Die richtige mobile Plattform

Sollen die Mitarbeiter mobil arbeiten, ist die Wahl einer passenden Plattform wie iOS, Android oder Windows Phone eine wichtige Entscheidung. Auch muss sich jedes Unternehmen darüber klar werden, ob die Mobilgeräte von der Firma bereitgestellt werden oder private Smartphones und Tablets benutzt werden können. Letzteres hat beträchtliche Konsequenzen. – Teil 5 unserer Artikel-Serie über das Mobile Enterprise.

Sollen die Mitarbeiter iPads und iPhones nutzen, Samsung Tablets, Google Handys oder Smartphones mit Windows Phone? Bis vor wenigen Jahren hätten die meisten IT-Verantwortlichen keine dieser Plattformen auch nur in die nähere Auswahl genommen. Zu wenig unternehmensorientiert und zu unsicher, wären wohl die Hauptargumente gewesen.

Die Entscheidung für die beste und sicherste Mobil-Plattform wäre noch vor drei, vier Jahren mit ziemlicher Sicherheit pro Blackberry ausgefallen. Die Smartphones von Blackberry waren damals die Lieblingsspielzeuge vielreisender Manager: Sie galten aufgrund der guten externen Tastatur als leicht bedienbar und vor allem als sehr sicher. Die Kombination aus Blackberry-Geräten und Blackberry Enterprise Server sowie die zugehörige Infrastruktur galt in vielerlei Hinsicht als Musterbeispiel für High End Mobile Security.

Heute ist der Stern von Blackberry-Hersteller RIM ziemlich verblasst. Der Aufstieg der Touch-Bildschirme, Innovationsfeindlichkeit, Fehlentscheidungen im RIM-Management wie die Weigerung sich für freie Entwickler zu öffnen und ein größerer Sicherheitsskandal machten dem Handyhersteller zu schaffen – und leiteten letztlich seinen beispiellosen Abstieg ein.

Erst Anfang 2013 kam mit OS10 ein modernes Blackberry-Betriebssystem, das zwar zurecht hochgelobt, aber leider viel zu spät eingeführt wurde. Es konnte den Abstieg nicht mehr verhindern. Blackberry-Smartphones spielen zwar heute noch im Endgeräte-Konzert mit, aber die Toprolle in den Unternehmen haben sie längst nicht mehr inne.

Consumerization der IT

Mit dem tiefen Fall von Blackberry begann in den Unternehmen der Aufstieg der Consumer-Handys. Während die Blackberrys reine „Manager-Geräte“ waren, wurde in den Firmen zunehmend die ganz normale „mobile Massenware“ eingesetzt – und auch von Managern genutzt: iPhones und iPads, Smartphones und Tablets mit Googles Android oder in neuerer Zeit auch Geräte mit Windows Phone 8.

Die aktuelle Verbreitung mobiler Betriebssysteme im ersten Quartal 2014 in Deutschland. Datenquelle: mobile-studien.de.

Die aktuelle Verbreitung mobiler Betriebssysteme Dezember 2013 bis Februar 2014 in Deutschland. Datenquelle: mobile-studien.de.

Vor allem zwei Entwicklungen sind für diese „Consumerization der IT“ verantwortlich: Einerseits sehen sich Führungskräfte dem zunehmenden Druck ihrer Mitarbeiter ausgesetzt, die Geräte, die im privaten Bereich eingesetzt werden, auch beruflich nutzen zu können. Das muss nicht gleich BYOD (Bring Your Own Device) sein, aber ein Firmenhandy vom selben Hersteller erübrigt die Einarbeitung in neue Bedien-Philosophien und spart Zeit und Frustration.

Andererseits haben die Mobilgeräte-Hersteller selbst aufgerüstet und machen ihre Devices zunehmend unternehmensfreundlich und vor allem -tauglich. Dazu gehört vor allem die Integration von Sicherheits-Features – ein zentrales Kriterium, mit dem die Akzeptanz eines Mobilgeräts im Unternehmen steigt und fällt.

Wolfgang Schwab von der Experton Group hat die derzeit wichtigsten mobilen Plattformen auf ihre Tauglichkeit im Unternehmenseinsatz analysiert. In Apples geschlossenem Mobilansatz sieht Schwab die beste Chance, aus dem von BlackBerry verlassenen Unternehmensumfeld Kapital zu schlagen. Der Touch-ID-Fingerabdruck-Scanner im iPhone 5S ist zwar keineswegs perfekt, aber ein gutes Beispiel für den Sicherheitsfokus des Anbieters und wird sich wohl als Standard etablieren.

Andere für Unternehmen wünschenswerte Features sind beispielsweise die App-Kontrolle für unternehmensverwaltete Umgebungen, das kostenlos verfügbare iWork für Microsoft-Office-Dateien, schnelles Reagieren auf entdeckte Malware und Unterstützung für BYOD-Implementierungen. Single-Sign-on-(SSO-)Fähigkeiten und der seit kurzem bestehende Fokus auf Unternehmenswünschen und Einsatzszenarien für iPhones und iPads werden Apple in diesem Jahr für Unternehmen zunehmend attraktiver machen.

iOS auf dem iPad: Nutzerfreundlich und gute Securityfeatures, aber geschlossene Apple-Welt. Quelle: Apple.

iOS auf dem iPad: Nutzerfreundlich und gute Sicherheits-Features, aber geschlossene Apple-Welt. Foto: Apple.

