Wenn das Haus das Licht ausmacht: Ein Besuch in der Welt von morgen

Wie könnte sich unsere Art zu wohnen oder zu arbeiten in den nächsten Jahren verändern? Welche Technologien werden Bestandteil unseres täglichen Gebrauchs? Im inHaus-Zentrum des Fraunhofer Instituts auf dem Campus der Universität Duisburg-Essen kann man sich heute schon einen Einblick in die Welt von morgen verschaffen. Manches davon gibt es schon, manches ist Zukunftsmusik und manches wird wohl für immer eine schöne Idee kreativer Forscher bleiben.

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist mit über 20.000 Mitarbeitern die größte Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen in Europa. Die im Jahr 1949 gegründete Gesellschaft hat das Ziel, Forschung zum unmittelbaren Nutzen für Unternehmen und zum Vorteil der Gesellschaft durchzuführen. Dazu betreibt sie mehr als 80 Forschungseinrichtungen, davon 60 Institute, an 40 Standorten in ganz Deutschland.

Die wohl bekannteste Entwicklung der Gesellschaft ist der so genannte „MPEG Audio Layer III“, auch MP3 genannt. Ein Verfahren zur Kompression digital gespeicherter Audiodaten. Jeder, der heute Musik auf einem tragbaren Player abspielt oder über das Internet besorgt, stößt unweigerlich auf das MP3-Format.

Zu rund 40 Prozent wird die Fraunhofer-Gesellschaft von Bund und Ländern finanziert. Die restlichen Aufwendungen müssen durch Aufträge aus der Industrie aber auch öffentlich finanzierte Forschungsprojekte gedeckt werden.

Schlauer Spiegel

Schlauer Spiegel: Er vermiest einem zum Frühstück nicht nur die Laune durch die Einblendung des Körpergewichts, sondern erinnert an die Einnahme von Tabletten oder lässt sich zum Surfen im Web verwenden. Foto: Dennis Knake/QSC

Im InHaus-Zentrum, das im vergangenen Jahr zehnjähriges Jubiläum feierte gibt es für den Otto-Normal-Menschen so manche Kuriosität zu bewundern: Badezimmerspiegel, die an die Einnahme von Medikamenten erinnern, sanft in den Schlaf schaukelnde Betten, Sensoren im Teppich, die im Bedarfsfall Alarm schlagen, wenn eine Person hilflos am Boden liegt, oder Hotelzimmer, die sich auf Knopfdruck in eine Familiensuite oder einen Tagungsraum verwandeln.

Doch nicht nur High-Tech spielt dort eine wichtige Rolle. Viele Innovationen sind für den Besucher auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Wie etwa spezieller Beton, der die Schalldämmung in Großraumbüros fördert und so für ein angenehmeres Arbeitsumfeld sorgt.

inHaus 1 – Das Haus, das mitdenkt

SmartHome Wohnkonzept

Das SmartHome im „InHaus 1“ weiß, wann Menschen in ihm hausen. Verlässt man die Wohnung, schalten sich ungenutzte Verbraucher sofort ab. Auf Wunsch wird der aktuelle Stromverbrauch über den Fernseher dargestellt. Foto: Dennis Knake/QSC

Das am 3. April 2001 eröffnete „InHaus 1“ widmet sich ganz dem Forschungsfeld „innovatives Wohnen“. So ist die videoüberwachte und auch mit einem Fingerabdruck zu öffnende Wohnung auch deshalb so innovativ, weil die Technik auch in älteren Gebäuden ohne große Umbauten nachgerüstet werden kann.

Im Haus selbst wird die gesamte Hauselektronik per iPad gesteuert. Unterschiedliche Lichtprofile, anpasst je nach persönlicher Stimmungslage, werden per Chipkarte ausgelöst, indem man sie einfach auf das Wohnzimmerregal legt. Auf dem Fernseher ist jederzeit der aktuelle Stromverbrauch alle angeschlossenen Geräte zu betrachten. Aber auch sonst ist das Haus recht clever: So schaltet es bei Verlassen der Wohnung automatisch alle unwichtigen Stromverbraucher ab.

SmartHome Steuerung am iPad

Das SmartHome kann komplett über das iPad oder andere Smartphones gesteuert werden. Auch die Videokommunikation über die Türsprechanlage funktioniert hiermit. Foto: Dennis Knake/QSC

Wenn der Bewohner möchte, kann er einzelne Elemente wie Heizung, Licht oder Jalousien aber auch aus der Ferne per Smartphone steuern. Steigt die Luftfeuchtigkeit zu sehr an, öffnen sich Fenster automatisch – nie wieder Schimmel im Haus!

