Siemens vs. GE – Wettlauf um die führende IoT-Plattform

Zwei Boxhandschuhe, einer illustriert mit der Flagge der USA, der andere mit der Europaflagge

Titelbild: © Fabio Berti/Shutterstock.com

Den Kampf um den privaten Internetnutzer haben US-Firmen längst für sich entschieden. Beim Wettlauf um die dominante Plattform für die Industrie 4.0 bleibt es spannend zwischen Europa und den USA. Quasi stellvertretend treten hier Siemens und General Electric gegeneinander an.

Menschen, Fabriken, Konzerne oder ganze Städte: Das Internet der Dinge wird in den kommenden Jahren Einfluss auf viele Bereiche des Lebens haben. So ist es auch kein Wunder, dass um die Cloudplattformen zur Vernetzung der Milliarden Dinge ein Wettrennen tobt.

Google, Apple, Facebook und Amazon – den Kampf um den Endkonsumenten haben die großen Vier aus den USA unter sich ausgemacht; neue Wettbewerber haben kaum noch Chancen auf ein Stück vom Kuchen. Das liegt schlicht am sogenannten Netzwerkeffekt, wie das Onlinemagazin t3n schreibt. Demnach ist der Nutzen eines Dienstes für den Einzelnen umso größer, je mehr Menschen die Internetsuche, das Betriebssystem, das soziale Netzwerk oder den Onlineshop nutzen. Ein Beispiel: Sicherlich gibt es alternative, vermutlich auch bessere Messenger als WhatsApp. Doch ein neuer Nutzer wird logischerweise das Netzwerk wählen, bei dem auch seine Freunde angemeldet sind – und das ist in aller Regel WhatsApp.

Beim industriellen Internet der Dinge ist der Wettstreit um die führende IoT-Plattform, mit der sich nicht nur Maschinen fernsteuern lassen, sondern die zudem Sensordaten analysieren kann, noch in vollem Gange. Bislang hat kein Unternehmen einen Netzwerkeffekt bewirkt und ist als Sieger und Quasi-Monopolist aus dem Kampf hervorgegangen, denn in der Industrie haben die Europäer ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Stellvertretend treten der US-Mischkonzern General Electric (GE) und das deutsche Traditionsunternehmen Siemens, bereits seit Jahrzehnten erbitterte Konkurrenten, hier gegeneinander an.

Das „Android der industriellen Welt“

GE bietet seit 2015 die Plattform Predix für das Industrial Internet of Things (IIoT) an. Sie soll „das Android der industriellen Welt“ werden, formuliert t3n. Ähnlich wie Googles mobiles Betriebssystem, das aufgrund seines Open-Source-Ansatzes einen weltweiten Siegeszug antreten und Apples iOS die Stirn bieten konnte, ist auch Predix „offen“ angelegt. Die IoT-Plattform kombiniert nicht nur Maschinen und Software von GE, sondern ist zudem kompatibel mit Produkten anderer Hersteller.

Der US-Konzern kann bereits auf eine Reihe prominenter Referenzen verweisen: Von BP, HP und Eon über SAP, Microsoft und Intel bis zu Dell, Vodafone und Bosch nutzen Großkonzerne aus den verschiedensten Branchen Predix. So weit ist Siemens mit seiner IoT-Plattform noch nicht. Das cloudbasierte Betriebssystem Mindsphere des DAX-Konzerns hat zwar ebenfalls einen offenen Ansatz. Siemens bleibe bei der Transformation von einem Anlagenbauer zu einem Digitalkonzern allerdings nahe an den eigenen Wurzeln, schreibt der Economist. Wo GE eine horizontale Lösung anbiete, die möglichst über alle Branchen hinweg eingesetzt werden kann, fokussiere sich Siemens auf seine drei Kerngeschäftsfelder Industrie, Energie und Medizintechnik.

Die entscheidende Rolle bei der Industrie 4.0 werde allerdings die Software spielen, prognostiziert t3n. Und hier könnte der Vorteil von GE liegen, will der US-Konzern doch laut The Economist bis zum Jahr 2020 zu den zehn größten Softwarefirmen der Welt gehören. Andererseits sei der vertikale Ansatz von Siemens besser auf die – im Gegensatz zum Consumerbereich – sehr unterschiedlichen Kundenbedürfnisse zugeschnitten. Und Siemens kann ein weiteres Argument ins Feld führen: Mindsphere-Nutzer können wählen, ob ihre Daten in Microsofts Azure-Cloud oder beim deutschen Software-Giganten SAP gehostet werden – mit deutschem Datenschutz also, den GE nicht bieten kann. Möglicherweise wird es also im industriellen Internet kein „The winner takes it all“-Spiel geben, sondern – wie bei iOS und Android – zwei gleich starke Konkurrenten nebeneinander. Unabhängig vom Ausgang des Rennens werden mittelständische Unternehmen aller Wahrscheinlichkeit nach die Hilfe eines Partners auf Augenhöhe benötigen, um eine der großen Plattformen gewinnbringend für das eigene IoT-Szenario nutzen zu können.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Digitales-Wirtschaftswunder.de, dem Themenblog der QSC AG

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