Android und Windows Phone

Etwas anders sieht es bei Googles Android aus. Das Wichtigste: Android kontrolliert inzwischen etwa 80 Prozent des Marktes für mobile Betriebssysteme; die neue Betriebsystemversion „KitKat“ verfügt über ein besseres Memory Management, einfacheres Multitasking sowie die Möglichkeit, verlorene Telefone zu finden und zurückzusetzen.

KitKat will die Betriebssystem-Fragmentierung teilweise bereinigen; das Betriebssystem läuft sogar auf Geräten mit nur 512 MB RAM. Anbieter können das Betriebssystem dadurch auf mehr ältere Hardware portieren. Durch solche Verbesserungen ist die Leistungsfähigkeit und Funktionalität von Android sehr gestiegen.

Die negative Seite an Android ist, dass das Google-System hinsichtlich seiner Unternehmenstauglichkeit anderen hinterhinkt. Mehrere Anbieter wie MobileIron, Samsung oder VMware bieten zwar zusätzliche Sicherheits- und Management-Lösungen an. Doch Google hat bislang das Unternehmensgeschäft nicht an die erste Stelle gesetzt und bleibt deshalb für Nutzungsszenarien in mobilen Unternehmen nur die zweite Wahl.

Besser macht es der dritte relevante Player Microsoft. Bekanntlich kaufte Microsoft mit Nokia seinen größten Windows-Phone-Partner und verbesserte das Betriebssystem sowie die Integration mit Office. Die Plattform wird optisch und funktional für Privatpersonen wie auch Unternehmen zunehmend attraktiv. Das große Manko bei Mikrosoft: Es fehlt an Apps, und das ist der größte Hemmschuh, der einer verstärkten Nutzung im Wege steht. Die Stärken liegen in der Gerätesicherung und dem Management.

Bis und solange Microsoft nicht mehr Unternehmensentwickler dazu motivieren kann, am Windows-Phone-Ökosystem mitzuarbeiten, wird die Plattform auch in Zukunft nur bei den Unternehmen die erste Wahl sein, die fest in Microsoft-Umgebungen verwurzelt und bereit sind, Geld für unternehmenseigene Apps und individuelle Entwicklungen zu stecken.

Schick und unternehmenstauglich, aber wenige Apps: Nokia-Smartphone mit Windows Phone. Quelle: Microsoft.

Nokia-Smartphone mit Windows Phone: Schick und unternehmenstauglich, aber wenige Apps. Foto: Microsoft.

Firmeneigene Geräte oder BYOD?

Welche Plattformen für welche Unternehmen am besten geeignet ist, deutet die Experton-Analyse an. Für ein Unternehmen mit einem Microsoft-Ökosystem, das wenig Wert auf externe Apps legt, kann Windows Phone aufgrund seiner Sicherheits-Features attraktiv sein. Wer mit der geschlossenen, hochpreisigen Apple-Welt leben kann, auf ein riesiges Portfolio an externen Apps zugreifen will und gleichzeitig hohe Sicherheitsstandard erwartet, ist mit iOS gut bedient. Die schwächste Plattform aus Unternehmenssicht ist wohl Android. Zwar ist die Palette an Apps riesig, aber es fehlt die unternehmensorientierte Ausrichtung, so dass Drittanbieter einspringen müssen.

Aus Management- und Sicherheitssicht am wenigsten problematisch ist es, wenn sich ein Unternehmen für genau eine und nur diese eine mobile Plattform entscheidet und gleichzeitig diese Geräte für die Mitarbeiter von der Firma bereitgestellt werden. Das erleichtert erstens die Verwaltung der Mobilgeräte und hält zweitens die Sicherheitssrisiken in Grenzen.

Doch diese schöne heile Welt geht an der heutigen Praxis vorbei. Manche Unternehmen müssen aus unterschiedlichen Gründen Geräte verschiedener Anbieter nutzen. Wichtiger aber: Mitarbeiter möchten heute ihre eigenen Devices einsetzen und in die Unternehmens-IT einbinden. Die IT hält dem Druck, standort- und geräteunabhängigen Zugriff auf Anwendungen bereitzustellen, langfristig nicht stand. Kurz gesagt, die IT-Verantwortlichen haben keine Wahl. Sie müssen den Einsatz von privaten Endgeräten bzw. das BYOD-Modell unterstützen und umsetzen.

Dieser Prozess ist bereits in vollem Gange. Laut der Studie Mobility in Business des Marktforschungsunternehmens Vanson Bourne im Auftrag von Citrix wollen 72 Prozent der befragten deutschen Firmen ihren Angestellten innerhalb absehbarer Zeit die Nutzung privater Endgeräte gestatten.

Doch BYOD ist für die Unternehmens-IT kein Zuckerschlecken. Damit verknüpft sind mögliche gravierende Probleme wie Sicherheitslücken, Compliance-Probleme und eine zunehmende IT-Komplexität. Die Konsumerisierung und insbesondere BYOD zu meistern kann für die IT-Abteilungen zur Herkulesaufgabe werden. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

 

Unsere Artikel-Serie über das Mobile Enterprise im Überblick:

Lesen Sie zu dem Thema auf dem QSC-Blog auch diese Beiträge:

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