QSC-Hauptversammlung: „Wann kommt das ITK-Geschäft richtig ins Rollen?“

Hauptversammlung der QSC AG: "Wann kommt das ITK-Geschäft richtig ins Rollen?"

Die jährliche Hauptversammlung (HV) ist so etwas wie die Nagelprobe für das Management eines börsennotierten Unternehmens. Hat es der Vorstand verstanden, die Erwartungen der Aktionäre zu erfüllen? Hat er die Zukunftspläne für das Unternehmen plausibel machen können? Werden die Aktionäre die Anträge des Vorstands billigen? Werden alle Fragen der Aktionäre zur Zufriedenheit beantwortet werden können? Diese und mehr solcher Fragen stellen sich Vorstand und HV-Organisatoren jedes Jahr wieder.

Am 16. Mai 2012 musste sich die QSC AG nun dieser Prüfung unterziehen. Mit zahlreichen Rednern und rund 150 zu beantwortenden Fragen fiel sie besonders intensiv aus. Wir haben am Rande der ordentlichen Hauptversammlung des Unternehmens Aktionäre befragt und in den Tagen danach QSC-Vorstände und -Führungskräfte um Statements gebeten. Ein Stimmungsbild.

Die Ziele sind hoch gesteckt: Eine „Vision 2016“ hatte der QSC-Vorstand entworfen und dies zur Leitlinie des Geschäftsberichts gemacht – mit hohen Ambitionen, die man in den kommenden vier Jahren erreichen will: „Umsatz x2, Ebitda x3, Free Cashflow x4“. Reichlich Stoff für Fragen und Diskussionen auf der Hauptversammlung: Wie kann das Unternehmen dies schaffen? Wie groß sind die Chancen für das Zukunftsfeld Cloud im Mittelstand tatsächlich? Reicht die neue ITK-Strategie, um in den nächsten Jahren sowohl Umsatz als auch die Marge zu steigern?

Intensive Arbeit

Eike Scherer, Aktionär aus Mannheim, ist mit der Richtung zufrieden, die das Unternehmen nimmt: „Die Strategie wurde auf der HV sehr überzeugend präsentiert. Man hat den Eindruck: Dieser Vorstand weiß, wovon er spricht.“

Finanzmarktanalyst und Aktionär Oliver Schroth aus Berlin sieht die QSC AG ebenfalls auf dem richtigen Weg: „Der Vorstand zieht an einem Strang und überzeugt durch seine sehr hohe Integrität. ITK und Cloud sind außerdem wesentliche Zukunftsthemen.“ Etwas Skepsis ist bei ihm jedoch geblieben: „Mich als Investor interessiert aber vor allem: Wie kann man mit solch einer Vision Marge generieren? Der Vorstand muss noch mehr als bisher plausibel machen, dass der Mittelstand – bei der bekannten Sicherheitsproblematik – sich tatsächlich der Cloud anvertrauen wird. Außerdem kann das Unternehmen nur mit noch mehr eigenen und profitablen Produkten bestehen, die dem Kunden helfen erfolgreich zu sein.“

QSC-Vorstandschef Dr. Bernd Schlobohm bei seiner Rede vor der ordentlichen Hauptversammlung der QSC AG am 16. Mai 2012. Foto (cc): Dennis Knake / QSC AG.

QSC-Vorstandschef Dr. Bernd Schlobohm bei seiner Rede vor der ordentlichen Hauptversammlung der QSC AG am 16. Mai 2012. Foto (cc): Dennis Knake / QSC AG.

Vorstandschef Dr. Bernd Schlobohm stellt nach der Hauptversammlung fest: „Die Aktionäre haben uns sehr fundierte und detaillierte Fragen vor allem zu unserer ‚Vision 2016‘ gestellt. Diese HV war von einer intensiven Arbeitsatmosphäre geprägt.“ Trotzdem hat er den Eindruck, dass die Zustimmung überwiegt: „Das zeigen die überaus positiven Abstimmungsergebnisse, aber auch meine Gespräche am Rande.“

Seine Rede zur „Vision 2016“ hatte Schlobohm mit den Worten beendet: „Für mich ist die QSC-Aktie eines der lohnendsten Investments am Kapitalmarkt“. Dass dies nicht nur dahingesagt war, zeigt sein Aktienkauf von 100.000 Stück zwei Tage danach.

