Timo Ottowitz
Publiziert am 27. September 2012 von unter:

Azubis fragen nach … bei Jürgen Hermann

Ganz schön spannend, so ein Interview mit einem alten Hasen der ITK-Branche und vor allem unserem obersten Chef: Jürgen Hermann schien uns als Vorstandsvorsitzender und Personalchef der INFO AG aber der genau passende Gesprächspartner zu sein, um ein paar Tipps für unseren Karrierestart zu bekommen. Außerdem hat es uns dreien – Celina Bösl, Jan Maschewski und mich, alle Auszubildende der INFO AG – natürlich Spaß gemacht, den Boss auch mal nach persönlichen Vorlieben fragen zu dürfen. Unsere Neugierde belohnte Jürgen Hermann mit vielen interessanten Antworten.

„Azubis fragen nach“ ist eine kleine Serie, bei der die „Kleinsten“ die „Größten“ befragen. Jürgen Hermann ist der zweite in der Reihe. Den Start machte Ingo Hattendorf, Leiter Strategie der QSC AG.

Jürgen Hermann. Finanzvorstand der QSC AG und Vorstandschef der INFO AG.

Jürgen Hermann. Finanzvorstand der QSC AG und Vorstandschef der INFO AG.

 

Herr Hermann, zur Einstimmung bitten wir Sie um ein paar schnelle Entscheidungen:

Gestern oder Morgen?

Hermann: Morgen.

Alster oder Kölsch?

Hermann: Kölsch.

HSV, St. Pauli oder 1. FC Köln?

Hermann: 1. FC Köln.

Blau oder Orange?

Hermann: Blau und Orange.

Lotus Notes oder Microsoft Outlook?

Hermann: Microsoft Outlook.

Mac OS oder Windows?

Hermann: Mac OS.

iPhone oder Blackberry?

Hermann: iPhone.

iPad oder Kindle?

Hermann: iPad.

 

Jetzt aber mal etwas ernsthafter: …

Was macht die Arbeit im IT/TK/ITK-Bereich spannend?

Hermann: Der ITK-Bereich ist sehr dynamisch. Insofern entspricht eine Quartalsplanung im ITK-Segment der eines Geschäftsjahres in anderen Bereichen. Man fragt sich jeden Tag aufs Neue: „Was macht das Umfeld, was machen die Wettbewerber, gibt es neue Technologien?“ Das empfinde ich als angenehm herausfordernd und motivierend.

Was gefällt Ihnen besonders an Hamburg? Immerhin haben Sie hier studiert.

Hermann: Hamburg ist meiner Meinung nach neben Berlin die einzige Weltstadt Deutschlands. Dieses internationale Flair, die Menschen und natürlich das Wasser, von dem es ja in Hamburg bekanntlich genug gibt, üben einen besonderen Reiz aus.

Als Wirtschaftswissenschaftler sind Sie ja nicht allzu weit entfernt von der BWL. Was ist Ihr Bild eines BWLers?

Hermann: Für mich sind alle Wirtschaftswissenschaften, sei es BWL, VWL oder eben, wie in meinem Fall WiWi eng miteinander verwandt. Letzten Endes kommt es jedoch nicht auf den Studiengang an. Viel wichtiger ist eine analytische Herangehensweise, die nicht nur bei der Analyse von Problemen unterstützt, sondern auch bei der konkreten Lösung hilft. Hier gibt es oft große Unterschiede zwischen Theorie und Praxis.

Wie ist Ihr Bild eines Fachinformatikers?

Hermann: Für mich ist die Ausbildung des Fachinformatikers breit gefächert. Auch seine Einsatzmöglichkeiten reichen von der Programmierung, über das Engineering bis hin zum Projektmanagement. Grundsätzlich sehe ich in einem Fachinformatiker eine junge, weltoffene Person mit Affinität zur Technologie.

Hätten Sie ein Duales Studium gemacht, wenn es zu der Zeit Ihres Berufseinstiegs derartige Angebote in der Wirtschaft gegeben hätte?

