Klaus Manhart
Publiziert am 15. März 2013 von unter: ,

Was kostet die Wolke? – Abrechnungsmodelle für Cloud-Services

Cloud und Kosten? Viele bringen beide Begriffe nicht zusammen. Google Docs, Dropbox oder iCloud – ist doch alles umsonst, oder? Doch Gratis-Cloud-Dienste gibt es allenfalls für Privatkunden und als Appetizer. Wer wirklich nennenswerte IT-Ressourcen buchen will, muss zahlen. Das erfolgt aber nach der Cloud-Philosophie recht fair: Abgerechnet wird mit „Pay as you use“ in der Regel nur das, was tatsächlich verbraucht wurde.

Cloud Services sind umsonst. Das gilt tatsächlich. Aber nur, wenn man wenig Ansprüche hat. Cloud-Festplatten etwa bieten oft eine geringe Speichermenge kostenlos an, für zusätzliche Kapazität zahlt man extra. Beim Marktführer Dropbox erhält man beispielsweise zwei Gigabyte gratis. Weitere 50 Gigabyte kosten 9,90 Dollar im Monat oder 99,99 Dollar im Jahresabo.

Laut einer IDC-Umfrage unter IT-Leitern ist "Pay as you use" für die meisten CIOs der Hauptvorteil von Cloud-Computing. Quelle: Siemens / IDC.

Laut einer IDC-Umfrage unter IT-Leitern ist „Pay as you use“ für die meisten CIOs der Hauptvorteil von Cloud-Computing. Quelle: Siemens / IDC.

 

Dass Cloud-Services kostenfrei sind dient in erster Linie dazu, Kunden zu ködern und sie mittelfristig in kostenpflichtige Dienste zu drängen. Denn wem reichen schon zwei GB an Online-Storage? Davon abgesehen widerspricht ein kostenloser Cloud-Dienst oder fixer Betrag im Monat eigentlich dem Konzept des Cloud-Computing.

Zur Erinnerung: Cloud heißt IT-Ressourcen – Speicher, Rechenleistung oder Software – bei Bedarf einfach zu mieten. So viel und so lange wie man diese Ressourcen braucht. Schnell, innerhalb von Minuten, können sie aktiviert werden. Ebenso schnell können sie aber auch wieder freigegeben werden. IT-Leistung wird damit zu einem Service und Gebrauchsgut ganz analog wie Strom und Wasser. Und ebenso bezahlt. Nämlich nur das, was verbraucht wird.

 

Grundmodell „Pay as you use“

„Pay as you use“ nennt sich die Vergütung in Abhängigkeit von der Nutzungsintensität. In der Praxis und im professionellen Bereich werden Cloud-Services dennoch nicht streng nach dieser Leitidee abgerechnet. So basieren die Abrechnungsmodalitäten von Iaas, PaaS und SaaS zwar im Grunde bei den meisten Anbietern auf Pay as you use – sind teilweise aber etwas komplexer und unterscheiden sich im Detail.

Ein Beispiel von Microsoft: Über einen Slider lässt sich die Größe der benötigten IT-Ressourcen einstellen und ordern. Die Kosten werden dynamisch angepasst. Quelle: Microsoft.

Ein Beispiel von Microsoft: Über einen Slider lässt sich die Größe der benötigten IT-Ressourcen einstellen und ordern. Die Kosten werden dynamisch angepasst. Quelle: Microsoft.

Am ähnlichsten bezahlt wird bei IaaS und PaaS. Die Preise werden hier durch eine Kombination aus virtueller Infrastruktur plus Rechenzeit, Speicherplatz, übertragenem Datenvolumen und der Nutzung spezieller Software beziehungsweise Schnittstellen festgelegt.

Am einfachsten ist die Abrechnung noch bei Storage-Diensten, die ja vielfach auch den Basisservice bilden. Hier wird meist nach genutztem Umfang pro Monat abgerechnet.

Der Datenverkehr wird im professionellen Bereich nach dem bewegten Datenvolumen berechnet, wobei oft zwischen ausgehenden und eingehenden Daten unterschieden wird.

Die Kosten für die virtuellen Instanzen werden üblicherweise in Rechenzeiten pro Stunde kalkuliert. Dabei macht es einen Unterschied, wie hoch die bereit gestellte CPU-Leistung, wie umfangreich der RAM-Ausbau und wie das Betriebssystem beschaffen ist. Meist bilden die bereitgestellte CPU-Leistung und der Hauptspeicher eine Kombination, die nicht verändert werden kann.

