aber gehen Sie mal zu einer Bank und bitten um eine Finanzierung für ein 20-Jahre Projekt“, kommentierte Eickers die Schwierigkeit der Finanzierung. Ein Ausbau könne nur durch viele Unternehmen zusammen realisiert werden.

Desweiteren verwies Eickers auf eine notwendige faire Zugangsregulierung zum Glasfasernetz der Telekom. So habe man bei VDSL und Bitstrom eine Vorleistungsregulierung, die es alternativen Anbietern unmöglich mache, auf den Leitungen auch TV anzubieten, da nach Datenvolumen berechnet wird. Das verhindere den freien Wettbewerb.

Stimmen aus der Politik

Kritisch sah man auch die Vorgaben aus der Politik. So stecke sich die EU-Kommission sehr ehrgeizige Ziele, wenn sie beispielsweise von Funkstrecken mit 30 Mbit/s für ganz Europa bis 2020 fordere. Dr. Peter Stuckmann, von der GD INFSO EU-Kommission erinnerte aber daran, dass Ziele ehrgeizig sein müssen, um auch den notwendigen Umsetzungswillen zu erreichen. Auf die Frage, ob die EU realitätsfern sei, meinte Eickers jedoch, dass man dies nicht generell sagen könne. So seine die nationalen Voraussetzungen für Glasfaserausbau in der EU sehr unterschiedlich. Die EU habe aber nun mal das Problem, sich um 27 Länder gleichzeitig kümmern zu müssen. Da werde dann vieles allgemeiner und abstrakter.

Martin Dörmann, Kölner Bundestagsabgeordneter der SPD, sieht die politische Handlungsfähigkeit in Deutschland durch EU Vorgaben eingeschränkt. Zudem kritisierte er die Bundesregierung, sich beim Thema Glasfaserausbau zu wenig mit den Bedürfnissen und Problemen der einzelnen Bundesländer auseinander zu setzen. So formuliere die Bundesregierung Ziele, ohne genau zu wissen, wie man sie überhaupt realisieren solle. Auch glaube er nicht an einen flächendeckenden LTE-Ausbau in diesem Jahr, wie es die Bundesregierung verspreche, sondern eher für 2013.

Mit Kooperation zum Glas

Wie sehen die Geschäftsmodelle und Infrastrukturen in Deutschland derzeit aus? Welche Akteure stemmen den Breitbandausbau und wie arbeiten NGA-Infrastruktur- und Diensteanbieter zusammen? Ist etwa Open Access das Netzmodell der Zukunft?

Der Markt: Mit Kooperation zum Glas

Diskussionsrunde "Mit Kooperation zum Glas". Arnold Stender (l.) sieht QSC dabei als Integrator "Glasfaser ist in Deutschland ein Flickenteppich und wir haben das Know-how, die Puzzleteile zusammen zu fügen." Foto: © VATM/Frank Ossenbrink

Arnold Stender, Leiter der Business-Units Produkte/Wholesale bei QSC stellte noch einmal klar, dass QSC sich zwar selbst nicht am Infrastrukturausbau beteiligen werde, er sehe QSC aber in einer Schlüsselrolle als Integrator. „Glasfaser ist in Deutschland ein Flickenteppich und wir haben das Know-how, die Puzzleteile zusammen zu fügen“, so Stender. Dabei wies er auf das Hauptproblem der Infrastrukturanbieter hin, den schnellen Return-on-Invest: „Wenn ich in den Ausbau investiere, muss schnell Traffic auf das Netz. Es gebe genügend Nachfrager, aber dann müsste man als Anbieter von Infrastruktur erstmal mit allen sprechen und mühsam Verträge aushandeln. „Damit nicht jeder mit jedem reden muss, wollen wir Anbieter und Nachfrager zusammen bringen.“

Andreas Griel, Geschäftsführer der TeleMark Telekommunikationsgesellschaft mbH aus dem sauerländischen Herscheid sah dies ähnlich. Noch vermisse er die mangelnde Kooperationsbereitschaft der einzelnen Unternehmen. Da sei das Open Access Modell von QSC schon sehr erfreulich. Auch bei TeleMark wolle man Anbieter und Nachfrager zusammen bringen, aber derartige Kooperationsgespräche seien oft langwierig. Außerdem helfe es, wenn man selbst nicht Anbieter sei.