Hermann: Ich hätte es auf jeden Fall in Erwägung gezogen. Hierbei sind die Praxisnähe und das direkte Umsetzen von Problemlösungen für mich ausschlaggebend. Im Berufsleben ist nicht der akademische Beweis, dass es ein Problem gibt, hilfreich, sondern die Lösung des Problems der Schlüssel zum Erfolg.

Fiel Ihnen der Wechsel von der Bundeswehr in das „normale“ Erwerbsleben leicht, oder war es doch eine starke Umgewöhnung?

Hermann: Der Wechsel war sicherlich der weiteste Schritt aus meiner Wohlfühlzone hinaus. Nach zwölf Jahren bei der Bundeswehr wechselte ich damals zur Thyssen Telekom AG. Die fachliche Umstellung war nicht so gravierend, da ich bereits bei der Bundeswehr mit ähnlichen Aufgaben, wie der Fernmeldetechnik, betraut war. Zudem habe ich festgestellt, dass die meisten großen Unternehmen ähnlich wie die Bundeswehr geführt werden. Lediglich die innere Hierarchie ist nicht sofort, durch Abzeichen oder Dienstgrade, ersichtlich.

 

Herr Hermann, nennen Sie bitte drei Werte / Begriffe / Eigenschaften, …

…. die einen guten Freund ausmachen:

Hermann: Vertrauen, Sympathie, Wertschätzung.

… die einen guten Mitarbeiter auszeichnen:

Hermann: Vertrauen, Loyalität, Einsatzbereitschaft.

… die eine gute Führungsperson charakterisieren:

Hermann: Vertrauen, Gerechtigkeitsempfinden, Blick fürs große Ganze.

 

Der Börsengang der QSC AG war sicherlich eine sehr spannende Phase, gerade weil Sie als Leiter der Finanzen dafür verantwortlich zeichneten. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Hermann: Als völlig verrückt. Der Börsengang fiel in die Zeit der New-Economy-Unternehmen. Es ging in kurzer Zeit um sehr viel Geld. Wir haben nächtelang durchgearbeitet, kaum geschlafen und in sechs Monaten fast 500 Millionen Euro Eigenkapital aufgebaut. Ich bin sehr stolz, diesen Meilenstein in der Geschichte der QSC AG miterlebt zu haben.

Und nun ist durch einige Zukäufe der QSC AG, unter anderem der INFO AG, wie aber auch von IP Exchange, eine Menge in Bewegung in „Ihren“ Unternehmen. Wie nehmen Sie die aktuelle Zeit wahr?

Hermann: Als nicht minder spannend. Die Arbeit macht nach 15 Jahren immer noch Spaß und ich komme jeden Tag gerne ins Büro, um mich täglich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Deshalb versuche ich nur 30 Prozent meines Arbeitstages mit Terminen zu planen, und die restlichen 70 Prozent halte ich für das Tagesgeschäft, für nicht vorhersehbare Themen, frei. Zudem ist mir die Zusammenarbeit mit den Menschen hier im Unternehmen sehr wichtig.

Und wie wird es weitergehen? Sollten wir QSC-Aktien kaufen?

Hermann: Grundsätzlich könnte ich dazu Auskunft geben, darf es aber nicht. Was ich sagen kann: Ich selber habe vor kurzem erneut QSC Anteile erworben.

Beim Aktienkauf an sich kann ich immer nur empfehlen, stets nur Geld zu investieren, das nicht unmittelbar benötigt wird. Schließlich wird der Aktienkurs eines Unternehmens nicht alleine durch dessen wirtschaftlichen Erfolg bestimmt, sondern auch die gesamtwirtschaftliche Lage oder die Entwicklung des Marktes spielen eine große Rolle und sind nicht vorhersehbar.

Den wirtschaftlichen Erfolg sehe ich natürlich bei der INFO AG/QSC AG in den nächsten Jahren gegeben, aber das bedeutet eben nicht, dass der Aktienkurs diesem zwangsweise folgt.

Zuletzt gab es mehrere schnelle Wechsel in der Führungsetage der INFO AG; wird dort nun wieder mehr Wert auf Kontinuität gelegt?

