Mit Colocation gut aufgestellt und schnell angebunden

Schnelle Prozesse und flexible Entscheidungen hat sich Rüdiger Hofer auf die Fahnen geschrieben. Seit November 2016 leitet er den Bereich Colocation der QSC AG, über den ein Teil der Rechenzentrums (RZ)-Dienste von QSC angeboten wird. Hier gilt es, Kunden jederzeit passgenau mit Fläche, Hardware, Virtualisierungslösungen und Management-Leistungen zu bedienen. Ein umfassendes Lösungspaket – das inzwischen auch auf der QSC-Website umfangreich beschrieben ist – adressiert Kundenwünsche von der RZ-Flächen-Installation bis zum Full-Service-Angebot, einschließlich Migration und MPLS-VPN-Anbindung an QSC. Ein Interview mit dem Rechenzentrumsfachmann.

 

„Unsere Kunden können von uns schnelle Anbindungen und Netze sowie höchst verfügbare Infrastrukturen und Plattformen inklusive hoher Sicherheitsstandards erwarten.“ Rüdiger Hofer, Bereichsleiter Colocation der QSC AG. Foto: © Tilman Weishart Photography

 

Herr Hofer, was hat Sie an der Aufgabe für QSC gereizt?

Hofer: Zum einen sagt mir die Umgebung in einem mittelständischen Unternehmen von rund 1.400 Mitarbeitern zu, das ist genau mein Fall.

Zum anderen habe ich hier eine sehr gute Grundlage für die Weiterentwicklung von Colocation als Profitcenter vorgefunden. Dies gilt sowohl für unsere Infrastruktur und Plattformen als auch für unsere Kundenbasis.

So kann ich meine Hosting-Erfahrungen optimal einbringen, damit wir zusammen mit unseren Kunden Lösungen entwickeln und umsetzen, die speziell auf ihre Anforderungen zugeschnitten sind. Die Erfahrung zeigt, dass daraus oft langjährige und vertrauensvolle Partnerschaften entstehen.

 

Warum wurde der Bereich Colocation als eigenständiges Profitcenter aufgestellt? Welche Ziele und Strategie verfolgen Sie damit?

Hofer: Unsere Produkte sollen unsere Kunden dabei unterstützen, ihre Kosten unter Kontrolle zu halten, die Flexibilität ihrer IT zu erhöhen und Entwicklungszyklen zu verringern, damit sie insgesamt eine höhere Investitionssicherheit erreichen. Darüber hinaus wird von einem Colocation Provider heute erwartet, dass er sich als langfristiger Partner engagiert und effizienzsteigernde Maßnahmen oder Trends im Datacenter-Umfeld erkennt und umsetzt.

Auf diese Weise möchten wir auch neue, wachstumsstarke Kunden unterstützen und für QSC begeistern. Deshalb sind schnelle Entscheidungen und individuelle Verfahren für uns besonders wichtig. Hierbei bilden neue Konzepte wie der Bau von modularen Rechenzentren und der Einsatz standardisierter Hardwaresysteme oder innovativer Techniken die Basis für hoch flexible Lösungen und kurze Bereitstellungszeiten.

Um diesen Ansprüchen und Zielen gerecht zu werden, agiert das Profitcenter Colocation innerhalb der QSC AG als eine Art „Schnellboot“. Gleichzeitig arbeiten wir eng verzahnt mit den zentralen QSC-Abteilungen wie Strategie, Marketing, HR, Rechtsabteilung und dem Indirekten Vertrieb, wo unser Partnermanagement verankert ist. Gerade die Kooperation mit unseren Partnern möchten wir mit Diskussionsrunden und Informationsveranstaltungen weiter intensivieren.

Und unsere Kunden können sich auch künftig darauf verlassen, dass unsere Experten sie von der Beratung über die Analyse und Konzeption bis zum Produktivbetrieb als Teil ihrer Wertschöpfungskette begleiten.

 

Wie haben Sie Ihren Bereich dafür intern organisiert und aufgestellt?

Auszeichnung: Im Rahmen einer Leserbefragung der Verlagsgruppe Vogel IT-Medien wurde QSC im Mai 2017 der silberne „Hosting Award 2017“ verliehen.

Hofer: Wir haben eine Aufteilung in drei Säulen gewählt: Vertrieb, IT Operations sowie Facility Management und Data Center Operations.