„Smart Home“ nennt sich diese Art der Vernetzung von Hauselektronik mit umfassender Sensorik im Fachjargon. Sie hilft, Energie effizienter zu nutzen und kann auf innere und äußere Einflüsse entsprechend reagieren. So kann beispielsweise in stark gedämmten Häusern der CO2-Gehalt in der Raumluft schnell ansteigen. Registriert ein Sensor dies, wird automatisch gelüftet. Das sorgt für mehr Sicherheit. Auch für ältere Menschen kann ein SmartHome die Lebensqualität im Alter deutlich steigern. Durch intelligente Sensorik kann zudem sofort Alarm ausgelöst werden, wenn sich etwas Ungewöhnliches ereignet oder ein Notfall vorliegt und Hilfe benötigt wird.

Toilette und Dusche in einem

Warum ist die Toilette hinter Glas? Die Lösung: Auf Knopfdruck dreht sich die Wand und präsentiert eine geräumige Dusche. Foto: Dennis Knake/QSC

inHaus 2 – Smarte Nutzimmobilien

2008 kam das „InHaus 2“ hinzu. In diesem größeren Komplex wird an Konzepten und Lösungen für Nutzimmobilien gearbeitet. So entstanden Anwendungslabore für die Themen „Bauen und Bauprozesse“, „Gebäudebetrieb und Facility Management“, „Healthcare“, „Hotel und Veranstaltungsräume“ sowie „Office“ und „Wohnen“.

Wie könnte das Hotelbad der Zukunft aussehen? Architekten und Planer machten sich im Inhaus-Zentrum Gedanken über die Trends von morgen: So findet sich dort ein Badezimmer, das auf nur wenigen Quadratmetern eine Dusche, Badewanne, Toilette und Waschbecken beherbergt, ohne dabei Platzangst zu verbreiten. Per Knopfdruck kann das Bad in eine Toilette oder geräumige Dusche verwandelt werden. So müssen Hotelgäste trotz Platzmangel nicht auf Komfort verzichten. Wände lassen sich verschieben, oder ganze Hotelzimmer lassen sich modular je nach aktuellem Raumbedarf anpassen.

Aber auch nicht ganz so sichtbare Dinge, erleichtern uns das Leben im Alltag und gehören mit ins Repertoire der Ingenieure: beispielsweise Nano-Beschichtung an Wänden und Fliesen, Einsatz antibakterieller Materialien, thermische Desinfektion von Thermostaten oder berührungslose Steuerung der Armaturen und Bedienelemente.

Loungesessel mit Anschluss

Lounge-Sessel mit Anschluss: Den Netzwerkstecker wird man dank WLAN oder Mobilfunkflatrate heute wohl kaum noch nutzen wollen. Über die Steckdose ist man aber sicherlich immer noch dankbar! Foto: Dennis Knake/QSC

Manche Entwicklung im InHouse-Zentrum hat sich vermutlich auch schon längst wieder überholt: So präsentiert der Bereich Office einen bequemen Ledersessel für den Lounge-Bereich mit Ablage fürs Notebook samt Strom- und Netzwerkanschluss. Während man sich über die Steckdose vielleicht noch freut, dürfte die Verkabelung für den Internetzugang dank WLAN oder Mobilfunkflatrate längst überflüssig sein.

Im Bereich Heathcare präsentiert sich dem Besucher ein Badezimmerspiegel, der einem nicht nur das aktuelle Körpergewicht verrät, sondern auch an die Einnahme von Medikamenten erinnert oder einfach jede beliebige Webseite auf Knopfdruck einblendet. Auch der Wasserhahn funktioniert natürlich Sensor-gesteuert per Handbewegung.

Das futuristische Hotelzimmer

Ob gelb oder blau, rot oder grün: Je nach Stimmung seines Bewohners kann die Farbe angepasst werden. Und auch sonst bietet das Zimmer einige Überraschungen. Foto: Dennis Knake/QSC

Ein echter Hingucker ist ein futuristisches Hotelzimmer, das dank unzähliger LEDs an der Zimmerdecke seine Farbe je nach Stimmungslage des Gastes abändern kann.

Auf Knopfdruck werden aus undurchsichtigen Milchglasfenstern plötzlich klare Scheiben, die den Blick nach draußen freigeben.

Sensoren am Fußboden sorgen für sanfte Beleuchtung, sobald man in der Nacht mal austreten muss. Und wer schlecht einschlafen kann, dem hilft vielleicht das sanft hin- und herschwenkende Hotelbett dabei – oder auch nicht.

Zugegeben, nicht immer kann man sich alle Entwicklungen auch im realen Einsatz vorstellen, doch so manches was sich im inHaus-Zentrum in Duisburg wiederfindet, wird und hat auch bereits den Weg in unser tägliches Leben gefunden. Wir dürfen gespannt sein, was die Zukunft für uns bereithält.

Wenn das Haus das Licht ausmacht: Ein Besuch in der Welt von morgen
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