Schlank statt fett – Thin Clients und Desktop-Virtualisierung

Intelligente, mobile Arbeitsgeräte wie Tablets und Smartphones werden den Arbeitsplatz künftig gehörig verändern. Doch natürlich bleibt der gute alte PC erhalten, wenn auch in anderer Form als heute üblich. Die Zukunft gehört schlanken und ressourcenschonenden Rechnern. Mit Thin Clients und Desktop-Virtualisierung sind die Grundkonzepte der künftigen Arbeitsplatzrechner bereits verfügbar – und finden in Unternehmen immer mehr Anhänger.

Was vom PC übrig bleibt: Nach einer Studie der Experton Group über den „Client der Zukunft“ wird der Markt für Thin-Clients im Wesentlichen von HP, Igel und Wyse getrieben. Im Beispiel eine Thin-Client-Lösung von Wyse. Quelle: Wyse Technology.

Was vom PC übrig bleibt: Nach einer Studie der Experton Group über den „Client der Zukunft“ wird der Markt für Thin-Clients im Wesentlichen von HP, Igel und Wyse getrieben. Im Beispiel eine Thin-Client-Lösung von Wyse. Quelle: Wyse.

 

Was vom PC übrig bleibt

Natürlich wird der PC – wie im letzten Beitrag etwas provokant formuliert – nicht verschwinden und zur Gänze von Tablets und anderen mobilen Devices abgelöst. Schließlich werden auch weiter Daten erfasst und Texte produziert werden müssen. Und die lassen sich immer noch am besten über eine ganz altmodische Tastatur eingeben. Das werden wir in wenigen Jahren aber nicht mehr über den traditionellen „Fat Client“ machen – wie der moderne, hochgerüstete PC abfällig genannt wird. Dessen Nachteile zeigen sich heute überdeutlich im Masseneinsatz bei Unternehmen.

Fehlende Standards haben zu Komplexität der Geräteparks und zu sehr heterogenen IT-Landschaften geführt – mit gemischten älteren und neueren Desktops unterschiedlicher Hersteller mit unterschiedlichen Betriebssystemen. Und das, obwohl die PC-Arbeitsplätze eigentlich ähnlich sind und identische Funktionen erfüllen.

Diese Vielfalt erhöht unter anderem den Aufwand bei Wartung und Support wie zum Beispiel beim Einspielen von Updates. Zudem erfordern verschiedene User-Typen jeweils unterschiedliche Behandlung. So nutzen etwa Mobile Worker im Gegensatz zu Standard-Anwendern tendenziell nicht-standardisierte Applikationen, die den Nutzern auf verschiedene Art und Weise zur Verfügung gestellt werden müssen. Zu diesem Zweck gilt es, ein breites Spektrum an teilweise sehr speziellen Skills aufzubauen und vorzuhalten.

Hinzu kommen diverse Schwachstellen wie Sicherheitslücken, ein hoher Ressourcenaufwand für den Schutz gegen Viren, Spam und Hackerattacken sowie die Gefahr eines Datenverlusts, weil es den Nutzern obliegt, die Daten zu sichern.

 

Aus für den „fetten PC“?

Die schwerwiegendsten Nachteile für die Geschäftsführung dürften jedoch die hohen Kosten der PC-Arbeitsplätze und der hohe Stromverbrauch sein. Stromsparen beim Computer mag manchem als Peanuts erscheinen, doch in Firmen mit mehreren hundert Mitarbeitern läppern sich die verbrauchten Kilowattstunden schnell zu einer horrenden Stromrechnung.

 

Laut einer Modellrechnung der Fraunhofer-Geselschaft ergibt sich bei Thin Clients ein Einssparpotential von 23 bis 29 Prozent gegenüber Fat Clients. Quelle: Fraunhofer.

Laut einer Modellrechnung der Fraunhofer-Geselschaft ergibt sich bei Thin Clients ein Einssparpotential von 23 bis 29 Prozent gegenüber Fat Clients. Quelle: Fraunhofer.

Laut einer Modellrechnung der Fraunhofer-Geselschaft ergibt sich bei Thin Clients ein Einsparpotential von 23 bis 29 Prozent gegenüber Fat Clients. Quelle: Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und EnerigetechnikUMSICHT.

Laut diverser Studien entfallen rund 80 Prozent der PC-Kosten auf den Betrieb und nur 20 Prozent auf die Gerätehardware. Diese Erhebungen zeigen aber auch, dass sich 40 Prozent der Betriebskosten durch eine hoch standardisierte und gut administrierte PC-Infrastruktur einsparen ließen.