Bei der Software- beziehungsweise der Schnittstellen-Nutzung im Rahmen von Iaas und PaaS ist die Preisgestaltung komplex. Manchmal wird monatlich pauschal zu festen Preisen vergütet, oft aber werden die Kosten in Abhängigkeit von der Anzahl der Aufrufe, den Transaktionen und dem Datendurchsatz berechnet.

 

Abrechnung bei Software as a Service

Bei SaaS-Angeboten fällt es noch schwerer, Gemeinsamkeiten bei der Abrechnung festzustellen. Möglich sind hier Preismodelle, die nach der Aufrufhäufigkeit des Programms, nach den Transaktionen oder nach dem Datendurchsatz abrechnen. Aufgrund der Vielfältigkeit der Software-Landschaft haben sich sehr spezifische und heterogene Abrechnungsmodelle etabliert.

Der Simply Monthly Calculator soll die Ermittlung der Kosten für die Amazon-Web-Services erleichtern. Quelle: Amazon.

Der Simply Monthly Calculator soll die Ermittlung der Kosten für die Amazon-Web-Services erleichtern. Quelle: Amazon. Zum Vergrößern bitte Bild anklicken.

Wie bei anderen Industrieprodukten gilt bei Clouds im Übrigen auch: Wer größere Mengen an IT-Services abnimmt bekommt oft Rabatt, andererseits treiben höhere Verfügbarkeiten oder kürzere Antwortzeiten den Preis nach oben.

So könnte ein Cloud Service „ERP-System“ – um ein Beispiel aus dem Bitkom-Cloud-Leitfaden zu zitieren – auf der Basis eines Vertrags für zwei Jahre für 1000 Plätze mit SAP-Basis-Modulen, ein Terabyte Storage bei 98 Prozent Verfügbarkeit bereit stehen.

Erhöht sich die Anzahl der Nutzer, könnten die Kosten pro Platz und Monat günstiger werden, erhöht sich die Verfügbarkeit, wird der Service entsprechend teurer.

Da die Preismodelle zum Teil sehr komplex sind, stellen Cloud-Anbieter ihren Kunden oft Tools zur Kostenermittlung zur Verfügung. Amazon beispielsweise bietet für seine Web-Services den Simply Monthly Calculator an. Ohne grundlegende Kenntnis des Abrechnungssystems und ohne möglichst genaue Informationen über den zu erwartenden Traffic sind die Kosten jedoch mit dem Tool kaum zu berechnen. Für die Planung eines Projektes kann es aber ein guter Anhaltspunkt für die zu erwartenden Gebühren sein.

Empfehlenswertes Monitoring

Um die Kostentransparenz und die Servicequalität sicherzustellen, ist für Anwender von Cloud-Diensten ein dauerhaftes Monitoring der Kennwerte empfehlenswert, die der Abrechnung zu Grunde liegen. Ein Beispiel für einen Monitoring-Service ist Amazon Cloudwatch.

CloudClimate überwacht die Performance populärer Cloud Anbieter und stellt sie anschaulich aufbereitet im Web dar.

CloudClimate überwacht die Performance populärer Cloud Anbieter und stellt sie anschaulich aufbereitet im Web dar. Zum Vergrößern bitte Bild anklicken.

Der Dienst beobachtet die Leistung der Amazon-Web-Services. Er gibt Einblick in die Ressourcen-Nutzung und zeigt die aktuelle Leistung und die Zugriffsmuster an. Dazu erhebt er Daten für die CPU-Nutzung, Festplattenzugriffe und Netzwerkverkehr.

Die Verarbeitung der Monitoring-Daten erfolgt über das Webservice-API oder über Kommandozeilenprozeduren.

Die Leistungsdaten verschiedener Cloud-Dienstleister sammelt CloudClimate. Der Dienst veröffentlicht die Daten auf einer Website. Erfasst werden Parameter wie CPU, Memory und Disk-Zugriffe, die als Diagramm für jeweils ein Monat dargestellt werden. Damit lassen sich zum einen verschiedene Anbieter leistungsmäßig vergleichen, zum anderen können Störungen und Lastzeiten identifiziert werden.

 

Dieser Beitrag ist Teil einer sechsteiligen Artikel-Serie von Klaus Manhart zum Thema Cloud Computing. Alle Texte im Überblick:

Lesen Sie zum Thema Cloud auch diese Beiträge auf dem QSC-Blog:

 

Das Teaserfoto „Münzen“ wurde von EGRIAN auf Wikipedia zur Verfügung gestellt.

Was kostet die Wolke? – Abrechnungsmodelle für Cloud-Services
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  • Ich finde diese Entwicklung äußerst spannend und ich habe mich schon recht früh über Cloud Services schlau gemacht. Dass es für komplexe Vorhaben etwas kostet, ist aber vollkommen normal.

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