Richtfunk statt Kabel: Es muss nicht immer Kupfer sein

Griebsch & Rochol Druck GmbH & Co. KG

Griebsch & Rochol Druck GmbH & Co. KG in Hamm. Das Partnerunternehmen der Print Media Group mit seiner vollstufigen Bogenoffset- und Digitaldruckerei hat sich auf hochwertige Zeitschriften, Broschüren, Prospekte, Loseblattwerke oder Kataloge spezialisiert. Fotos: Dennis Knake/QSC

Gut zwei Monate ist die Bogenoffset- und Digitaldruckerei Griebsch & Rochol Druck GmbH & Co. KG im westfälischen Hamm über eine symmetrische Richtfunkstrecke mit der Außenwelt verbunden. Die Funklösung löste damit die DSL-Leitung des Unternehmens ab. Grund genug, dem Betrieb mal einen Besuch abzustatten und nach den bisherigen Erfahrungen mit der neuen Breitbandtechnik zu fragen.

Es ist ein sonniger Tag, als ich die A2 an der Ausfahrt Arnsberg verlasse und nur wenige hundert Meter und zwei Kreuzungen weiter auf das Betriebsgelände der Traditionsdruckerei, deren Geschichte sich sogar bis ins 16. Jahrhundert zurück verfolgen läßt, abbiege. Strahlend blauer Himmel, schon auf der Zufahrt fällt mir der Stahlmast mit der ganz oben angebrachten glanzend weißen Richtfunk-„Schüssel“ für den Breitbandzugang auf.

Heidelberg Druckmaschine

Heidelberg „Speedmaster“ Offset Druckmaschine. Im 3-Schicht-Betrieb wird hier an sechs Tagen die Woche für die Kunden produziert.

Carsten Hirschel ist der IT-Leiter bei Griebsch & Rochol, einem Partnerunternehmen der Print Media Group, einer Unternehmensgruppe mittelständischer Druckerein mit Standorten in Hamm, Kassel und Mannheim.

Die Unternehmensgruppe konzipiert und produziert hochwertige Zeitschriften, Magazine, Zeitungen, Kataloge, Telefonbücher, Broschüren, Bücher, Loseblattwerke, Industriedrucksachen sowie weitere hochwertige Druckerzeugnisse aus verschiedenen Materialien. Das Unternehmen überträgt nun einen Großteil der Printdaten via Richtfunkstrecke  in den CtP-Workflow („Computer-to-Plate“ = Belichtung direkt auf die Druckplatte) der Druckerei. So können die Druckplatten ohne Verzug erstellt werden.

 

Im Serverraum

Im Serverraum: Über eine Portalseite können die Kunden ihre Druckvorlagen direkt in die Systeme des Unternehmens übertragen und ihre Druckaufträge vorbereiten und verwalten. Da ist eine sichere und zuverlässige Datenanbindung unerlässlich.

Produktionsbetrieb rund um die Uhr

„Bester Tag für einen Besuch“, empfängt er mich bereits am Eingang. „Da können wir gleich mal einen Rundgang durch die Druckerei starten.“

Gesagt getan. In der großen Halle, auch Drucksaal genannt, dominieren moderne Offset Druckmaschinen der Marke Heidelberg. Gabelstapler transportieren tonnenschwere Papierberge zu den Einzügen. Am vorderen Ende bereiten Mitarbeiter den Andruck vor. An der Decke meterlange Zuleitungen, die zentrale Farbversorgung, aus denen die einzelnen Druckfarben von den am Hallenrand aufgestellten Fässern mit Druckerfarbe in die Maschinen geleitet wird.

In einem Nebenraum rattert sogar noch eine schwarze Original Heidelberg Cylinder, eine Druckmaschine aus den 1970er Jahren. „Die läuft noch wie am ersten Tag“, sagt Hirschel. Als Besucher fühlt man sich ein wenig wie eine Ameise, die sich in einem Laserdrucker verlaufen hat.

IT-Leiter Carsten Hirschel am QSC-WLL-Mast

Für unseren Besuch steigt IT-Leiter Carsten Hirschel noch einmal zur WLL-Richtfunkanlage hinauf. 10 Mbit/s liefert die Verbindung heute und kann jederzeit – quasi per Knopfdruck und ohne technische Veränderungen – das Unternehmen mit bis zu 50 Mbit/s Bandbreite versorgen.

