All IP auch bei ISDN-Sonderdiensten erste Wahl

Ob Alarmanlage, Feuer- oder Einbruchmelder, Aufzugnotruf, Zählerfernausleser oder EC-Cash-System – jeder dieser ISDN-Sonderdienste ist von der Migration auf All IP der Deutschen Telekom ebenso betroffen wie Telefonie und Fax. Was das für Unternehmen in der Praxis bedeutet, die solch einen Dienst nutzen – und wer ihnen bei der Umstellung auf eine IP-Lösung hilft.

Viele Sonderdienste wurden bisher über ISDN gesteuert. Sie sind von der Abkündigung ebenso betroffen wie Telefonie und Fax.
Foto: zhu difeng/Shutterstock.com.

Das Aus des klassischen ISDN bringt viele Unternehmen in eine kniffelige Situation. Denn die gute alte ISDN-Technologie ermöglicht viel mehr als nur Telefonie und Fax: Firmen betreiben darüber eine Vielzahl weiterer Lösungen, die jetzt von der All-IP-Umstellung betroffen sind. Bezüglich ihres Telekommunikationsbedarfes werden sie daher ISDN-Sonderdienste, auch „Legacy-Systeme“ oder „Legacy-Devices“, genannt. Besondere Beachtung erhalten dabei Gefahrenmeldeanlagen (GMA) – also Brand- und Einbruchmelder.

Wie also nun umgehen mit ISDN-Sonderdiensten, wenn ISDN bald nicht mehr exisitiert? Wer kann bei der Umstellung helfen? Wie lange dauert so eine Umstellung?

 

Erste Anlaufstellen: Anlagen-Errichter und ITK-Dienstleister

Die Fachleute für Alarmsysteme & Co. werden Anlagen-Errichter genannt. Die Errichter von Gefahrenmeldeanlagen (GMA) zum Beispiel haben sich im BHE Bundesverband Sicherheitstechnik organisiert, der sie auch zertifiziert. Kunden, die bereits eine GMA betreiben, haben eventuell einen Service- oder Wartungsvertrag mit solch einem Anlagen-Errichter und sollten sich bei der All-IP-Umstellung an ihn wenden.

Helfen können aber auch Systemhäuser und ITK-Fachbetriebe. Sie begleiten die Unternehmen als ITK-Experten bereits bei der Voice-Umstellung auf IP und können daher bei den Legacy-Applikationen als Vermittler und Koordinator tätig werden. Fakt ist auch, dass eine Mehrheit der Unternehmen die Hilfe ihres ITK-Dienstleisters erwartet.

In der Studie „Cloud-Telefonie 2016“ von IDG Business Media GmbH gaben 60 Prozent der ITK-Entscheider an, dass sie ihren TK-Partner oder Carrier in der Pflicht sehen, ihnen bei der Migration der Legacy-Systeme zu helfen. Sie wünschen sich eine konkrete Projektunterstützung, manche (15 Prozent) sogar eine finanzielle Unterstützung.

 

Relevanz: Neben Faxgeräten werden am häufigsten Alarmmeldeanlagen über Telefonleitungen gesteuert. Quelle: Studie „Cloud Telefonie 2016“, IDG Business Media GmbH. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Carrier ebenfalls in der Pflicht

Nicht zuletzt müssen Carrier ihren Teil dazu beitragen, dass es für die Sonderdienste auch künftig gleichwertige oder bessere technische Lösungen gibt. Das reicht von der VdS-Zulassung für ihr Netz bis hin zur Beratung von ITK-Dienstleistern. QSC hat in dieser Hinsicht ihre Hausaufgaben gemacht:

  • VdS-Zulassung: QSC hat den VdS (VdS Schadenverhütung GmbH, Unternehmen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.) überprüfen lassen, ob über ihr Netz IP-basierte GMA optimal betrieben werden können, und zwar sowohl über die IP-Internetanschlüsse als auch über die IP-VPN-Anschlüsse. Die auf dieser Basis erfolgte VdS-Zulassung hat QSC im März 2016 erhalten. Damit ist zum Beispiel sichergestellt, dass die verschlüsselte Übertragung der Signale funktioniert.
  • Tests von IP-Endgeräten: Als Pioniere der IP-Technologie arbeitet QSC mit Herstellern von IP-Endgeräten zusammen und stellt durch Tests sicher, dass deren IP-basierte Anlagen im QSC-Netz störungsfrei laufen.
  • Passgenaue IP-Lösungen: Den Kunden stellt QSC passende Dienste und Tarife zur Verfügung. Dies können zum Beispiel SIP-Accounts zum Anschluss von analogen Telefonadaptern (ATA) oder von Türsprechnebenstellen sein.
  • Beratung von Partnerfirmen: QSC sieht sich auch als Berater – und zwar sowohl für Vertriebspartner, die IP-Umstellungen ihren Kunden managen, als auch für Anlagen-Ersteller, die zum Beispiel Informationen über technische Spezifikationen benötigen, um die passenden Endgeräte installieren zu können.

 

Schrittweise Migration in die IP-Welt ist möglich

Ist der Gerätebestand erst wenige Jahre alt, prüfen Unternehmen verständlicherweise zunächst einmal, ob ihre Legacy-Systeme unverändert weitergenutzt werden können. Viele solcher bisher an ISDN- oder analogen Telefonanschlüssen betriebene Anlagen können über ISDN-zu-IP-Gateways und ATA – kurz „Adapter-Lösungen“ – auch an modernen Next Generation Networks (NGN) der Provider angeschlossen werden.