  • Die Vertriebssäule umfasst unseren Colocation Direktvertrieb mit eigenem Produkt-, Service-, Auftrags- und Ordermanagement.
  • In die Zuständigkeit von IT Operations fällt das Network Operation Center (NOC), das rund um die Uhr besetzt ist. Der Support wird durch First- und Second-Level sichergestellt. Im Managed Service und Engineering Team werden mit den Kunden Lösungen geplant, konzipiert und in Betrieb genommen.
  • Im Bereich Facility Management und Data Center Operations laufen schließlich alle Aufgaben zusammen, die für einen effizienten und sicheren Betrieb notwendig sind, wie Schaltanlagen, Notstromversorgung, Klimatisierung, Lüftung und USV. Hierzu gehört auch ein leistungsfähiges Power-Management-Monitoring, um die Energiekosten jederzeit unter Kontrolle zu halten und einen niedrigen PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) zu gewährleisten.

 

Welche Leistungen bieten Sie in Ihrem Portfolio an, welche Kundenerwartungen bedienen Sie damit?

Hofer: Wir bieten alle Varianten der klassischen Colocation-Produkte von der Vermietung von RZ-Flächen (Cage) über Räume bis zu eigens für den Kunden konzipierten Rechenzentren (RZ). Zusätzlich können Kunden Backup- und Storage-on-Demand-Services flexibel hinzubuchen und aus einer Reihe von RZ-Kopplungen wählen.

  • Unser Virtual Datacenter richtet sich an Kunden, die Virtualisierung als Serviceleistung vom Spezialisten nutzen wollen, um die Vorteile von Containerisierung, virtuellen Maschinen und Autoscaling von Applikationen für sich zu erschließen.
  • Darüber hinaus reichen unsere Virtualisierungsangebote bis hin zu vollautomatisierten Integrationslinien im Development (DevOps Umfeld).
  • Abgerundet wird unser Portfolio als Full Service Provider durch Management-Leistungen und Security-Konzepte wie DDoS Migration, VPN, Mail Security, SSL-Zertifikate und Domains.

Als Colocation-Anbieter unterstützen wir unsere Kunden zudem mit hohen IT-Qualitätsstandards, ISO-Zertifizierungen rund um das Rechenzentrum und Servicemanagement. Für unsere Kunden wirken wir ähnlich wie ein Zulieferer in der Automobilindustrie, der seine Kernkompetenz für das Kundenprodukt optimal einsetzt und verantwortet – wobei unsere Kernkompetenz in Rechenzentrumsservices besteht. Darüber hinaus möchten viele Kunden Hybridcloud-Ansätze aufbauen oder „Hyperscaler“ wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google nutzen, um Multi-Cloud-Lösungen zu realisieren, die die Vorteile verschiedener Cloud-Anbieter kombinieren. Diese Skalierung können wir als Colocation-Anbieter leisten.

 

Welche Zielgruppen möchten Sie vor allem ansprechen?

Hofer: Hier unterscheiden wir zwischen den beiden Hauptproduktgruppen Colocation Datacenter und Virtual Datacenter.

Colocation richtet sich vor allem an Unternehmen, die bereits eigene Server im eigenen Gebäude oder einem RZ betreiben und dieses Modell auch weiterhin verfolgen. Dabei handelt es sich überwiegend um Kunden mit eigener IT-Abteilung.

Die Colocation-Services der QSC AG: Flexible Module für den individuellen Bedarf in den beiden Bereichen Colocation Datacenter und Virtual Datacenter.

Virtual Datacenter adressiert Unternehmen von Startup bis Mittelstand, deren primäres Business auf einem flexiblen und schnell anpassbaren Geschäftsmodell beruht, wie es im E-Commerce oder im agilen IT-Umfeld häufig zu finden ist.

Unsere Virtualisierungsplattform eignet sich speziell für Unternehmen, die temporär sehr schnell Rechenleistung benötigen, um Lastspitzen zu bewältigen, wie sie etwa bei Testumgebungen, Simulationen, Client-Updates von Antivirenherstellern und Marketing-Kampagnen entstehen.

 

Können Sie dazu Beispiele aus Kundenprojekten nennen?

Hofer: In einem aktuellen Projekt steht die Konsolidierung auf zwei Hauptrechenzentren auf der Agenda, wovon eines ein QSC-Rechenzentrum sein wird. Überzeugt haben den Kunden neben unserer Fachkompetenz auf allen Ebenen die bereits angesprochenen kurzen Entscheidungswege und unsere Flexibilität, schnell Lösungen aufzubauen. So konnten wir ihm trotz umfangreicher Umbauten innerhalb von vier Wochen einen Raum in RC-3-Ausführung zur Verfügung stellen.

Zu unserem Kundenstamm gehören darüber hinaus Unternehmen und Organisationen aus den verschiedensten Branchen, wie etwa Mövenpick, Edeka, DB Schenker, Deutsche Post und das Deutsche Rote Kreuz.

 

Welche besonderen Vorteile liegen darin, das Colocation-Angebot von QSC zu nutzen?

