IoT 2016: Die Top-Themen im Rückblick

Bild: Shutterstock/Photon photo

2016 war ein spannendes Jahr für das Internet der Dinge. Es war das Jahr, in dem IoT den Übergang vom Hype zum Alltag vollzog. Das Amazon Echo dominierte den US Smart Home Markt und die DDoS-Attacke auf den DNS-Provider Dyn zeigte wie gefährlich unsichere IoT Lösungen sind.

2016 ist vorbei – Anlass für IoT Analytics, wie jedes Jahr die wichtigsten Ereignisse und Trends des weltweiten Markts für IoT 2016 Revue passieren zu lassen. Der vorliegende Beitrag spannt einen weiten Bogen von allgemeinen Beobachtungen zum Internet der Dinge über die acht spannendsten Stories des Jahres bis hin zu den Chancen und Herausforderungen, die 2017 für globale IoT-Akteure bereithält (unseren Jahresrückblick 2015 finden Sie hier).

2016 war das Jahr, in dem das Internet der Dinge den Übergang vom Hype zum Alltag vollzog. Während der Begriff 2015 meist nur aus Medien und Marketingblogs bekannt war, stellte sich die Situation 2016 ganz anders dar. Unternehmen und Konsumenten machten sich in immer größerer Zahl auf, um IoT-Lösungen auf den Markt zu bringen und IoT-Produkte zu kaufen. In der Folge erlebte sowohl der Consumer-IoT- als auch der Enterprise-IoT-Bereich ein Rekordwachstum, das allerdings nicht ohne schmerzhafte Rückschläge blieb.

 

A. Allgemeine Beobachtungen zur IoT-Entwicklung 2016

A1. Consumer IoT

Millionen von Verbrauchern kauften 2016 ihr erstes IoT-Gerät, viele von ihnen Amazon Echo. Zu ihrem Leidwesen mussten viele Verbraucher feststellen, dass Marketingversprechen und Realität oft weit auseinanderliegen. Entsprechend hoch ist die Zahl der Unzufriedenen (wie beispielsweise der Besitzer eines smarten Thermostats, dessen Gerät einen ganzen Tag offline war).

Einige Unternehmen stellten ihren Dienst ein, darunter, sehr zur Verärgerung seiner Kunden, der Smart-Home-Hub Revolv im April 2016. Andere meldeten Konkurs an, wie der Hersteller von Smart Watches Pebble im Dezember, oder sie verschwanden sang- und klanglos, wie das Startup Skully, das mit seinem Augmented-Reality-Helm für Furore gesorgt hatte und im August insolvent ging, ohne ein einziges Produkt verkauft zu haben.

A2. Enterprise IoT

Im Unternehmens-/Industriesektor wird 2016 als das Jahr in die Annalen eingehen, in dem viele Firmen ihre ersten IoT-Pilotprojekte in Angriff nahmen.

Ein unüberhörbarer Weckruf war im September die massive Cyberattacke, die mit Hilfe gekaperter IoT-Geräte (überwiegend CCTV-Kameras) den DNS-Provider Dyn und mit ihm die Webseiten von Dyn-Kunden wie AirBnB, Netflix und Twitter lahmlegte. Obwohl nur wenige IoT-Unternehmen davon direkt betroffen waren, schreckte der Vorfall viele IT- und IoT-Entscheider auf und führte dazu, dass sich die IoT-Debatte verstärkt in Richtung Cybersicherheit verlagerte.

 

B. Die acht Top-Stories 2016

Für das IoT Analytics Team ist die IoT-Attacke auf die Dyn-Server das einschneidendste Einzelereignis des Jahres. Hier unsere Topthemen 2016:

1.    Wichtigstes Ereignis: IoT-Attacke auf Dyn-Server

Die DDOS-Attacke auf die Dyn-Server war der erste groß angelegte Hackerangriff mit IoT-Geräten. Laut Dyn wurden dabei 100.000 Geräte zu einem Botnetz zusammengeschaltet. Gerade weil es sich um den ersten derartigen Vorfall handelte, sandte er wahre Schockwellen durch die IT- und IoT-Unternehmenslandschaft.

