Praxisleitfaden Internet der Dinge Teil 2: Vorgehensmodelle

Der „Praxisleitfaden Internet der Dinge: Neue Geschäftsmodelle mit Smart Services“ zeigt, wie Unternehmen die Digitalisierung für neue Geschäftsmodelle nutzen. Im zweiten Teil unserer dreiteiligen Serie zum Ratgeber geht es um verschiedene Vorgehensmodelle zur Gestaltung von Smart Services.

Noch ist das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) in der Wirtschaft mehr Hype als etablierter Trend. Obwohl bereits etliche Unternehmen IoT-Anwendungen einsetzen, zeigt sich der Mittelstand zurückhaltend. Er hat aber bereits mit der Aufholjagd begonnen. Der neue Praxisleitfaden des Beraternetzwerks „Mind Digital“ zeigt, wie Unternehmen mit Smart Services neue Wertschöpfungspotenziale erschließen und ihre Geschäftsmodelle zukunftssicherer machen können.

Die Q-loud GmbH, eine hundertprozentige Tochter der QSC AG, die sich insbesondere im Bereich IoT auf die Digitalisierung des deutschen Mittelstands spezialisiert hat, bietet den Praxisleitfaden auf ihrer Webseite zum kostenlosen Download an. Digitales-Wirtschaftswunder.de stellt die Inhalte des Ratgebers von Entscheidern für Entscheider in einer dreiteiligen Serie vor. Im zweiten Teil geht es um Vorgehensmodelle zur Gestaltung von Smart Services.

Von der Idee zum Smart Service

Mind digital betont in ihrem Leitfaden, dass es keinen speziellen Ansatz für die Gestaltung von Smart Services gibt. Es gibt jedoch ein paar etablierte Verfahren, die sich in der Praxis durchgesetzt haben. Zentral für die Gestaltung von Smart Services und neuen Geschäftsmodellen ist eine Vorgehensweise in vier Phasen:

  1. Explore: Zunächst ist es wichtig, eine Idee für einen Smart Service und ein Geschäftsszenario zu entwickeln.
  2. Create: Nun wird das Konzept zu einem MVP („Minimum Viable Product“) ausgebaut, einer Problemlösung mit einem gerade ausreichenden Funktionsumfang.
  3. Scale: In der nächsten Phase geht es darum, das Geschäftsmodell zu skalieren und dabei die Rückmeldungen von Kunden zu berücksichtigen.
  4. Change: IoT-Geschäftsmodelle erfordern eine neue Herangehensweise. Es gilt, die eigene Organisation an die Welt der smarten Services und Produkte anzupassen.

Smart Service Design ist für die Autoren der Studie ein iterativer Prozess, in dem Methoden wie Design Thinking eingesetzt werden. Damit werden Ideen in einem offenen, kreativen Prozess gefunden. Wichtig sind gemischte Teams, zu denen nicht nur Mitarbeiter unterschiedlicher Fachbereiche gehören, sondern in vielen Fällen auch Kunden.

Ein Beispiel für ein durch Design Thinking entwickeltes Produkt ist der PaketButler. Diese intelligente Paket-Box der Telekom wird vor der Wohnung platziert und der Paketbote legt die Sendung in die gesicherte Box. Nur der Kunde kennt den Code, mit dem er sie wieder öffnen kann. Das Entwicklungsteam hat im Vorfeld die Bedürfnisse von Paketkunden systematisch erhoben und das Produkt in zehn Monaten zur Marktreife gebracht.

 

Positive Kundenerlebnisse gestalten

Im Vordergrund von Smart Service Design steht die Überlegung, wie dem Endkunden am besten geholfen werden kann. Es schaut immer auf die drei folgenden Grundfragen an den Kunden: Wo sind tatsächlich Probleme? Wo sind Bedürfnisse? Wo gibt es aktuell Schwierigkeiten?

Dadurch sind die Anwender im Mittelpunkt und positive Kundenerlebnisse die Folge. Die Autoren warnen davor, diese nutzerzentrierte Perspektive zu verlassen und sich zu sehr auf Technik zu konzentrieren. Sie kritisieren, dass zu viele Produkte zwar technisch hochwertig sind, aber trotzdem nicht genutzt werden, da sie die Kundenbedürfnisse nicht gut genug erfüllen.

Unternehmen sollten zur Vermeidung dieser Probleme Konzepte aus dem UX-Design (User Experience Design, Gestaltung der Benutzererfahrung) einsetzen. Ein gutes Beispiel für eine moderne und nutzerzentrierte Benutzeroberfläche ist „Audi VR Experience“. Sie macht es Audi-Kunden möglich, ihren potenziellen Neuwagen in Wunschkonfiguration schon vor dem Kauf im Autohaus anzuschauen. Dank Virtual Reality können Händler dem Kunden jede gewünschte Ausstattung direkt vor Ort zeigen.