Hermann: Ernst Müllers Ausscheiden aus dem Unternehmen mit dem Verkauf an die QSC AG war natürlich geplant. Thomas Stoeks Ausscheiden aus familiären Gründen muss und sollte man akzeptieren. Ich, für meinen Teil, hätte das Amt des Vorstandsvorsitzenden nicht übernommen, ohne die Absicht langfristig Erfolge mit der INFO AG feiern zu können.

 

Und was bewegt Jürgen Hermann persönlich?

Bitte empfehlen Sie ein gutes Buch.

Hermann: Die Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson u.a. oder „Angst“ von Robert Harris sind sehr lesenswert.

Wo waren Sie das letzte Mal im Urlaub?

Hermann: Ich habe eine Selbstfahrertour durch Namibia gemacht.

Was war das größte Fettnäpfchen, in das Sie beruflich getreten sind?

Hermann: Da gab es eine Menge, zum Beispiel die Namen wichtiger Gesprächspartner wie Vorstände oder Vorgesetzten verwechselt zu haben. Dabei ist „das größte“ Fettnäpfchen relativ, da sich dies erst im Nachhinein zeigt. Meine These ist: „Wer keine Fehler macht, kann sich nicht weiterentwickeln.“

Dennoch scheint für Sie im Moment alles wie am Schnürchen zu laufen. Denken Sie ans Aufhören?

Hermann: Wenn‘s am schönsten ist, sollte man weitermachen. Wir sind erst am Anfang der Umsetzung unserer Strategie, deren Umsetzung ich als meine Hauptaufgabe sehe. Ich lege Wert darauf, Dinge, die ich plane, auch zu realisieren.

Auf dem Kick-Off sagten Sie, Sie wollten gerne wieder mehr Sport treiben. Wie steht es um die Umsetzung?

Hermann: Leider nicht in dem Maße, wie ich gehofft habe. Die größte Herausforderung ist es, den verschiedenen Rollen, zum Beispiel Familienvater und Partner, Vorstand und Jürgen Hermann selber, gerecht zu werden. Da fällt der Sport oft hinten runter. Aber heute Abend habe ich vor, eine Runde um die Alster zu laufen.

Gab es noch andere gute Vorsätze für 2012? Wie steht es um die Umsetzung?

Hermann: Wenige. Es ist meine Meinung, dass man Vorsätze nicht an einem bestimmten Jahr festmachen sollte.

 

Wie überzeugt ein Bewerber Sie davon, der richtige für einen Job zu sein?

Hermann: Er muss authentisch sein und die intellektuellen Fähigkeiten besitzen, die ausgeschriebene Aufgabe zu erfüllen. Der Kandidat sollte brennen und den Willen haben, etwas im Unternehmen zu bewegen. Ein Bewerber muss nicht unbedingt ein besonderes Fachwissen oder Können mitbringen, vielmehr sollte er in der Lage sein, sich neuen Herausforderungen zu stellen und die dazu notwendigen Fähigkeiten anzueignen.

Was raten Sie Berufseinsteigern, die bei der INFO AG / QSC AG starten wollen?

Hermann: Habt Spaß und geht offen an Themen heran. Seid neugierig, offen und aktiv. Wartet nicht auf Aufgaben, so funktioniert die Welt heute nicht mehr. Entwickelt Eigeninitiative und zeigt Aktivität. Es ist wichtig, sich auch als junger Mensch Ziele zu setzen, diese aber nicht an eine bestimmte Position in der Organisationshierachie zu knüpfen. Vielmehr sollten eure Ziele übergeordnet sein.

Warum sollten Absolventen ihren Berufseinstieg bei der INFO AG / QSC AG wagen?

Hermann: Die Branche ist spannend und die INFO AG bietet als mittelständisches Unternehmen eine große Flexibilität. Mittelständisch sagt hierbei nicht unbedingt nur etwas über die Größe des Unternehmens aus. Mittelstand ist eine Einstellung, die damit zu tun hat, dass man flexibel und pragmatisch Lösungen sucht und umsetzt. Gerade der Überblick und die große Bandbreite an Aufgaben sind ausschlaggebend.