Im Zentrum des Geschehens stand der chinesische CCTV-Hersteller Hangzhou Xiongmai Technology, dessen  Kameras (und andere Geräte) mit der Mirai-Malware infiziert wurden. Über die infizierten IoT-Geräte setzten die Hacker eine immense Zahl von zeitlich genau geplanten Anfragen ab, was zur Überlastung der Dyn-Server und zum Zusammenbruch der Dienste führte.

2.    Größter Consumer-IoT-Erfolg: Amazon Echo

Der im Juni 2015 vorgestellte smarte, sprachgesteuerte Lautsprecher Amazon Echo war zweifellos der Consumer-IoT-Hit des Jahres 2016. Nach neuesten Amazon-Angaben stiegen die Verkaufszahlen zwischen Dezember 2015 und 2016 um das 9fache. Im Dezember 2016 verkaufte Amazon mehr als 1 Million Echo Lautsprecher. Unsere App-basierten Smart-Home-Modelle bestätigen diesen Trend; demnach hat Amazon allein im Dezember 2016 mehr als 1 Million und im Jahresverlauf nahezu 4 Millionen Echo-Lautsprecher abgesetzt.

Dank dieser Erfolgsstory ist Amazon nun der führende Smart-Home-Hub-Anbieter und steht an der Spitze der Entwicklung zum sprachgesteuerten, automatisierten Smart Home der Zukunft. Im Oktober 2016 sprang Google mit Google Home auf den Zug auf; während Microsoft Home Hub 2017 folgen soll.

3.    Engster Markt: IoT-Plattformen

Als wir uns Anfang 2015 erstmals mit IoT-Plattformen befassten, war nicht absehbar, dass dies bald das heißeste Thema der Branche sein würde. Im Mai 2016 zählten wir bereits 360 Plattformen, eine Zahl, die mittlerweile auf weit über 400 angeschwollen ist. Auch im Gartner Hype Cycle 2016 stehen IoT-Plattformen an prominenter Stelle.

Auf Unternehmensseite hat sich herumgesprochen, dass der Wert des Internets der Dinge in seinen Daten liegt und dass derjenige am meisten Profit daraus zieht, der diese Daten effizient managt. Die Folge: IoT-Plattformen schießen wie Pilze aus dem Boden. Problematisch ist dabei nicht die schiere Zahl der Produkte, sondern die Tatsache, dass sie mit den immer gleichen Argumenten beworben werden: „Wir bieten die einzige echte End-to-End-Plattform, die geräteunabhängig und absolut sicher ist.“

4.    Größter M&A-Deal: Qualcomm/NXP

Parallel zur enormen Zunahme bei IoT-Software, -Analytics und -Plattformen beobachten wir eine Konsolidierungswelle unter den größeren Anbietern von IoT-Hardware und hier insbesondere im Chipsektor. So kündigte im Oktober 2016 der US-Chiphersteller Qualcomm an, den Chip-Spezialisten für die Fahrzeugvernetzung, NXP, für 39 Mrd. USD kaufen zu wollen – die teuerste Firmenübernahme in der Geschichte der Halbleiterindustrie.

Weitere Übernahmen und Fusionen im Hardware-/Halbleiterbereich betrafen Softbank/ARM (32 Mrd. USD) und TDK/Invensense (1,3 Mrd. USD).

5.    Meistdiskutierter M&A-Deal: Cisco/Jasper

Im Februar meldete Cisco den Kauf des IoT-Plattformanbieters Jasper Technologies für 1,4 Mrd. USD. Journalisten feierten die Übernahme als logischen nächsten Schritt von Ciscos „Internet of Everything“, der die Enterprise-Router von Cisco mit der Jasper-Backend-Software für Netzwerkbetreiber kombiniert und, so die Hoffnung, eine Trendwende bei den stetig sinkenden Hardware-Verkaufszahlen einläuten wird.

6.    Größte Startup-Finanzierung: Sigfox

Mit seiner Serie-D-Finanzierungsrunde über 100 Mio. USD war Sigfox bereits in unserer Liste der wichtigsten IoT-News 2015 vertreten. Die ungebremste Dynamik des Startups und das Versprechen eines weltweiten LPWAN (Low Power Wide Area Network) führte 2016 zu einer noch größeren Finanzierungsrunde. Im November konnte der französische Newcomer bei seiner Serie-E-Finanzierung rekordverdächtige 160 Mio. US-Dollar einwerben, u. a. von Intel Capital und Air Liquide.