Angesichts dieser Faktenlage sieht die Zukunft des fetten PCs mau aus. Schlanke, ressourcenschonende und standardisierte Alternativen hingegen dürften künftig gehörig im Aufwind liegen. Dazu gehören vor allem Thin Clients. Die abgespeckten Rechner sind stark reduzierte Arbeitsstationen, die außer einem Basis-Betriebssystem und der benötigten Client-Software keine weiteren Programme benötigen.

Die notwendige Anwendungssoftware und die Daten werden über zentrale Server zur Verfügung gestellt – weshalb man auch von serverbased Computing spricht. Die Server verarbeiten die Eingaben und schicken die Ausgaben zurück zum Client, der diese nur noch anzeigen muss. Der Client regelt lediglich den Datentransfer zwischen Terminalserver und Ein- und Ausgabegeräten wie Bildschirm, Tastatur und Maus.

 

Thin Client – geringere Kosten, bessere Ökologie

Die Vorteile von Thin Clients liegen auf der Hand: Am Arbeitsplatz können einfache, preiswerte Endgeräte bereitgestellt werden. Sie kosten in der Regel um die 200 bis 300 Euro. Lokale Software-Installationen entfallen. Auf den Thin Clients läuft nur die Software, die für den Zugriff auf zentral betriebene Anwendungen benötigt wird. Diese Basissoftware kann unabhängig von den Anwendungen, die tatsächlich genutzt werden, einheitlich auf dem Server gemanagt werden. Aufgrund fehlender Festplatten und anderer Teile fallen die schlanken Rechner zudem weniger häufig aus.

Das alles macht Thin Clients sehr wartungsarm und preiswert im Betrieb. Laut einer Fraunhofer-Studie schneiden die Thin Clients unter Berücksichtigung aller Kosten einschließlich Anschaffung, Betrieb und Entsorgung über einen Zeitraum von drei Jahren mit 1400 Euro klar besser ab als „Fat Clients“ mit 2200 Euro.

Enorm sind vor allem auch die ökologischen Vorteile von Thin Clients. Laut der Bitkom-Studie „Ressourceneffiziente Arbeitsplatz-Computerlösungen 2020“ hat das Thin-Client-Konzept eine deutlich bessere Energieeffizienz. „Während ein PC bei einer durchschnittlichen Büronutzung pro Jahr einen kumulierten Primärenergieaufwand von cirka 700 Kilowattstunden hat, liegen Thin Clients inklusive Serveranteil gerade einmal bei rund der Hälfte,“ heißt es in der Studie.

 

Stromkosten pro Computerarbeitsplatz (inklusive Terminalservernutzung, ohne Monitor) innerhalb von drei Jahren. TC = Thin Client. Quelle: Bitkom.

Stromkosten pro Computerarbeitsplatz (inklusive Terminalservernutzung, ohne Monitor) innerhalb von drei Jahren. TC = Thin Client. Quelle: Bitkom.

Zu dem gleichen Ergebnis kommt eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT). „Die Stromersparnis gegenüber herkömmlichen PC beträgt im Betrieb bis zu 50 Prozent“, heißt es dort. Alles in allem sieht die Fraunhofer-Studie das Einsparpotential bei Thin Clients bei etwa 30 Prozent, Cases aus der Praxis bestätigen diese Tendenz.

 

Weiterentwicklungen

Eine gewisse Weiterentwicklung des serverbasierten Thin-Client-Konzepts ist die Desktop-Virtualisierung. Bei einer Virtual Desktop Infrastructure beziehen die abgespeckten Rechner am Arbeitsplatz nicht nur einzelne Anwendungen und Daten, sondern ihre komplette Arbeitsumgebung von einem Zentralrechner – also auch das Betriebssystem und die benutzerdefinierten Einstellungen. Sie beseitigen damit den Nachteil von Thin Clients, dass Anwender keine wirklich personalisierten Desktops bekommen – und zudem die Anwendungen mehrbenutzerfähig sein müssen.

Virtualisierte Desktops hingegen erlauben neben der zentralen Bereitstellung vor allem auch sehr individuelle Arbeitsumgebungen. Die Mitarbeiter können mit virtuellen PCs also genauso komfortabel arbeiten wie mit klassischen PCs. Als physische Endgeräte genügen Thin Clients; aber auch die vorhandenen PCs oder Mobilrechner können als Basis für die Technik genutzt werden.

Wie auch immer:
Die Zentralisierung des Desktop ist keine graue Theorie, sondern schon Realität
 – wie eine ganze Reihe von Studien belegt. Es gibt es einen klaren Trend weg von der üblichen Client-Installation hin zu Thin Clients und virtuellen Desktops.

