Christian Pereira: „Wir stehen vor der totalen Vernetzung“

Q-loud-Geschäftsführer Frank Thelen (li.) und Christian J. Pereira (re.): Seit Mai 2016 leiten sie gemeinsam die QSC-Tochterfirma. Foto: QSC AG / Dennis Knake.

Frank Thelen (li.) und Christian J. Pereira: Seit Mai 2016 leiten sie gemeinsam die QSC-Tochterfirma Q-loud GmbH. Foto: QSC AG / Dennis Knake.

Unternehmen, die den digitalen Wandel für sich nutzen, erwirtschaften mehr Umsatz, mehr Gewinn und haben einen höheren Firmenwert. Das Internet of Things ist nützlich und Digitalisierung eine Realität, ist Christian Pereira überzeugt. Der ausgewiesene Cloud-Experte leitet gemeinsam mit Frank Thelen seit kurzem die QSC-Tochterfirma Q-loud GmbH. Dort entstehen Lösungen für die Industrie 4.0: zur Vernetzung von Geräten und Maschinen und zur Integration von Hardware aller Art. Im Interview erläutert der Geschäftsführer seine Sicht auf die vierte industrielle Revolution.

Herr Pereira, wie definieren Sie Industrie 4.0?

Pereira: Internet 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution und damit für den Wandel der gesamten Wirtschaft durch die Digitalisierung. Dies macht ganze Produktions- und Wertschöpfungsprozesse effizienter, intelligenter und kundenorientierter.

Basis ist das Internet der Dinge, auch Internet of Things – IoT – genannt. Es erlaubt, dass Maschinen und Produkte direkt, sicher und in Echtzeit miteinander kommunizieren.

Sie sprechen über „totale Vernetzung“. Was haben wir darunter zu verstehen?

Pereira: „Totale Vernetzung“ hört sich zwar fast martialisch an, aber es wird sie schon in wenigen Jahren geben. Menschen, Produktionsprozesse, Maschinen werden immer öfter direkt miteinander kommunizieren und unendlich viele Informationen austauschen.

Die Intelligenz liegt darin, diese Entwicklung frühzeitig zu antizipieren und für das eigene Geschäft zu nutzen. Es ist erschreckend, wie wenig vorbereitet die heimische Industrie noch zu häufig ist. „Digitalisierung“ von Produkten und Geschäftsmodellen ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit!

Welche „Hausaufgaben“ zu diesem Thema sollten hiesige Unternehmen schleunigst erledigen?

Pereira: Zunächst sollten sie verstehen, dass sie ohne den digitalen Wandel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in wenigen Jahren vom Wettbewerb überholt sein werden. Unternehmen, die den digitalen Wandel für sich nutzen, generieren nachweislich mehr Umsatz, mehr Gewinn und haben einen höheren Firmenwert.

Warum? Weil sie ihre Produkte, ihre Nutzung und damit die Bedürfnisse ihrer Kunden immer besser kennenlernen und darauf wieder mit einer Optimierung der Produkte, ihrer Anwendungen und Qualität reagieren können. Bei intelligenter Nutzung von IoT-Möglichkeiten wird die Anbieter-Kunden-Bindung tatsächlich immer enger und produktiver. Wichtig ist der erste Schritt. Starten Sie möglichst sofort, denn Zeit ist hier eine kritische Ressource.

Warum, glauben Sie, ist laut einer Allensbach-Umfrage das Thema „Industrie 4.0“ so negativ besetzt?

Pereira: Ich glaube nicht, dass es wirklich negativ besetzt ist. Aber es ist bisher noch zu abstrakt, zu technisch, um von allen verstanden zu werden. Dies gilt leider auch für die Politik und viele Meinungsbildner. Das muss sich schnell ändern, beispielsweise gepusht durch die Diskussion um das selbstfahrende Auto. Damit wird deutlich, was alles möglich ist und wie Industrie 4.0 unser Leben bereichern kann.

Ich hoffe, dass wir hier schnell noch weitere positive „Leuchtturmprojekte“ zu sehen bekommen. Dann wird Industrie 4.0 oder – weiter gefasst – das Internet of Things bald wesentlich positiver in der Bevölkerung wahrgenommen.

Die QSC-Tochterfirma Q-loud mischt bei Industrie 4.0 mit. Was haben Sie den Unternehmen zu bieten?

Pereira: Wir stellen technische Vorleistungen her, die der Vernetzung von Geräten und Maschinen und zur Integration von Hardware aller Art dienen. Was Industrieunternehmen jetzt brauchen, sind standardisierte Kanäle, über die sie Maschinen miteinander kommunizieren lassen können: z.B. das Temperaturmessgerät mit dem Wärmemengenzähler oder den Kleintransporter mit dem Rolltor.

Dabei kommt eine von uns selbstentwickelte Hardware ebenso zum Einsatz wie Software. Herzstück ist eine Cloud-Plattform. Wir haben für einzelne Kunden auch schon die gesamte Produktion von Hardware gesteuert, welche sie für ihre IoT-Anwendungen zusätzlich benötigen – von der Herstellung der Platinen bis zur Verpackungen der Geräte.

Sie bekommen bei Q-loud alles aus einer Hand, was Sie für die Digitalisierung Ihrer Maschinen benötigen: von der Beratung über die Integration bisher isolierter Geräte in Kommunikationsnetzwerke bis eben zur Herstellung der notwendigen Hardware. Mit solch einem umfassenden Portfolio sind wir aktuell einzigartig am Markt.

Und dies hilft unseren Kunden: Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit hat Q-loud Lösungsbausteine, um Projekte die überaus effizient und konkurrenzlos schnell umzusetzen.

Was haben Sie sich als Geschäftsführer der Q-loud GmbH als erstes vorgenommen?

Pereira: Ganz oben auf der To-do-Liste steht die Kommunikation zum Thema IoT und Cloud. Wir müssen unser Profil als Anbieter solcher Lösungen dringend schärfen. Q-loud ist hier wie ein Rohdiamant, der noch geschliffen werden muss. Unsere Lösungen sind gut, aber an der Bekanntheit hapert es.

Beim Marketing möchte ich vor allem auf Kooperationen mit unseren namhaften Kunden und Partnern setzen. Tormatic, Tele2, Urbana und Huawei sind die ersten, die ich öffentlich nennen darf. Mit ihnen gehen wir jetzt konsequent an die Öffentlichkeit. So waren wir zuletzt auf der Hannover Messe Industriepartner auf dem Stand von Huawei.

 

Pereira_350Über Christian J. Pereira

Christian J. Pereira ist seit Mai 2016 als einer von zwei Geschäftsführern der Q-loud GmbH tätig, wo er die Bereiche Sales und Consulting verantwortet. Der studierte Maschinenbau-Ingenieur und Informationswissenschaftler startete seine Karriere als Strategieberater. 1990 war er Mitgründer einer Beratungsgesellschaft der Deutsche Telekom Gruppe, wo er als Managing Partner maßgeblich das Wachstum auf über 250 Mitarbeiter mitverantwortete.

2003 gründete er die dtms Solutions GmbH, einen cloud-Diensteanbieter, den er später an die börsennotierte D+S AG veräußerte und dort integrierte. Neben dem Aufbau von Unternehmen im Bereich Social-Analytics, Online-Payment und Cyber Security war er Gründer der neuland Beratung für Digitale Transformation.

Christian Pereira wohnt mit seiner Familie in der Nähe von Köln. Er ist passionierter Golfer und spielt gerne Bridge. Außerdem interessiert er sich für Innovationen, Trends und Technologien – also alles, was die Welt bewegt.

 

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