Felix Höger: „Die Cloud ist der technologische Treiber der Digitalisierung“

Felix Höger, Vorstand Technologie und Operations – COO/CTO, der QSC AG. Foto: © QSC AG

Felix Höger, Vorstand Technologie und Operations – COO/CTO der QSC AG. Foto: QSC AG.

Der Mittelstand steckt in einer spannenden Umbruchphase: Digitalisierung ist das große Stichwort. Für die Unternehmen geht damit eine Neuausrichtung ihrer IT-Strukturen einher – weg von starren Inhouse-Systemen, hin zum flexiblen Bezug ihrer Geschäftsanwendungen aus der Cloud. Im Interview spricht QSC-Technologievorstand Felix Höger über die „Cloudifizierung“ der IT-Landschaft mittelständischer Unternehmen.

 

Herr Höger, welche Beweggründe haben mittelständische Unternehmen derzeit, in die Cloud zu gehen?

Höger: Das sind überwiegend ganz pragmatische Gründe: Die Unternehmen wollen sich nicht länger um den Betrieb ihrer IT-Landschaft und alles, was damit zusammenhängt, kümmern. Sie möchten sich vielmehr auf das Konsumieren ihrer individuellen Business-Applikationen und Commodity-Anwendungen konzentrieren können.

In den vergangenen Jahren haben wir hier durchaus eine Richtungsänderung in der Denke wahrgenommen: Vor nicht allzu langer Zeit waren insbesondere im Mittelstand die Bedenken groß, die eigene IT-Landschaft auszulagern. Die vorrangigen Argumente waren Sicherheitsbedenken oder auch Kontrollverlust. Das hat sich mittlerweile nahezu komplett umgedreht. Mittelständische Unternehmen wenden sich an uns, gerade weil sie ihre IT nicht so sicher und hochverfügbar betreiben können, wie dies ein spezialisierter IT-Dienstleister kann.

Wie begegnet die QSC AG den Anforderungen des Mittelstandes?

Höger: Wir bieten unseren Kunden eine Cloud-Umgebung – unsere Pure Enterprise Cloud (PEC) – mit der wir nahezu alle IT- und TK-Anforderungen in vollem Umfang abbilden können. Konkret bedeutet das: Wir sind in der Lage, sämtliche Services wie beispielsweise Business-Applikationen und Compute Ressourcen oder auch Corporate Network, Telefonie und Security, die ein mittelständisches Unternehmen typischerweise benötigt, in unseren Datacentern abzubilden und über gesicherte Anbindungen auf den Endgeräten der Anwender bereitzustellen. Dabei übernehmen wir über das gesamte Leistungsspektrum hinweg die Ende-zu-Ende-Verantwortlichkeit und Leistungsversprechen. Alles inklusive deutschem Ursprungszertifikat, da wir sämtliche Leistungen vom Betrieb bis hin zum Servicemanagement aus Deutschland heraus erbringen. Und damit die Unternehmen die IT- und TK-Dienste passgenau skalieren können, wird bedarfsgerecht abgerechnet, also pro Service, pro Nutzer und pro Monat.

Darüber hinaus verfolgen wir beim Thema Internet of Things einen Full-Stack-Ansatz. Das heißt, wir unterstützen Unternehmen in sämtlichen Bereichen beim Aufbau ihrer smarten Lösungen – von den Soft- und Hardware-Bausteinen über die Machine-to-Machine-Kommunikation sowie beim Betrieb der IoT-Cloud.

Am deutschen Markt und auf Augenhöhe unserer mittelständischen Unternehmenskunden sind wir damit der einzige Anbieter, der in der Lage ist, diese umfassende Bandbreite an IT- und TK-Leistungen zu vereinen – Cloud, Netze, IT-Consulting und IoT-Services.

Wie unterstützt Cloud Computing Ihre Kunden bei ihren Digitalisierungs-Bestrebungen?

Höger: Tatsächlich sind einige Unternehmen aktuell bereits weiter beim Thema Digitalisierung, als es oft angenommen wird, das belegen auch aktuelle Marktuntersuchungen. Für zahlreiche Firmen ist die Digitalisierung jedoch noch die große Unbekannte und sie fragen sich, wie es das eigene Geschäftsmodell verändert und wie sie mit dem Thema umgehen sollen. Cloud Computing ist hier zwar kein Universalmittel, das sämtliche Fragestellungen rund um die Digitalisierung beantwortet. Aber es schafft die technologische Grundlage für die Digitalisierungsbestrebungen der Unternehmen. Die Cloud bricht starre IT-Strukturen auf, flexibilisiert sie und verschafft Unternehmen den nötigen technologischen Freiraum, um ihr Geschäftsmodell und ihre Unternehmensprozesse schnell anzupassen. Und mit Lösungen rund um das Internet der Dinge lassen Unternehmen ihre Produkte intelligent werden.