Agilität – in kleinen Schritten rasch zum Ziel

Ein wichtiger Aspekt bei der Gestaltung neuer Geschäftsmodelle ist Agilität. Der Einsatz agiler Methoden in der Produktentwicklung bedeutet die Abkehr von der herkömmlichen, plangetriebenen Vorgehensweise mit ausuferndem Anforderungsmanagement und seitenlangen Pflichtenheften. Doch der Wechsel von der herkömmlichen Vorgehensweise zu einer neuen Organisationsform ist nicht einfach. Mind digital empfiehlt, zunächst Pilotprojekte zu starten. Darin sollten Entwickler und erfahrene „marktnahe“ Experten aus den Fachbereichen zusammenarbeiten.

Agile Projekte starten klein und verwirklichen nur ausgewählte Funktionen in kleinen Schritten. Dabei arbeiten sie mit einer Folge aus „Design/Make/Learn-Schleifen“. Der erste Schritt bestimmt ein Zwischenziel, der zweite setzt es um. Der dritte Schritt geht über in den ersten Schritt der nächsten Schleife: Die Entwickler lernen aus praktischen Erfahrungen und Rückmeldungen der Kunden, wie das Produkt oder der Service besser designt werden können.

Ein Beispiel für ein smartes Produkt, das nur Kernfunktionen verwirklicht, ist das intelligente Thermostat von Tado. Im Unterschied zu anderen Smart-Home-Anbietern konzentriert sich das Unternehmen auf Heizung/Klima. Dabei werden die zentralen Produkte und Services Schritt für Schritt verbessert. Der nächste strategische Meilenstein für Tado ist der Aufbau einer Servicekette von der Beratung bis zur Reparatur.

Ideenlabor für neuartige Produkte und Services

Viele Unternehmen nutzen zur Entwicklung von neuen Produkten und Services externe Innovation Labs, die manchmal auch Digital Labs genannt werden. Sie sind vom Alltagsgeschäft getrennt, damit die Mitarbeiter in kreativer Atmosphäre neue Ideen entwickeln können. Dabei ist der Aufbau von interdisziplinären Teams empfehlenswert, in denen Entwickler, Experten aus den Fachbereichen und Vertriebsprofis mit Kundennähe gemeinsam Ideen und Prototypen gestalten.

Der Praxisleitfaden warnt aber davor, ein Innovation Lab als Durchlauferhitzer zu missverstehen. Ein erfolgreiches Lab braucht viel Vorlaufzeit, unter anderem für die Auswahl der Mitarbeiter und ihre Schulung in agilen Methoden wie Design Thinking oder UX-Design. Mind digital empfiehlt deshalb, beim Aufbau des Lab auf die Kompetenz von erfahrenen Beratern zurückzugreifen.

So hat beispielsweise die HypoVereinsbank (HVB) in Kooperation mit der Münchner Innovationsagentur HYVE das „HVB Innovation Lab“ ins Leben gerufen. In verschiedenen Workshops haben HVB-Mitarbeiter und externen Experten jeweils 20 bis 30 Grobkonzepte und daraus zwei bis drei Prototypen entwickelt, von denen eines bis zur Marktreife gebracht werden soll.

 

Skalierung – vom Prototyp zum marktgängigen Produkt

Der Smart Service ist gestaltet, der Prototyp funktioniert, das Geschäftsmodell ist geklärt. Doch nun beginnen die Mühen der Ebene, wie die Autoren der Studie betonen. Das Geschäftsmodell muss jetzt in die Praxis umgesetzt werden. Dafür wird der Prototyp in ein effizient herstellbares Produkt oder einen ebenso effizienten Service verwandelt, unter Berücksichtigung der Kosten für Bauteile und andere notwendige Ressourcen.

Doch IoT-Lösungen sind keine Produkte, die über Jahre hinweg unverändert ausgeliefert und dann durch ein völlig neuentwickeltes Modell ersetzt werden. Anders als in der traditionellen Industrieproduktion werden die Dinge der IoT-Welt „on line“ ausgebaut und verbessert. Vor allem die Software-Seite von smarten Produkten und Services muss kontinuierlich angepasst und abgesichert werden.

Auch hierfür sind wieder agile Methoden wichtig, sodass letztlich nicht nur der Entwicklungsprozess, sondern auch Herstellung, Betrieb und Service auf eine größere Dynamik und Flexibilität hin ausgerichtet werden müssen. Letztlich wird der Einstieg in die IoT-Welt für die Unternehmen einen großen Organisationswandel („Change“) bringen – anders kann die deutsche Wirtschaft nicht mit den Big Playern aus den USA mithalten, betonen die Autoren der Studie.

Im dritten Teil unserer Serie zum IoT-Leitfaden von Mind Digital lesen Sie, welches technische Fundament für einen erfolgreichen Smart Service notwendig ist.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Digitales-Wirtschaftswunder.de, dem Themenblog der QSC AG

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