In diesen Adaptern werden die klassischen Telefonie-Signale – wie insbesondere Modem-Codecs – in IP-Signale umwandelt. Doch die neue IP-Übertragung bringt neue Eigenheiten wie Delay, Jitter und Paket-Loss mit sich, für die viele ISDN-Übertragungsprotokolle und -Codecs nicht konzipiert wurden. Sie verlieren daher an Übertragungssicherheit, was bei kritischen Informationsinhalten, wie der Meldung einer GMA an die Notrufzentrale, unerwünscht ist.

Dies führt wiederum dazu, dass Provider die Gewährleistung für den Betrieb solcher Legacy-Systeme an Adapter-Lösungen in ihren AGB beschränken.

 

Projektunterstützung: Die Kunden wünschen sich bei der Umstellung der Sonderdienste Hilfe durch ihre ITK-Partner. Quelle: Studie „Cloud Telefonie 2016“, IDG Business Media GmbH. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Besser komplett zu All IP wechseln

Bei der schon erwähnten Studie von IDG Business Media GmbH sagten die meisten Befragten (57 Prozent), dass sie die von ihnen genutzten Legacy-Systeme vollständig auf IP umstellen wollen. Nur 32 Prozent konnten sich Adapter-Lösungen vorstellen.

Fachleute werden den 57 Prozent Recht geben, die bereit sind, in eine IP-basierte Anlage zu investieren. Sie können dann auch alle Vorteile der IP-Technologie nutzen, bei GMA zum Beispiel diese:

  • Besserer Service: Via IP können deutlich mehr Informationen als über ISDN übertragen werden, etwa Bilder und Daten über die Gründe eines Notrufs. Weiterhin wird eine Leitungsunterbrechung viel schneller bemerkt, denn eine IP-basierte GMA meldet sich bei der Notrufzentrale alle 20 Sekunden, eine ISDN-basierte Anlage nur einmal täglich. Und schließlich enthalten die modernen, IP-basierten Übertragungsprotokollstandards eine sichere Datenverschlüsselung.
  • Höhere Verfügbarkeit: Werden die Signale zwischen Brandmeldeanlage und Feuerwehr via IP-Technologie übertragen, ist bei gewerblicher Nutzung ein zweiter IP-Übertragungsweg angesagt. Solch eine redundante IP-Standortanbindung erhöht dann auch die Verfügbarkeit aller über IP genutzter Dienste wie insbesondere aller Cloud-Dienste.
  • Mehr Effizienz in der ITK: Die Zusammenführung der gesamten ITK-Infrastruktur auf IP-Basis reduziert den Aufwand für Installation, Betrieb und Wartung erheblich und ist wesentlich einfacher zu pflegen. Daher sollten auch die ISDN-Sonderdienste auf IP umgestellt werden.
  • Zukunftsfähigkeit: Letztlich dient der komplette Schwenk auf IP-Technologie auch der Zukunftsfähigkeit. Auch wenn die Migration aller ISDN-Sonderdienste auf All IP zunächst mit Kosten und Aufwand verbunden ist: In wenigen Jahren werden die Altanlagen Auslaufmodelle sein und nicht mehr mit Updates und Ersatzteilen versorgt werden.

All IP ebnet auch einen Teils des Weges zur Digitalisierung des Unternehmens, wobei QSC ebenfalls helfen kann.

 

To-do-Liste der Umstellung

Kunde, ITK-Fachbetrieb, Anlagen-Errichter und Provider: Sie alle sind in die Umstellung eines Legacy-Systems eingebunden. Umso wichtiger ist eine effektive Koordination. Sie kann vom Endkunden selbst vorgenommen werden oder von einem Externen, zum Beispiel vom ITK-Fachbetrieb, der auch die TK-Anlage betreut. Zu den Aufgaben zählen:

  • Erfassung aller ISDN-Sonderdienste pro Standort,
  • Zuordnung der ISDN-Sonderdienste zu den zuständigen Fachfirmen (z.B. TK-Anlagen- und GMA-Anlagenbauer) und Einbindung dieser Unternehmen. Die Fachfirmen sollten für die gewählten Anlagen geschult, wenn nicht gar zertifiziert sein,
  • Suche nach Lieferanten für den IP-Anschluss- und IP-Telefonie-Provider. Die Anlagen sollten in dem Netz des Anbieters getestet sein und der Netzbetreiber die entsprechende VdS-Zulassung besitzen,
  • Planung der Migrations- und endgültigen All-IP-Szenarien und –Komponenten inklusive Risiko-Analyse und –Management,
  • Beauftragung und Durchführung der schrittweisen Migration oder des Schwenks aller ISDN-Sonderdienste auf All IP.

 

Keine Zeit zu verlieren

Je nach Größe eines Unternehmens und der Zahl der Standorte rechnet man für die IP-Umstellung eines Voice-Netzes mit einem halben bis einem Jahr Vorlaufzeit. Eher noch mehr Zeit ist für die Migration von Sonderdiensten einzuplanen, weil mehr Gewerke eingebunden werden müssen.

Wichtig: Auch wenn Kunden der Deutschen Telekom die Kündigung ihres ISDN-Vertrags noch nicht erhalten haben, sollten sie mit den Vorbereitungen schon jetzt beginnen – zumal die Fachfirmen in wenigen Monaten alle Hände voll zu tun haben werden, wenn die Kündigungswelle erst richtig anrollt.

 

Weitere Informationen:

 

 

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