Industrie 4.0: Was der Bundestag darunter versteht

Buchrücken mit der Aufschrift „Industry 4.0“

©Tashatuvango/Shutterstock.com

Der Begriff Industrie 4.0 wurde schon 2011 in Deutschland geprägt. Heute wird er synonym für die Digitalisierung der Industrie verwendet. Doch längst nicht jeder versteht darunter dasselbe. Jetzt hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages definiert, was unter Industrie 4.0 zu verstehen ist.

Als der Begriff zum ersten Mal auf der Hannover Messe im Jahr 2011 im Rahmen einer Forschungsunion der Bundesregierung auftauchte, wusste kaum jemand, was er bedeutet. Insbesondere Gesprächspartner in den USA und Asien hatten noch Jahre später große Fragezeichen in den Augen, wenn jemand versuchte, den Begriff mit „Industry 4.0“ ins Englische zu übersetzen.

Inzwischen können auch viele US-Amerikaner etwas mit dem Ausdruck anfangen, – auch wenn sie weiter andere Begriffe dafür verwenden, etwa „Integrated Industry“ oder „Industrial Internet“. Fest steht: Industrie 4.0 ist zwar mittlerweile international bekannt, jedoch verstehen mitunter nicht unbedingt alle das Gleiche darunter.

Jetzt hat der wissenschaftliche Dienst des Bundestages eine Definition veröffentlicht, die eindeutig klären soll, was unter Industrie 4.0 zu verstehen ist: „’Industrie 4.0′ bezeichnet die sogenannte vierte industrielle Revolution auf der Basis cyber-physischer Systeme (intelligente technische Systeme aus der Elektronik, Softwaretechnologie, Informationssysteme, Mechatronik). Demgegenüber fußt die erste industrielle Revolution auf der Nutzung von Dampfmaschinen und der Einführung mechanischer Produktionsanlagen am Ende des 18. Jahrhunderts, die zweite industrielle Revolution u.a. auf dem Einsatz elektrischer Energie, die Massenproduktion erlaubte. Die dritte industrielle Revolution wird durch den umfangreichen Einsatz von Elektronik und Informationstechnologie (IT) zur weitreichenden Automatisierung charakterisiert“, heißt es in der Veröffentlichung „Aktueller Begriff: Industrie 4.0“ des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages.

Ebenfalls hilfreich: Das Einbetten verwandter Begrifflichkeiten im Kontext des Kernthemas Industrie 4.0: „Technologisch stehen hinter ‚Industrie 4.0‘ weitere Begriffe: Mit dem „Internet der Dinge“ (engl: Internet of things) oder „Allesnetz“ wird die Vernetzung von Gegenständen mit dem Internet verstanden, so dass diese Gegenstände über das Internet selbstständig kommunizieren und einen Material- oder Produktionsfluss festlegen. Die Verbindung der am Produktionsfluss beteiligten Systeme mit softwaretechnischen Komponenten wird als „cyber-physische Systeme“ bezeichnet. Auf diese Weise wird der automatisierte Produktionsprozess mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik verknüpft. Im internationalen Kontext werden häufig Bezeichnungen wie „cyber-physical systems“, „advanced/smart/digital manufacturing“, „smart factory“ oder „advanced/smart/digital production/industry“ für Industrie 4.0 verwendet.“

Anders als viele Propheten der digitalen Transformation ist der wissenschaftliche Dienst zurückhaltend in Bezug auf das wirtschaftliche Potenzial von Industrie 4.0 und dessen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Nach „Expertenaussagen“ könne die Beschäftigung im produzierenden Sektor sowohl um 1,5 Mio. nach oben als auch unten variieren.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Digitales-Wirtschaftswunder.de, dem Themenblog der QSC AG

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