Der Ruf nach Kooperation wurde dann auch bei Dr. Andreas Breuer, Vice President der RWE Deutschland AG deutlich. „Wenn wir ohnehin für unser Netz mehr Sensorik brauchen, dann ist es gut, nicht nur auf eine Infrastruktur zu setzen.“ Breuer verwies darauf, dass RWE bereits jetzt für die Zukunft vorsorge, und man überall dort, wo ohnehin gegraben werde, bereits Leerrohre für spätere Glasfaser-Leitungen verlege. Der Energieversorger sieht sich aber in Zukunft als reiner Infrastruktur-Anbieter. Dienste wolle man selbst nicht anbieten. „Da ist dann Kooperation gefragt.“ Auch werden man nicht flächendeckend Infrastruktur ausbauen. Von einem „verordneten Rollout“ nach dem „Gießkannenprinzip“ halte man ohnehin nicht viel. Hier sei es wichtig, Kooperationspartner zu finden. Gerade in den ländlichen Gebieten, wo der Ausbau der Infrastruktur besonders teuer sei. Hier brauche man 70 bis 80 Prozent „Mitverleger“ um überhaupt wirtschaftlich zu sein.

Die Suche nach dem Business-Case

Wie kreativ muss man werden, um die richtigen Finanzierungspartner zu finden? Lässt sich die Glasfaser auf dem Land überhaupt finanzieren?

Olaf Tölke, Leiter Kommunal- und Infrastrukturfinanzierung der Investitionsbank Schleswig-Holstein hält es zwar für schwer, aber machbar. „In unserem Bundesland gibt es fast nur ländliche Gebiete“. Um ein Glasfaserprojekt auf die Beine zu stellen müsse erstmal ein vernünftiger Business-Plan her. Die Schwierigkeit sei aber die Messbarkeit eines solchen Plans. Den muss man als Bank dabei oftmals nicht einfach nur prüfen, sondern aktiv mit erstellen. „Wir als Investitionsbank wollen helfen, die Dinge in Gang zu bringen und bieten Banken die Möglichkeit, mitzumachen.“ Damit es klappt, muss man oftmals viele regionale Akteure zusammen bringen.

Die Suche nach dem Business Case

David Zimmer (inexio, 2.v.l.) merkte an, dass LTE bei vielen Kommunen oft falsche Erwartungen wecke. Dies sei jedoch kein Ersatz für Glasfaser. Foto: © VATM/Frank Ossenbrink

David Zimmer, Geschäftsführer der inexio Informationstechnologie und Telekommunikations KGaA berichtete von dem Problem, dass es nicht immer leicht sei, Banken das Geschäftsmodell überhaupt verständlich zu machen. Kritisch äußerte sich David Zimmer über die Erwartungshaltungen in den Kommunen, sobald der Mobilfunkausbau via LTE ins Gespräch kommt. „LTE weckt bei Bürgermeistern oft falsche Erwartungen“, so Zimmer. Dabei sei LTE kein Ersatz für die Glasfaser. Doch sobald ein Ausbau in Aussicht stünde, würden die Gespräche über einen Glasfaserausbau schnell abgebrochen. Erst danach würden viele realisieren, dass LTE nicht die Bandbreite bringt, die man sich erhofft habe.

Eine andere Möglichkeit für den Infrastrukturausbau in den Kommunen wären natürlich die Förderprogramme der EU. Doch Helmut Gallitscher, Geschäftsführer der Avacomm Systems GmbH steht dem kritisch gegenüber. „Nehmen Sie Fördermittel in Anspruch, kommen Sie an einen Punkt, wo Ihnen die EU in Ihr Geschäftsmodell hereinredet.“

Die abschließenden Worte hielt Robert Hoffmann, Vorstandssprecher der 1&1 Internet AG und Präsidiumsmitglied des VATM. Dabei betonte er noch einmal, die aus seiner Sicht wichtige Kooperationsbereitschaft für einen erfolgreichen Ausbau der Glasfaser in Deutschland. In den Städten werde der Wettbewerb immer höher sein, als auf dem Land. Partnerschaften seien daher unerlässlich „Wir müssen uns nur daran gewöhnen“, beschwor Hoffmann die Teilnehmer. Im NGA-Forum der Bundesnetzagentur wolle sich der VATM dafür stark machen, den Ebene-2 Netzzugang genau zu spezifizieren, damit Investoren in Zukunft mehr Sicherheit haben.

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Onlinekosten.de: Energieversorger: „Revolution beim Glasfaserausbau“
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Portel.de: RWE-Glasfaserprojekte enden meistens am Telekom-Schaltverteiler
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VATM-Glasfasertag: Wie kommt die Glasfaser aufs Land?
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