Teilnehmeranschlüsse aus der Cloud, oder: Was ist ein „Hosted Softswitch“?

Ende Juni verkündete QSC, künftig für Tele2 den Betrieb der DSL-Teilnehmeranschlüsse mit einer so genannten „Class 5 Hosted Softswitch“-Lösung direkt aus der Cloud heraus zu übernehmen. Damit spare der Düsseldorfer Telefonanbieter eine Menge Hardware und werde zudem noch flexibler. Was macht einen Hosted Softswitch eigentlich so attraktiv? Wir schauen hinter die Kulissen.

Die klassische Vermittlungstechnik ist teuer und verbraucht viel Platz. Hier ein sehr altes Exemplar Vermittlungstechnik aus dem Fernmeldemuseum Aachen. Foto: (cc by-sa 2.0) von Jens Ohlig

Die klassische Vermittlungstechnik ist teuer und verbraucht viel Platz. Hier ein sehr altes Exemplar Vermittlungstechnik aus dem Fernmeldemuseum Aachen. Foto: (cc by-sa 2.0) von Jens Ohlig/Flickr

Nähern wir uns der Thematik Schrittweise: Sprechen wir von einem Teilnehmeranschluss, dann ist das die technische Vorrausetzung, um von unserem Hausanschluss telefonieren oder im Internet surfen zu können. Zu Festnetzzeiten sorgten große elektronische Schaltschränke in den Kellern der Telekommunikationsanbieter für die Vermittlung der Anrufe. Dabei konnte ein Vermittlungsschrank immer nur eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern vermitteln. Wurden mehr benötigt, musste ein weiterer Schrank her.

In einem modernen IP-Netz erledigen die so genannten Softswitche diese Aufgabe softwarebasiert, daher auch der Name „Soft-switch“.

Zauberwort All-IP

QSC betreibt seit 2006 ein Next Generation Network (NGN), ein rein IP-basiertes Kommunikationsnetz, über das sowohl Sprache- und Daten gleichermaßen transportiert werden. Die im Netz der QSC installierten Softswitche, im Grunde nichts anderes als leistungsfähige Computer mit entsprechender Software,  sind in der Lage 16 Millionen Anrufe pro Stunde zu verarbeiten. Für größtmögliche Ausfallsicherheit sind mehrere Softswitche immer doppelt an verschiedenen Standorten installiert. Damit erreicht QSC „Carrier-Class“ Verfügbarkeit, also eine Ausfallsicherheit von 99,99983 Prozent oder maximal 54 Sekunden Ausfall pro Jahr.

Die Vermittlungsklassen

In der Telekommunikation wird die Vermittlungstechnik in verschiedene Klassen von 1 bis 5 eingeteilt. Die erste Klasse sorgt dabei für die Verbindung auf internationaler Ebene zwischen den Anbietern. Je höher die Klassifizierung, desto lokaler der Vermittlungsgrad. Die fünfte Klasse, Class 5, ist für die Vermittlung der Teilnehmeranschlüsse von Endkunde A zu Endkunde B zuständig. Zu den Funktionen dieser Klasse gehören beispielsweise das Anzeigen der Rufnummer sowie das Bereitstellen von Funktionalitäten für die angeschlossenen Endgeräte wie Telefone, Telefonanlagen, Callcenter-Dienste oder ähnliches.

Die Softswitche im NGN sorgen für die Vermittlung der Sprachdaten innerhalb und außerhalb des NGN. Um vom IP- ins klassische Sprachnetz zu telefonieren, übernimmt der Softswitch die Signalisierung an das Media-Gateway, um ankommende und ausgehende Gespräche in die "andere Welt" zu übergeben. Der SIP-Server verwaltet die Benutzeraccounts, die Session Border Controller (SBC) fungieren als "Torwächter" für die Anruferkennung und können im Ernstfall so genannten "Denial of Service Attacken (DoS)" abwehren. Grafik: Dennis Knake/QSC

Die Softswitche im NGN sorgen für die Vermittlung der Sprachdaten innerhalb und außerhalb des NGN. Um vom IP- ins klassische Sprachnetz zu telefonieren, übernimmt der Softswitch die Signalisierung an das Media-Gateway, um ankommende und ausgehende Gespräche in die „andere Welt“ zu übergeben. Der SIP-Server verwaltet die Benutzeraccounts, die Session Border Controller (SBC) fungieren als „Torwächter“ für die Anruferkennung und können im Ernstfall „Denial of Service Attacken“ (DoS) abwehren. Grafik: (Vereinfachte Darstellung) Dennis Knake/QSC

Class 5 Hosted Softswitch

Sprechen wir nun von einem gehosteten Softswitch, also platt übersetzt „gastgebendem“ Softswitch, dann bedeutet das nichts anderes, als das die Funktionalitäten für die Vermittlung auf Ebene 5 von einem Softswitch übernommen werden, dessen Kapazitäten die QSC dem Kunden zur Nutzung – gastgebend, gehostet – zur Verfügung stellt. Der Telekommunikationsanbieter nutzt in diesem Falle also keine eigene Vermittlungshardware, sondern greift auf die vorhandene Technik von QSC zurück, die er als Dienstleistung einkauft. Die Vorteile für den Anbieter: Er muss sich nicht um die Investition und den Betrieb in eigene Hard- und Software kümmern. Benötigt der Anbieter bei einer sich wandelnden Marktsituation mehr oder weniger Anschlüsse, wird diese Zahl individuell angepasst. Das NGN von QSC hat ausreichend Kapazitäten um mehrere Anbieter mit dieser Diensleistung zu versorgen.

Kann jeder Cloud-Anbieter gehostete Softswitch-Lösungen anbieten?

Ganz klar nein. Man muss schon ein echter Telefon-Carrier sein, um diese Dienstleistung anbieten zu können. Der Fachbegriff ist hier: Teilnehmernetzbetreiber. Nur damit ist es möglich, zur Verbindung auch die notwendige Rufnummer sowie alle damit verbundenen Funktionalitäten für die angeschlossenen Endgeräte zur Verfügung zu stellen.

Was kann QSC besser als andere?

Während andere Anbieter erst jetzt auf ein All-IP-Netz umrüsten, hat QSC bereits jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet. Darüber hinaus stellt QSC mit der ebenfalls cloudbasierten Kommunikationsplattform „Cospace“ ein mächtiges Tool zur Verfügung, mit dem Telekommunikationsanbieter ihren Kunden weitere Services zu ihrem Teilnehmeranschluss zur Verfügung stellen können. Dafür sorgt die für jeden frei zugängliche Cospace-API, eine Programmierschnittstelle, mit der sich viele Funktionen aus dem Bereich der Kommunikation und Kollaboration abrufen und in eigene Applikationen individuell einbauen lassen.

Ist Tele2 der einzige Kunde, der auf die gehosteten Softswitche von QSC zurückgreift?

Nein, so greift zum Beispiel auch der luxemburgische Mobilfunkanbieter JOIN Experience, der kürzlich sein Angebot auch auf das Nachbarland Belgien ausgeweitet hat, auf die Hosted-Softswitch-Lösung von QSC zurück und ist dabei, seinen Kunden eine App mit den Funktionalitäten aus der Cospace-Welt bereitzustellen.

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