Unternehmen suchen derzeit nach Mittel und Wegen, die Digitalisierung für sich zu nutzen. Foto: © Shutterstock

Unternehmen suchen derzeit nach Mittel und Wegen, die Digitalisierung für sich zu nutzen. Foto: © Shutterstock/Rawpixel.com

Mit Blick auf die Unternehmenslandschaft hierzulande, wie ist aktuell der Stand bei der „Cloudifizierung“ der IT?

Höger: In den vergangenen Jahren ist viel hierüber gesprochen worden und das Thema hat einen großen Hype erfahren. Jedoch war nicht überall Cloud drin, wo Cloud darauf stand. Das hat wiederum zur Verunsicherung der Kunden geführt. Der Markt ist jedoch zunehmend erwachsener geworden und die Kunden können heute auf den großen Erfahrungsfundus vieler Anbieter zurückgreifen. Nach dem Hype ist die Cloud in der Unternehmenswelt angekommen; es gibt keinen CIO mehr, der sich nicht mit der Cloud und ihren Möglichkeiten beschäftigt. Wenn Unternehmen heutzutage auf Cloud Computing setzen, gehören sie längst nicht mehr zu den „Early Adoptern“. Unsere Pure Enterprise Cloud beispielsweise ist eine Betriebs- und Workplace-Umgebung, in dessen Aufbau langjährige Kenntnisse bei der Errichtung von Cloud-Strukturen geflossen sind.

Was die Unternehmenslandschaft angeht, so setzen die großen Konzerne bereits mehrheitlich auf spezialisierte IT-Anbieter und haben eigene Cloud-Strukturen aufgebaut. Kleine Firmen und Startups sind naturgemäß aufgeschlossen gegenüber neuartigen IT-Szenarien wie etwa dem Bezug von Software-as-a-Service-Applikationen aus dem Internet. Unsere Zielgruppe, der Mittelstand, hat bislang eher zurückhaltend und abwartend agiert. Diese Haltung bricht derzeit auf. Unsere Kunden entwickeln im Zuge von Industrie 4.0 und Digitalisierung neuartige Geschäftsmodelle und verschaffen sich mit der Cloud die nötige Freiheit bei diesem Schritt.

Viele große Player am Markt wie Google, Amazon und Microsoft haben in den letzten Jahren riesige Rechenzentren und Cloud-Strukturen errichtet, auch hierzulande. Ist das nicht eine große Konkurrenz für Sie?

Höger: Im Gegenteil, denn Multi-Cloud-Ansätze sind in der Genetik unserer Pure Enterprise Cloud bereits fest verankert. Dadurch sind wir in der Lage, Public-Cloud-Strukturen in die IT-Umgebung unserer Kunden mit einzubinden. Wo dann welche IT-Prozesse besser aufgehoben sind, ist letztlich eine Workload- und Datenschutz-Diskussion. So kann das Hinzuziehen einer Public-Cloud-Umgebung etwa bei hochvolumigen und außergewöhnlich rechenintensiven Workloads oder auch bei Commodity-Applikationen sinnvoll sein. Bei personenbezogenen Informationen, die in Deutschland rechtlich einen besonderen Schutz genießen, bietet sich eine deutsche Cloud-Umgebung eines Anbieters mit inländischem Firmensitz an, wie wir sie aus unseren Datacentern heraus bieten.

Letztlich sind wir mit unserem Multi-Cloud-Ansatz in der Lage, bei der Bereitstellung unserer IT-Services die jeweils am besten geeignete Sourcing-Strategie für unsere Kunden zu wählen. Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil der Sourcing-Aspekt sowie das Management der verschiedenen Cloud-Szenarien die Ressourcen mittelständischer Unternehmen übersteigen. Sie benötigen an dieser Stelle einen Partner, der die Cloud-Services managt und integriert. Denn damit für die Unternehmen die Cloud-Umgebung entsteht, die optimal zu ihren Anforderungen passt und auch für die Endanwender auf einfache Weise nutzbar ist, müssen die unterschiedlichen Cloud-Bausteine nahtlos zusammenarbeiten.

Mit Blick auf die IT-Landschaft der Unternehmen, passt denn ein standardisiertes IT-Betriebsmodell, wie es die Cloud verspricht, überhaupt zu den häufig hoch individuellen Anforderungen?

Höger: Oftmals sind unsere Kunden erstaunt, wie viele ihrer Anforderungen sich über standardisierte und virtualisierte IT-Instanzen abbilden lassen. Tatsächlich trifft das typischerweise auf einen Großteil der Anwendungen und Systeme zu. Ebenso können wir die hoch individualisierten branchen- oder sogar unternehmensspezifischen Applikationen in unsere Cloud-Landschaft einbinden.