„Hier produzieren wir im 3-Schicht-Betrieb an sechs Tagen die Woche die Drucksachen unserer Kunden“, klärt mich Hirschel auf. „Egal ob Magazine, Hochglanzprospekte, Loseblattsammlungen. Unsere Kunden können dabei Ihre Vorlagen direkt entweder per FTP oder über eine Portalseite in unsere Systeme Laden und dort den Druckverlauf online verfolgen. Da brauchen wir natürlich eine zuverlässige Breitbandanbindung.“

 

Große Datenmengen erfordern hohe Bandbreiten

Schon seit Jahren ist Griebsch & Rochol Kunde bei QSC. Alles fing mit einer einfachen SDSL-Zuleitung an. Erst zwei, dann vier, dann fast sechs Mbit/s. Doch mit den Jahren werden auch die Anforderungen an die Datenmengen größer. „Leider ist der nächste Hauptverteiler hier im Gewerbegebiet rund drei Kilometer entfernt“, erklärt Hirschel. „Eine weitere gebündelte SDSL-Leitung hätte uns nicht mehr die benötigte Bandbreite liefern können. Da kam mir die Möglichkeit einer Richtfunkanbindung gerade recht.“

Bereits im Frühjahr diesen Jahres bestellte Hirschel Plusnet-WLL business. Ein Richtfunkprodukt mit flexiblen Bandbreiten von 2 bis 100 Mbit/s, das QSC in 42 Versorgungsgebieten in Deutschland zur Verfügung stellen kann. „Es hat einige Zeit gedauert, bis die Bundesnetzagentur die notwendigen Frequenzen genehmigt hat“, erinnert sich Hirschel. Aber dann ging alles ganz schnell: Am vereinbarten Installationstag im Juni rückte QSC mit dem notwendigen Equipment sowie schwerem Gerät für die Installation an. „Ich war ganz schön beeindruckt, als da plötzlich ein Baukran um die Ecke bog und ihre Kollegen eine massive Stahlstange aus drei Teilen vom LKW entluden.“

WLL Richtfunkantenne

Ein massives Stahlrohr hält die 60 cm Richtfunkantenne auf Position. Auch schlechte Wetterverhältnisse können der stabilen Datenverbindung nichts anhaben. Einzig eine direkte Sicht zum Übergabepunkt in das QSC-Netz ist notwendig.

Doch schon nach ein paar Stunden, waren die Schüssel samt rund 300 Kilogramm schweren Mast am Hallengebäude montiert. Die Techniker richteten die Antenne punktgenau auf den nächsten QSC-Mast in rund 5,7 Kilometern Entfernung und verlegten gut 100 Meter gut abgeschirmtes Koaxialkabel über das Hallendach in Richtung Serverraum. Hier musste das ganze nur noch mit der entsprechenden Technik verbunden werden.

 

Flexible Bandbreiten rüsten für die Zukunft

„Zunächst reichen uns die 10 Mbit/s“, fügt Hirschel hinzu. „Das installierte Equipment kann aber jederzeit ohne weitere äußere Eingriffe bis zu 50 Mbit/s übertragen. So sind wir gut für die Zukunft gerüstet.“

Und wie sieht es mit der Leitungsqualität aus?

„Die ist Klasse“, betont Hirschel. „innerhalb unseres selbst gemanageten VPNs zu den Standorten Mannheim oder Kassel messe ich gerade mal 12 Milisekunden Reaktionszeit. Einen Ausfall der Leitung gab es noch nie und auch bei schlechtem Wetter, neulich hatten wir mal ein recht kräftiges Gewitter,  gab es keine Qualitätseinbußen auf der Leitung.“

IT-Leiter Carsten Hirschen an seinem Arbeitsplatz

IT-Leiter Carsten Hirschel an seinem Arbeitsplatz: Von hier aus kann er auch die Leitungsqualität jederzeit überwachen.

Auch vom Service ist Hirschel überzeugt „Ich erreiche immer jemanden, der sich sofort um mein Anliegen kümmert und mich nicht erst endlos weiterverbinden muss. Stehen irgendwo Wartungsarbeiten im Netz an, informiert QSC mich vorab per Mail.“ An einen Fall erinnert er sich besonders: „Ich hatte mal wegen eines so genannten Reverse DNS-Eintrags eine Anfrage an QSC gestellt. Da kam bereits nach nur einer Minute eine Antwort und die Sache war erledigt.“

Feedback innerhalb einer Minute mag zwar ein glücklicher Zufall gewesen sein, aber für den IT-Leiter steht fest: „Wenn der Service nicht so gut wäre, hätten wir uns nicht für QSC entschieden“.

So sind auch die meisten anderen Standorte der Print Media Group über QSC angebunden. Sei es symmetrisch per SDSL oder ADSL-Strecke, wenn weniger Upload-Bandbreite benötigt wird. Richtfunk nutzt bislang aber nur Griebsch & Rochol in Hamm. „Für uns war das auf alle Fälle die beste Lösung“, resümiert Hirschel. Es muss halt nicht immer Kupfer sein.