Was ist Ihr Tipp für ambitionierte Mitarbeiter, um den nächsten Karriereschritt zu erreichen?

Hermann: Offen sein, sich Ziele setzen und engagiert den Themen nachzugehen, ohne sich dabei zu verbiegen.

Womit überzeugt die INFO AG jeden Tag aufs Neue die Mitarbeiter, gerne hier zu arbeiten?

Hermann: Da müssten wir die Mitarbeiter fragen. Ich komme gerne zur Arbeit, da ich hier mit sehr sympathischen Menschen in einem spannenden Umfeld mit viel Veränderung zusammenarbeite.

Für wie wichtig halten Sie ständige Fortbildung der Mitarbeiter?

Hermann: Die Fortbildung unserer Mitarbeiter halte ich für sehr wichtig. Stehen zu bleiben bedeutet Rückstand und zurück gehen wir nur, um Anlauf zu nehmen. Fortbildung um der Fortbildung willen, sehe ich aber kritisch. Sie muss beiden Seiten – dem Mitarbeiter und dem Unternehmen – einen Mehrwert bringen, nur dann ist sie sinnvoll.

Gibt es Pläne zur Vernetzung der Auszubildenden der INFO AG und der QSC AG? Wird es in Zukunft für Auszubildende der INFO AG bzw. QSC AG möglich sein, Zeit im „Partnerunternehmen“ zu verbringen?

Hermann: Durch die kürzlich erfolgte Übernahme der restlichen Anteile durch die QSC AG haben wir nun größere Flexibilität bei der Umsetzung solcher Vorhaben. Die Personalbereiche sind eng verzahnt und mit Marlitt Stolz war dieses Jahr zum ersten Mal eine Auszubildende der INFO AG für zwei Monate in Köln bei der QSC AG eingesetzt. Es gibt heute zwar noch keine weiteren konkreten Pläne einen Austausch zu etablieren, ich bin aber sicher, dass die Kollegen und Kolleginnen aus der Fachabteilung daran arbeiten. Es ist wichtig, dass die Menschen miteinander reden um sich kennenzulernen, dies ist der beste Schritt zur Integration.

 

Herr Hermann, zu guter Letzt nochmal kurz und knapp gefragt. Bitte vervollständigen Sie:

In 5 Jahren …

Hermann: … werden wir die Vision des Unternehmens in die Tat umgesetzt haben.

Wenn’s am schönsten ist …

Hermann: … sollte man durchaus weitermachen.

Der perfekte Auszubildende …

Hermann: … ist ein guter Mitarbeiter, der hoffentlich bei der INFO AG oder QSC AG bleibt.

Meine Laufbahn …

Hermann: … war bisher sehr zufriedenstellend.

Herr Dr. Schlobohm …

Hermann: … ist ein toller Unternehmer.

Die INFO AG …

Hermann: … ist ein spannendes Unternehmen.

„Die Cloud“

Hermann: … ist ein Wachstumsmarkt und unsere Chance.

 

Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender der INFO AG.

Über Jürgen Hermann

Jürgen Hermann studierte Wirtschafts­wis­sen­schaften an der Univer­sität der Bundeswehr Hamburg und war anschließend als Offizier der Fernmel­de­truppen des Heeres in Deutschland und USA tätig. Danach wechselte er in leitender Position in die Strate­gie­ab­teilung der Thyssen Telecom AG.

Seine Laufbahn bei QSC begann er 1997 mit der Gründung des Unter­nehmens als Beratungs­ge­sell­schaft. Er gestaltete als Leiter Finanzen den gesamten Aufbau der QSC von der vorbörs­lichen Finan­zierung über den Börsengang bis heute verant­wortlich mit.

Jürgen Hermann ist seit dem 1. April 2009 Vorstand für Finanzen und Investor Relations der QSC AG. Zum 1. Juli 2011 wurde er überdies zum Vorstand der INFO AG bestellt und dort für die Bereiche Finanzen und Personal zuständig. Seit 1. April 2012 ist Jürgen Hermann Vorstandsvorsitzender der INFO AG.

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