Für Aufsehen in der IoT-Gemeinde sorgte auch der Plattformanbieter C3IoT. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Redwood sammelte bei seiner Serie-D-Finanzierung 70 Mio. USD ein.

7.    Investmenterfolg des Jahres: IoT-Aktien

Zum ersten Mal überhaupt liefen IoT-Aktien deutlich besser als der Nasdaq. Während dieser innerhalb eines Jahres um 9,6 % zulegte, stieg das Megatrends IoT & Industry 4.0 Zertifikat (ISIN: DE000LS9GAC8) um beachtliche 17,5 %. Die Cloud-Provider Amazon und Microsoft verbuchten einen Jahreszuwachs von 14 %, der IoT-Plattformanbieter PTC erzielte +35 %. Und selbst der Spezialist für M2M-Kommunikation Sierra Wireless verspürte im vierten Quartal 2016 wieder Rückenwind.

Ein Teil der exzellenten IoT-Performance 2016 war der steigenden Zahl von Übernahmen geschuldet (z. B. TDK/Invensense). Während wir noch Anfang 2016 die Frage stellten, ob das schlechte Abschneiden der IoT-Aktien im Vorjahr eine Chance für 2016 sein könnte, lässt sich dies heute eindeutig mit „Ja“ beantworten. Wird dieser Trend auch 2017 anhalten?

8.    Wichtigste Gesetzesinitiative: EU-Datenschutz-Grundverordnung

Im Mai 2016 verabschiedete die EU ihre neue Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO). Sie tritt am 25. Mai 2018 in Kraft und hat erhebliche Auswirkungen auf die Anbieter und Nutzer von IoT-Technologien, darunter:

  • Verletzungen des Schutzes von personenbezogenen Daten müssen gemeldet werden.
  • Jeder IoT-Nutzer muss eine unmissverständliche Einwilligung zur Verarbeitung seiner personenbezogenen Daten geben.
  • Jeder Nutzer muss die Möglichkeit erhalten, Widerspruch gegen automatisierte Einzelentscheidungen einzulegen.
  • Daten von IoT-Geräten, die durch Kinder genutzt werden, dürfen nicht verarbeitet werden.

Mit Blick auf Sicherheit und Datenschutz ist die neue Verordnung ein großer Schritt nach vorne. IoT-Anbieter innerhalb und außerhalb Europas stehen nun vor der Aufgabe, ihre Praktiken und Richtlinien für Data Governance, Datenschutz und Datensicherheit an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

 

Bild: Shutterstock/samjapan

Unsere Prognosen für 2017:

  • Kampf um die Spitzenposition bei IoT-Plattformen. Die großen Anbieter von IoT-Plattformen rüsten sich für den Kampf um die Position des Branchenprimus. Nach Jahren des organischen Wachstums begannen einige Big Player 2016 mit dem Kauf von kleineren Plattformanbietern, um dadurch technologische Lücken zu schließen (z. B. GE/Bitstew, SAP/Plat.one, Microsoft/Solair).
  • Rivalisierende Technologien bei der IoT-Konnektivität. Nach längerer Anlaufzeit geht 2017 endlich NB-IoT an den Start. Die energiesparende Technologie für die Schmalband-Kommunikation wird von mehreren Telko-Schwergewichten massiv vorangetrieben und fordert bestehende LPWAN-Technologien wie Sigfox und LoRa heraus.
  • AR/VR erobert den Mainstream. Die IoT-Plattformanbieter PTC (Vuforia) und Microsoft (Hololens) haben bereits vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für Augmented Reality bzw. Virtual Reality demonstriert. 2017 dürften die ersten Real-Live-Anwendungen auf den Markt kommen.
  • Noch mehr Alltag, noch weniger Hype. Anstelle der Fokussierung auf technologische Aspekte wie neue Plattformen oder Konnektivitätsstandards wird es 2017 vermehrt um Implementierungen und Anwendungen in der Praxis gehen. Obwohl mit weiteren IoT-Neuerungen zu rechnen ist, dürfte ein gewisser Gewöhnungseffekt einsetzen, in dessen Folge die Frage nach dem Mehrwert in den Mittelpunkt rücken wird. Wir werden diese spannende Entwicklung auch 2017 aus nächster Nähe beobachten und zudem unsere Liste von IoT-Projekten weiter fortführen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Digitales-Wirtschaftswunder.de, dem Themenblog der QSC AG

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