 

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Richtfunk statt Kabel: Es muss nicht immer Kupfer sein
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  • Ufo -Jäger Dieter sagt:

    Hallo. Kann man eine Richtfunkstrecke anzapfen und abhören? Wäre wichtig, weil ich als UFO-Jäger eine UFO/Alien-Basis aufgespürt habe. Die haben Richtfunk zu einer großen Radioantenne RT. Telefoniert nach Hause Tel: 017xxxxxxx, UFO-Jäger Dieter

    • Dennis Knake
      Dennis Knake sagt:

      Hallo Dieter,
      das kommt natürlich immer darauf an, über welche Technologien diese Aliens verfügen. Wenn es eine intelligente außerirdische Lebensform bis zu unsererem Planeten geschafft hat, ist davon auszugehen, dass sie technologisch unserem Wissensstand um Lichtjahre voraus ist. Daher dürfte sich das Abhören einer Alienbasis per Richtfunk mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln als sehr schwierig gestalten. Auch unsere irdischen Richtfunkverbindungen lassen sich nicht so einfach durch Mitschneiden des Datenstromes abhören. Ob diese Aliens allerdings dazu in der Lage wären, vermag ich nicht zu sagen.
      Mit bestem Gruß
      Dennis Knake

      • Ufo-Jäger Dieter sagt:

        Hallo es besteht aber die Möglichkeit über Richtfunk auch Signale von Veränderten
        Signalen von Aliens die auch unsere Technik kennen in den Äther über eine hohe Radio Antenne zusenden ???
        Gute schwere Frage ???
        Gruß Ufo-Jäger Dieter

        • Dennis Knake
          Dennis Knake sagt:

          Hallo Herr Dieter, da es sich bei Richtfunk – wie der Name schon sagt – um einen gerichteten Strahl handelt, müsste das Ufo an der korrekten Stelle stationär fliegen, um unsere Signale zuverlässig zu empfangen und ggf. weiter zu verarbeiten. Allerdings verwenden wir ein proprietäres verschlüsseltes Funkprotokoll. Ob die Aliens in der Lage sind dieses zu entschlüsseln, ist uns nicht bekannt. Anders herum werden wir das Aliensignal wohl ebenfalls nicht mit den gängigen Protokollen entschlüsseln können, solange sich diese nicht an irdische Standards halten.

          • Rüdiger sagt:

            Hallo Dieter! Auch die von QSC eingesetzte Richtfunktechnik sendet meist in niedriger Höhe, so dass die Sichtverbindung gerade noch gegeben ist. Eine schwebende Abhör-Sonde der Aliens würde also schnell von den Einheimischen entdeckt werden. Setzen wir mal die technischen Möglichkeiten zum inhaltlichen Abhören voraus, müssen die Aliens auf jeden Fall mit BigData vertraut sein. Denn schaut man sich die Auslastung der Frequenzbänder und die Menge von aufgebauten Richtfunkstrecken an, ist es ziemlich voll im Medium Luft.

            Das Argument „Richtfunk ist leichter abhörbar“, weil das Medium Luft frei zugänglich ist, ist einfach falsch. Für einen Erdbewohner ist es technisch sehr viel aufwendiger die Luft statt einem Kabel abzuhören. Um eine Richtfunkstrecke abzuhören, muss auf dem Weg zwischen den beiden Richtfunkstationen eine komplette Empfangseinheit in Höhe der Richtfunkstrecke aufgebaut werden. Wie Dennis schon schrieb, ist das Wissen über die jeweilige Übertragungstechnik des verwendeten Herstellers notwendig. Für das Abhören einer Glasfaser braucht man nur einen handelsüblichen Biegekoppler, den man um die Faser legt. Aber auch hier muss man erst mal an die Faser rankommen. Stellt man alle Argumente gegenüber sind erdgebundene und Richtfunk-Strecken gleich sicher bzw. unsicher gegen das Abhören. Es gibt also keinen Grund wegen Sicherheitsbedenken auf die Vorteile von Richtfunkstrecken zu verzichten.

            Um sicherzustellen, dass Daten weder bei der Übertragung auf dem Kabel noch auf der Richtfunkstrecke mitgehört werden können, gibt es Lösungen. Für den Fall, dass ein Erdbewohner den Aufwand zum Abhören betreibt, bauen immer mehr Richtfunk- als auch WDM-Hersteller Verschlüsselungsmechanismen in die aktiven Komponenten ein. Da aber die Daten mehr und mehr durch Netze verschiedener Carrier geleitetet werden, sollte für den Fall der Service Provider Lösungen anbieten, Daten des Endkunden sicher Ende-zu-Ende zu übertragen. Mein Rat: Frage den Service Provider deines Vertrauen!

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