Thin Clients werden schon seit Jahren eingesetzt und gelten als ausgereift. Häufig genutzt werden sie in Behörden, Versicherungen, Banken und größeren Unternehmen. Die Bundesanstalt für Materialforschung in Berlin beispielsweise nutzt Thin Clients unter anderem aufgrund ihres lautlosen Betriebs, Sparkassen und Landesbanken haben bereits 140.000 Thin Clients installiert. Laut der oben genannten Bitkom-Studie setzt sich der aktuelle Bestand an Arbeitsplatzcomputern aus 50 Prozent PCs, 41 Prozent Notebooks und 8 Prozent Thin Clients zusammen. Zu den Anbietern zählen Unternehmen wie Fujitsu, Hewlett Packard, Wyse Technology und Igel Technology. Einen Marktüberblick hat kürzlich die Computerwoche veröffentlicht.

Experton beispielsweise sieht die Zunahme der Thin-Clients aktuell bei 71 Prozent. Laut Bitkom wächst der Markt für Desktop-Virtualisierung in Deutschland in diesem Jahr um rund 13 Prozent. Die Analysten von Gartner prognostizieren für 2013 weltweit ein Marktvolumen von 65 Milliarden Dollar für PC-Virtualisierunng – das wären 40 Prozent des Marktes für professionell genutzte PCs.

Auch Nutzer profitieren von Thin Clients: Laut Fraunhofer bieten sie vor allem höhere Stabilität, Nutzerfreundlichkeit, Fehlerfreiheit und Performance. Quelle: Fraunhofer.

Auch Nutzer profitieren von Thin Clients: Laut Fraunhofer bieten sie vor allem höhere Stabilität, Nutzerfreundlichkeit, Fehlerfreiheit und Performance. Quelle: Fraunhofer.

 

Artikel-Serie über Trends in der Arbeitswelt

Dieser Artikel ist der dritte Teil einer Serie über Trends in der Arbeitswelt, die der  Münchener Wissenschaftsjournalist Dr. Klaus Manhart exklusiv für das QSC-Blog verfasst: Wie werden wir in Zukunft arbeiten, wie verändern moderne IT-Services und TK-Anwendungen unseren Büroalltag? Und welche neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinaus ergeben sich dadurch künftig? Bisher erschienen:

Schlank statt fett – Thin Clients und Desktop-Virtualisierung
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Klaus Manhart

Über Klaus Manhart

Der Münchener arbeitet als freiberuflicher Fachautor mit den Schwerpunkten IT und Wissenschaft. Seine Laufbahn begann Dr. Klaus Manhart mit einem Studium der Sozialwissenschaften und Psychologie sowie Logik und Wissenschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort promovierte er in den Fächern Logik und Wissenschaftstheorie. Er publiziert regelmäßig in Wissenschaftsmagazinen und der IT-Presse und wurde für einige seiner Beiträge ausgezeichnet.
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Eine Antwort auf Schlank statt fett – Thin Clients und Desktop-Virtualisierung

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  1. A. Strumpen sagt:

    Mit den grundlegenden Aussagen dieses Blog Beitrags stimme ich überein, jedoch sehe ich hier nicht die vom Author suggerierte baldige Erfolgsstory der Thin Clients.

    Diese Geräte gibt es schon seit 1998 und man sollte sich fragen wieso entsprechende Vorteile sich seitdem (diese waren schon immer vorhanden) nicht im breiten Arbeitseinsatz durchgesetzt haben.

    Meine persönlichen Erfahrungen sind, daß zum einen hetrogene Softwarelösungen nicht auch Terminalservern migriert werden konnten oder aufgrund des migrationsaufwandes nicht Ihren Weg auf die Server Station der Thin Clients geschafft hat, zum anderen sind durch die gewachsenen Grafikauflösungen und Bildschirmgrößen, sowie die benötigent multidisplay Arbeitsplätzen, so mancher Einsatzbereich schnell an seinen technischen Möglichkeiten (zu schmale Netzwerkpapazität, zuviele Anwender in den Spitzenzeiten). Es gibt aber auch sehr banale Gründe weswegen häufig sinnige Chin Client Lösungen nicht eingesetzt werden. zB. nicht genügend qualifiziertes IT Betreuungspersonal der Terminalserver, oder aber Arbeitgeber die auf ein Leasing mopbell bei PC’s setzen oder gar Mitarbeitern Flexibilität(Home office etc. pp.) bieten wollen und daher die Arbeitsplätze direkt mit Laptoplösungen bestücken.

    Insofern bleiben eigentlich nur komplett neu aufzusetzende IT Lösungen für die im Vorfeld sich Gedanken gemacht wurden, ob eine Chin Client Lösung für den Aufgabenbereich passend ist/wäre.

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