Details zur „Vision 2016“ können Sie im Geschäftsbericht und in der Rede von Dr. Bernd Schlobohm auf der Hauptversammlung nachlesen. Klicken Sie hier:

Positive Signale an die Investoren

Besonderes Bonbon für die Aktionäre war in diesem Jahr der Antrag des Vorstands, erstmals eine Dividende zu zahlen. Allerdings hatte der Kurs der Aktie kurz vor der Hauptversammlung nachgegeben, nachdem der langjährige Großaktionär Baker Capital seine QSC-Aktien verteilt hatte und auch Zahlen zum ersten Quartal 2012 teilweise mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen wurden. Der Vorstand – der von seiner „Vision 2016“ überzeugt ist – kündigte am 11. Mai 2012 ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu zehn Prozent der QSC-Aktien an. Alles Themen, die einen weiten Raum auf der Hauptversammlung einnahmen.

Finanzvorstand Jürgen Hermann dazu: „Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wir hätten die Platzierung der Aktien von Baker Capital gemeinsam vorbereiten und durchführen können. Baker Capital hatte jedoch einen anderen Weg gewählt.“ Und zu den Q1-Zahlen machte er deutlich: „Die Zahlen liegen absolut im Plan. Denn während wir die Integration vorantreiben und entsprechende Kosten direkt erfassen, werden sich die zusätzlichen Umsätze erst nach und nach einstellen.“

Auch Hermann erklärte, dass es aus seiner Sicht kaum ein attraktiveres Investment als die QSC-Aktie gäbe. Allerdings wollte er den Aktienrückkauf nicht nur auf diesen Aspekt reduziert wissen. Die zurückgekauften Aktien könnten auch als Akquisitionswährung, als Mitarbeiterbindung und zur Stärkung des Grundkapitals dienen.

Bei Ulrike und Matthias Oberst, langjährigen QSC-Aktionären aus Rösrath bei Köln, ist diese Botschaft angekommen: „Die Dividendenzahlung und der Aktienrückkauf sind positive Zeichen, die uns überzeugen. Wir werden unsere QSC-Aktien auf jeden Fall halten. Natürlich hoffen wir, dass – wie versprochen – auch in den nächsten Jahren eine Dividende in derselben Höhe gezahlt wird. Jetzt muss nur noch die Börse von der Unternehmensstrategie überzeugt werden. Dann macht auch der Kurs wieder mit.“

Oliver Schroth hofft darauf, dass QSC einen Teil der zurückgekauften Aktien einzieht. Außerdem, so der Finanzexperte: „QSC muss sich wieder um Großaktionäre bemühen, sonst besteht ein zu großes Übernahmerisiko.“

Dass die HV die Ausschüttung der Dividende nicht beschließen würde, hatte niemand erwartet. Daher ging es dann auch ganz schnell. „Ich bin beeindruckt, dass die am Mittwoch auf der Hauptversammlung der QSC AG beschlossene Dividende schon einen Tag später auf meinem Konto war“, freut sich zum Beispiel QSC-Aktionär Attila Radnai, der bei der QSC-Tochter Plusnet arbeitet und dort für Prozesse und Systeme zuständig ist.

Und wie geht es jetzt weiter?

Im Backoffice der Hauptversammlung recherchieren Mitarbeiter der QSC AG Informationen für detaillierte Antworten auf Fragen.

Im Backoffice der Hauptversammlung: Mitarbeiter der QSC AG recherchieren Informationen, damit die Vorstände Fragen detailliert beantworten können. Foto (cc): Dennis Knake / QSC AG.

Arne Thull, IR-Manager der QSC AG und Gastgeber der Hauptversammlung resümiert: „Mir ist auf dieser HV noch einmal mehr klar geworden, dass wir jetzt zügig liefern müssen, was wir versprochen haben. Die Frage, die hinter allen Fragen der Aktionäre und Analysten steht, ist doch: Wann bringen wir das ITK-Geschäft richtig ins Rollen?“

Und weiter sagt Thull: „Dass wir zu Innovationen in der Lage sind, haben wir auch auf dieser Veranstaltung erfahren: Unsere IT-Abteilung hat für die Hauptversammlung ein modernes FAQ-System selbst entwickelt, das die gesamten Abläufe schneller und transparenter gemacht hat.“

Finanzmarktkenner Oliver Schroth hofft für die Zukunft der QSC AG auch auf eine Beruhigung der Finanzmärkte: „Vieles, was wir derzeit an den Börsen beobachten, ist der unsicheren Finanzlage und den großen Problemen des Euro geschuldet. Das trifft natürlich auch dieses Unternehmen zu.“

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