Big Data hat Mittelstand erreicht

Big-Data-Analysen und -Auswertungen

Quelle: © iStock.com/NicoElNino

62 Prozent aller Unternehmen mit 500 bis 1.999 Mitarbeitern setzen Big-Data-Lösungen ein – und 59 Prozent haben damit mindestens eines ihrer Geschäftsziele erreicht. Eine repräsentative Studie von Bitkom Research und KPMG zeigt, dass Big Data in Unternehmen jeder Größe angekommen ist.

Ob es um die optimale Planung von Transportwegen, die Reduzierung von Retouren oder die Vorhersage von Maschinenausfällen in der Produktion geht: Die Einsatzbereiche für Big-

Data-Lösungen sind zahlreich und können Unternehmen in vielen Branchen helfen, Kosten zu sparen und Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten. Und dies nicht nur in Großkonzernen: „Big Data ist längst nicht mehr nur etwas für Big Companies. Entscheidungen im Unternehmen auf Grundlage von Erkenntnissen aus einer großen Menge von Daten zu treffen, wird auch für kleinere Unternehmen immer interessanter“, so Dr. Axel Pols, Geschäftsführer der Bitkom Research GmbH, die im Auftrag von KPMG eine repräsentative Umfrage zur Nutzung von Big Data unter 709 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern durchgeführt hat. Dabei gaben 62 Prozent der Unternehmen mit 500 bis 1.999 Mitarbeitern an, dass sie Big-Data-Lösungen einsetzen – im Jahr zuvor waren es lediglich 44 Prozent. Unabhängig von ihrer Größe erklärten nur 18 Prozent aller teilnehmenden Unternehmen, dass Big-Data-Lösungen in ihrem Hause kein Thema seien – 2016 waren es noch 22 Prozent.

Big Data unterstützt Geschäftsziele

Den hauptsächlichen Grund für die gestiegene Verbreitung von Big-Data-Lösungen sehen die Bitkom-Forscher in ihrer Erfolgsquote: 59 Prozent der Unternehmen, die sie einsetzen, haben laut Umfrage mindestens eines ihrer Geschäftsziele mithilfe von Big Data erreicht. 41 Prozent geben an, sie hätten damit Risiken minimiert, 27 Prozent erhöhten ihren Umsatz und 19 Prozent gelang eine Kostenreduzierung. „Die Ergebnisse zeigen, dass Big Data auf die Unternehmensziele einzahlt, es aber kein Selbstläufer ist. Anders als etwa die Automatisierung mit einem Roboter, der sofort Effizienzgewinne liefert, muss Big Data in eine Strategie eingebettet werden und die gewonnenen Erkenntnisse müssen umgesetzt werden. Das braucht Zeit und den Willen zur Umsetzung durch das Management“, kommentiert Dr. Thomas Erwin, Global Execution Partner Data & Analytics bei KPMG.

Datenanalyse beeinflusst Geschäftsmodelle

Insgesamt drei Viertel der Unternehmen geben an, relevante Entscheidungen auf Grundlage von Erkenntnissen aus der Analyse von Daten zu treffen. 29 Prozent sagen sogar, dass sich ihr Geschäftsmodell in den vergangenen zwei Jahren durch die zunehmende Verfügbarkeit von Daten und die Möglichkeit, diese zu analysieren, verändert hat.

Einsatz von Werkzeugen nimmt zu

77 Prozent der Firmen setzen bei der Datenauswertung einfache Tools wie Excel oder Access für Ad-hoc Analysen ein. Das sind zehn Prozent weniger als zwei Jahre zuvor. Auf der anderen Seite erkennen mittlerweile 33 Prozent Zusammenhänge durch die Analyse von strukturierten internen und externen Daten – fast zehn Prozent mehr als 2015 (24 Prozent). 17 Prozent setzen heute auf fortgeschrittene Analysen, um aus Daten unterschiedlicher Herkunft und Struktur neue Erkenntnisse zu gewinnen, was nahezu einer Verdopplung innerhalb von zwei Jahren entspricht (2015: neun Prozent).