Hofer: Unser Lösungspaket adressiert Kundenwünsche in allen Dimensionen: von der RZ-Flächen-Installation mit Colocation-RZ-Kopplung für Georedundanz bis zum Full-Service-Angebot inklusive Migration und MPLS-VPN-Anbindung an QSC. Darüber hinaus stellen wir vollständig virtualisierte Lösungen bereit, die passgenau auf die jeweiligen Kundenprofile zugeschnitten sind.

Als mittelständisches Unternehmen legen wir zudem Wert darauf, unseren Kunden und Partnern Colocation auf Augenhöhe zu bieten – ohne Callcenter: Ansprechpartner sind qualifizierte QSC-Mitarbeiter, die ihr Fachgebiet verstehen, kompetent beraten und zusätzlich auch die Kunden und ihre Produkte kennen.

Wir arbeiten dabei nach den anerkannten ISO-Richtlinien, ITSM-Regeln und -Verfahren und sorgen mit nachvollziehbaren Leistungen für eine zuverlässige Kunden-IT.

Verwendet ein Kunde eigene Hardware weiter, bieten wir im Störungsfall unsere Unterstützung an und sorgen mit Übergangslösungen dafür, daß der Betrieb schnellstmöglich wieder anläuft. Last but not least können Kunden auch von günstigen Kauf- und Mietoptionen bei der Neubeschaffung von Hardware profitieren.

 

Welche Herausforderungen gilt es zu meistern, damit aus Colocation eine Erfolgsgeschichte wird? Laut einer Studie des eco-Verbands* befindet sich der deutsche Markt ja derzeit in einer Boom-Phase.

Hofer: Gesetzliche Regularien, Normen und Audits machen es für Unternehmen immer schwieriger, eigene Rechenzentren mit Fachpersonal zu betreiben. Hier sind wir als Colocator natürlich gefragt – das gehört zu unseren Kernkompetenzen. Aber auch ein Colocator hat mit Regularien zu kämpfen. Für RZ-Flächen der Klasse Tier III+ und höher benötigen wir große Grundstücke und Abstandsflächen, die oft nur noch außerhalb von Ballungszentren zu bekommen sind. Dann wird jedoch die Anbindung schwierig und teuer. Hinzu kommen Umweltauflagen und Zeitbeschränkungen. So dürfen etwa Netzersatzanlagen nicht in allen Gewerbegebieten rund um die Uhr laufen.

Der größte Kostenfaktor im Rechenzentrum sind jedoch die Stromkosten. Durch die Energiewende kommen immer höhere Ausgaben auf uns zu – und gleichzeitig wird der Energieverbrauch steigen: Ein mittleres Rechenzentrum muss rund 50 Prozent seiner Gesamtkosten in Energie aufwenden. Diese zusätzlichen Kosten können sich als Innovationsbremse für den Standort Deutschland und für den Colocation-Markt auswirken, da im Ausland günstiger produziert werden kann. Deshalb wird die große Herausforderung darin bestehen, die Aufwendungen für Energie und Facilities im Griff zu behalten.

Darüber hinaus werden wir künftig immer mehr Bandbreite auf allen Datenleitungen benötigen. Zum einen erfordern das Streaming, der globale Datenaustausch und die mobilen Endgeräte viel Übertragungskapazität. Zum anderen werden Produktionsanlagen, Elektrogeräte und Facilities wie Gebäude und Räume im beginnenden Zeitalter von Industrie 4.0 und Internet der Dinge (IoT) Unmengen von Daten erzeugen, die sicher transportiert und abgelegt werden müssen. Für diese Anwendungsfälle gilt es das Netzwerk ständig zu aktualisieren.

Und schließlich werden „Always on“-Applikationen zum Standard werden. Kein Rechenzentrum kann es sich noch leisten, auch nur ein paar Minuten im Jahr offline zu sein. Wir werden immer weiter Systeme virtualisieren, um die Unabhängigkeit von der Hardware zu erreichen und diese unterbrechungsfrei zu ersetzen. Es gibt in der Tat viel zu tun für Colocation!

 

Rüdiger Hofer. Foto: © Tilman Weishart Photography

Rüdiger Hofer

Der seit November 2016 amtierende Leiter des Bereichs Colocation ist ein waschechter IT-Allrounder, der über reichhaltige Erfahrungen im IT- und TK-Bereich verfügt. Mit dem Aufbau von Rechenzentren, Server Hosting und Cloud-Plattformen kennt sich Rüdiger Hofer von seinen früheren Stationen – unter anderem bei der 1&1 Internet SE – bestens aus. Aufgewachsen und heimisch ist der 50-jährige im Raum Nürnberg, wo er mit seiner Ehefrau und zwei Kindern lebt.

 

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