Plattform-Ökonomie im Mittelstand

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Digitale Marktplätze wie eBay oder Amazon sind fest in unserem Wirtschaftsleben etabliert. Auch für kleine und mittelständische Unternehmen bietet die Plattform-Ökonomie großes Potenzial, Geschäftsmodelle neu zu definieren und wertschöpfende Kooperationen zu bilden – wenn sie die Risiken beachten.

An dieser Stelle präsentieren Dr. Carsten Hentrich und Michael Pachmajer von PwC regelmäßig Themen aus ihrem Buch  „d.quarks – der Weg zum digitalen Unternehmen“ exklusiv für die Leser von Digitales-Wirtschaftswunder.de. Heute im Fokus: Plattform-Ökonomie.

 

Plattform-Ökonomie

Mit Google, Apple oder Amazon hat sich  eine neue Form der Ökonomie entwickelt – die sogenannte Plattform-Ökonomie, bei der die jeweiligen Anbieter Angebot und Nachfrage auf Onlineplattformen datenbasiert zusammenbringen. Die Wertschöpfungsnetze stützen sich dabei ganz wesentlich auf Daten, wobei der Wert als solcher nicht mehr nur durch ein Produkt, sondern auch den mitgelieferten Service entsteht. Im Mittelpunkt steht der Kunde mit seinen persönlichen Bedürfnissen, die durch algorithmenbasierte Datenanalysen und künstliche Intelligenz erkannt werden. Data-Profiling wird somit zum Erfolgsfaktor in der Plattform-Ökonomie.

 

Individualisierte und kundenzentrierte Services

Das Angebot individualisierter Produkte und Services erfolgt über den Plattformbetreiber selbst, sein Partnernetzwerk und über entsprechende Endgeräte, auf denen die digitalen Services nahtlos miteinander verbunden sind. Die Nutzer erhalten alles aus einer Hand, müssen sich um das Hosting, die Updates und Maintenance ihrer Applikationen nicht mehr kümmern – und dennoch ist alles jederzeit und überall via Cloud verfügbar. Die Services sind vom Kunden aus gedacht und besitzen eine hohe Usability in der Anwendung.

Für viele kleinere Unternehmen und Startups gibt es oft keine andere Möglichkeit als ihr Geschäftsmodell über eine der bestehenden Plattformen zu realisieren. Dafür besitzen die großen Player eine zu große Marktdominanz. Plattformbetreiber bieten eine Serviceinfrastruktur und Vertriebsplattform an, die eine große Reichweite ermöglichen  sowie ein Partner-Wertschöpfungsnetzwerk anbieten. Beides sind Voraussetzungen, um schnell zu skalieren. Das selbst aufzubauen, braucht sehr viel Zeit, die kleinere Unternehmen und Start-ups nicht haben. Sie sind auf einen schnellen time-to-market ihrer Produkte und Services angewiesen.

 

Familienunternehmen und Mittelständler sollten mit Startups kooperieren

Aktuell versuchen viele kleinere Unternehmen plattformorientierte Geschäftsmodelle für eine bestimmte Zielgruppe oder einen Dienstleistungsbereich zu entwickeln, um sich so unabhängig von den bisherigen Plattformbetreibern zu positionieren. Es entsteht ein “Wettrennen” um die verbliebenen Industrie- und Marktbereiche, in denen sich noch keine digitalen Ökosysteme etabliert haben. Ideen und Gründerteams erhalten von Risikokapitalgebern derzeit viel Geld und Zeit, um plattform-basierte Geschäftsmodell zu entwickeln.

Das ist wiederum eine Chance für kleine und mittelständische Familienunternehmen, vor allem für die Hidden Champions, auch im digitalen Zeitalter weiter erfolgreich zu sein. So planen immer mehr mittelständische Familienunternehmen ihre traditionellen, produktorientierten Geschäftsmodelle in einen Plattformansatz zu überführen. Denn sie verfügen über sehr gute Produkte, verfolgen eine nachhaltige, langfristige Unternehmensstrategie und sind transformationserfahren. Dieses Wissen und diese Erfahrungen sind fest in ihrer kulturellen DNA verankert und müssen wieder herausgearbeitet werden. Ihr Start-up-Spirit muss wieder freigelegt werden.

 

Risiken beim Aufbau von Plattformen

Allerdings gibt es doch einiges zu beachten: Staatliche Regulierungen, Datenschutzbestimmungen und sonstige Auflagen können kleineren Plattformbetreibern oder Startups Probleme bereiten, da sie oft nicht über die finanziellen Mittel verfügen, die für die entsprechenden IT-Lösungen unter Umständen notwendig sind.

Unabdingbar ist außerdem ein tiefgehendes Nutzerverständnis, das am Ende in kundenzentrierte, individuelle Produkte und Services mündet. Wenn Unternehmen ihre Angebote nicht mehr vom Kunden aus denken, verlieren Plattformen sehr schnell an Akzeptanz. Sie müssen sich ständig neu erfinden, innovativ bleiben und einen leichten Zugang zu ihrem Ökosystem ermöglichen, um nicht an Wert zu verlieren.

Die größte Herausforderung ist allerdings der Aufbau eines Digital Trust Brands. Wer Kundendaten nutzen will, muss den Kunden verständlich und transparent erklären, dass mit ihren Daten kein Missbrauch betrieben wird und ihre Daten bei dem Unternehmen sicher sind. Wird der Digital Trust Brand durch gravierendes Fehlverhalten und vorsätzlichen Missbrauch beschädigt, dann stirbt das digitale Ökosystem sehr schnell ab.

Lesen Sie auch das Interview mit Dr. Carsten Hentrich und Michael Pachmajer Mittelstand auf Kollisionskurs.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Digitales-Wirtschaftswunder.de, dem Themenblog der QSC AG

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    Uwe Barth sagt:

    Vielen Dank für Ihren informativen Beitrag.

    Ich möchte hinsichtlich des wirtschaftlichen Risikos noch ergänzen, dass bei der Transformation von Geschäftsmodellen hin zur Plattform-Ökonomie eine ausreichend breite Kundenbasis notwendig ist. Es ist wichtig, für ein möglichst großes möglichst homogenes Kundensegment mit Launch der Plattform konkrete Mehrwerte zu bieten, um auch gute Argumente ggü. der anderen Marktseite zu haben. Nur so entstehen schnell die erhofften Netzwerkeffekte, die die hohen Investitionen rechtfertigen.

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      Michael Pachmajer sagt:

      Hallo Herr Barth,

      Danke für Ihren Hinweis. Es ist richtig, dass Plattformen vor allem dazu dienen, die eigenen Services zu skalieren. Mit Hilfe nutzer-zentrierten Vorgehensweisen (Design Thinking) lassen sich die Mehrwert-Services sehr gut identifizieren.

      Grüße
      Michael Pachmajer

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