Durchgeführt werden Datenanalysen aktuell vor allem, um die Geschäftsentwicklung zu überwachen (40 Prozent), Kunden besser kennenzulernen (37 Prozent) und das eigene Personal effizienter einsetzen zu können (33 Prozent). Davon abgesehen nutzt rund jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) Datenanalysen, um Geschäftsrisiken zu identifizieren und zu managen.

Zentrale Strategie für Datennutzung gefragt

76 Prozent der Unternehmen, die Datenanalysen für die Überwachung der Geschäftsentwicklung nutzen, zeigen sich mit den Ergebnissen „sehr“ oder „eher“ zufrieden. 55 Prozent der Befragten äußern sich zufrieden über die Erkenntnisse durch Datenanalysen rund um die Personalplanung. Bei der Analyse von Bestandskunden sinkt dieser Anteil auf 50 Prozent, und bei der Identifikation neuer Kunden liegt er mit 48 Prozent schon unter der Hälfte.

Als Hauptursache für diese nur teilweise zufriedenstellenden Ergebnisse hat Bitkom Research das Fehlen einer Strategie für die Datennutzung identifiziert. Nur zwölf Prozent der Unternehmen verfügen über eine zentrale Datenanalyse-Strategie, 59 Prozent setzen zumindest in einzelnen Unternehmensbereichen darauf. Dem stehen 27 Prozent an Firmen gegenüber, die bislang noch gar kein strategisches Vorgehen bei der Datenanalyse entwickelt haben. Ein Grund dafür könnte laut Bitkom Research in der fehlenden Qualifikation der Mitarbeiter liegen. Gerade einmal jedes vierte Unternehmen gibt an, dass die eigenen Mitarbeiter über die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, um das Unternehmen kontinuierlich mit Datenanalysen voranzutreiben. Immerhin 42 Prozent investieren aber bereits gezielt in die Aus- und Weiterbildung der Belegschaft in diesem Bereich.

Datenschutz und Datensicherheit

Last but not least stellt auch das Thema Datenschutz eine Herausforderung für die Nutzung von Big Data dar. 61 Prozent der Unternehmen äußern Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, 55 Prozent hinsichtlich der Datensicherheit bei Analysen. 59 Prozent fühlen sich unsicher, wie gesetzliche Vorschriften zum Umgang mit personenbezogenen Daten eingehalten werden können, und 57 Prozent beklagen eine fehlende Rechtsgrundlage.

„Datenanalysen tragen zunehmend zur Wertschöpfung in Unternehmen bei und bieten große Chancen, Daten sind der Schlüssel zur gewinnbringenden Nutzung von Zukunftstechnologien. Wer es schafft, diese Technologien in einer vertrauensvollen Art zu nutzen, wird einen klaren Wettbewerbsvorteil haben“, so Thomas Erwin. „Angesichts der großen Unsicherheit in den Unternehmen kann es sinnvoll sein, bei der Nutzung von Datenanalysen auch auf externes Know-how zurückzugreifen.“

Methodik der Studie

Bitkom Research definiert Big Data als Fähigkeit, große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen und mit unterschiedlicher Struktur in hoher Geschwindigkeit auszuwerten. Für die Studie befragten die Mitarbeiter von Bitkom Research 709 Unternehmen aller Branchen ab 100 Mitarbeitern. Sie führten dabei Interviews mit Geschäftsführern und Abteilungsleitern aus den Bereichen Beschaffung/Einkauf/Logistik, Produktion/Projektabwicklung, Marketing/Vertrieb oder Finanzen/Steuern/Controlling. Die Umfrage ist laut Bitkom Research repräsentativ für die deutsche Gesamtwirtschaft.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Digitales-Wirtschaftswunder.de, dem Themenblog der QSC AG

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