Mittelständische Unternehmen profitieren durch diesen optimalen Mix aus Standardisierung und Individualisierung einerseits von den Skaleneffekten, die eine industrialisierte IT-Bereitstellung mit sich bringt; andererseits können sie sicher sein, dass alle ihre Applikationen beim Umstieg auf die Cloud nach wie vor in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Und als IT-Dienstleister sind wir durch die Cloud in der Lage, Services effizienter zu produzieren. Cloud Computing wird damit in jeder Hinsicht zu einem Win-win-Szenario, sowohl für die Abnehmer als auch für uns als Anbieter.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die IT-Landschaft mittelständischer Unternehmen in nächster Zeit verändern?

Höger: Die Zeiten von starren IT-Strukturen sind bereits abgelaufen, das entspricht nicht länger den tatsächlichen Anforderungen, die heutzutage an die Unternehmens-IT-gestellt werden. Ähnliches gilt auch für alte Security-Prinzipien, bei denen es darum ging, die firmeneigene IT-Landschaft möglichst gegenüber der Außenwelt abzuschotten, um sie sicherer zu machen. Beides funktioniert heutzutage nicht mehr: Die IT-Umgebung muss so ausgelegt sein, dass Unternehmen zeitnah auf neue Marktsituationen reagieren können. Gleichzeitig sollten Unternehmen in der Lage sein, sich IT-technisch gegenüber Partnerunternehmen oder auch Kunden hin zu öffnen; Mitarbeiter müssen beispielsweise die Möglichkeit haben, mit anderen Unternehmen medienbruchfrei, sicher und von jedem Ort aus zusammenzuarbeiten.

Welche Rolle nehmen die IT-Leiter und CIOs bei der Neuausrichtung der Unternehmen-IT ein?

Höger: Ihre Rolle und die Rolle der IT-Abteilungen in den Unternehmen wird strategischer, als es bislang der Fall war. Nehmen wir beispielsweise die Einführung eines ERP-Systems oder die Zusammenführung zweier Systeme etwa bei Firmenzusammenschlüssen: Derartige Projekte haben früher nicht selten Jahre gedauert. Heutzutage kann sich kein Unternehmen mehr derart lange Einführungs- und Übergangszeiten leisten. Durch die Cloud werden die IT-Verantwortlichen in die Lage versetzt, unnötigen Ballast wie beispielsweise die operative Bereitstellung der Hardwareinstanzen über Bord zu werfen. Sie können sich dadurch auf die strategische Steuerung des Projekts konzentrieren und es letztlich schneller zum Abschluss bringen.

Mit unserer PEC sind wir in der Lage, genau diese Flexibilität und Sicherheit sowie den idealen Mix aus Standardisierung und Individualität zu liefern, um unseren Kunden jederzeit die IT-Umgebung bereitzustellen, die aktuell zu ihren Bedürfnissen passt und sie so bestmöglich bei Ihrem Vorankommen im Wettbewerbsumfeld zu unterstützen.

 

Über Felix Höger, Vorstand Technologie und Operations – COO/CTO, der QSC AG

Felix Höger - QSC AG

Felix Höger, Vorstand Technologie und Operations – COO/CTO, der QSC AG. Foto: © QSC AG.

Felix Höger (geb. 1973) gründete noch während seiner Ausbildung 1995 den Service-Provider NDH, den er im Jahr 2000 mit dem Softwarehersteller Pironet zur heutigen Pironet NDH AG zusammenführte. Als einer der branchenbekannten Pioniere und Wegbereiter von Cloud Computing ist es ihm gelungen, Pironet NDH von einem Netzdienstleister und Outsourcing-Provider zu einem führenden Cloud-Anbieter im deutschen Mittelstand zu entwickeln. Nach der Veräußerung seiner Geschäftsanteile an die CANCOM SE und der erfolgreichen Integration des Unternehmens legte Felix Höger sein Mandat als Vorstandsvorsitzender/CEO der Pironet NDH AG Ende Dezember 2014 nieder.

Seit dem 1. Januar 2016 ist Felix Höger als Vorstand für Technologie und Operations bei der QSC AG für die strategische Fortentwicklung und den Betrieb des gesamten ITK-Portfolios verantwortlich. Seine wichtigsten Aufgaben sieht er dabei in der Bereitstellung eines modernen Cloud-Services-Angebotes mit hoher Marktakzeptanz und Wertschöpfungstiefe sowie im Transfer neuer Technologien in reale Nutzenvorteile für die Kunden der QSC AG.

 

 

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