d.quark 2: Agil ist, wer eine agile IT hat

Man in suit jumping between towering rocks

@istock.com/PeskyMonkey

Früher holte man den ITler, wenn der PC nicht lief. Heute hängt an der IT die Zukunft des Unternehmens. Doch wie gelingt die Neudefinition? Die Lösung lautet: „IT der zwei Geschwindigkeiten“.

An dieser Stelle präsentieren Carsten Hentrich und Michael Pachmajer von PwC regelmäßig Themen aus ihrem Buch  „d.quarks – der Weg zum digitalen Unternehmen“ exklusiv für die Leser von Digitales-Wirtschaftswunder.de. Heute im Fokus: Agilität.

Ein Unternehmen, das innovativ sein will, braucht gute Ideen. Es braucht aber noch etwas anderes – nämlich das notwendige Knowhow, um gute Ideen rasch umzusetzen. Denn was nützt das innovativste Produkt, wenn es so spät auf den Markt kommt, dass es gar nicht mehr innovativ ist? Wenn sich Unternehmen nicht mehr erneuern, liegt das demnach nicht zwingend am Ideenmangel, sondern an mangelhafter Umsetzung. Man meistert die Kür. Und scheitert an der Pflicht.

Um die neuen Leser kurz abzuholen: In unserer Blog-Reihe geht es um die Frage, wie aus analogen Unternehmen digitale Unternehmen werden. Klar, letzten Endes ist jede Firma ein Fall für sich. Trotzdem lässt sich sagen: Digitaler Wandel erfordert gewisse generelle Fähigkeiten. Diese nennen wir d.quarks. In unserem ersten Artikel haben wir uns mit dem d.quarkOmnichannel“ beschäftigt. Heute skizzieren wir einen weiteren d.quark: „Agile IT“.

Wo beginnt Agilität?

Agilität? Okay – das ist inzwischen ein Modewort, das für alles und nichts stehen kann. Darum konzentrieren wir uns heute explizit auf den technologischen Aspekt der Transformation. Die These lautet: Ein Unternehmen ist dann agil, wenn es eine agile IT hat. Das liegt daran, dass fehlende Umsetzungskompetenz in der digitalen Ära meist auf fehlende IT-Kompetenz zurückzuführen ist. Die Zeiten, in denen sich Unternehmen ein bis zwei Jahre (oder sogar noch mehr) Zeit lassen konnten, um ein neues Produkt zu ersinnen, zu entwickeln, zu testen und dann in den Markt einzuführen, sind passé. Wer neun Monate für die Entwicklung einer neuen App benötigt, hat womöglich schon verloren.

Dabei stehen etablierte Unternehmen vor dem besonderen Problem, dass ihre IT-Landschaft über Jahrzehnte gewachsen (man könnte auch sagen: gewuchert) ist, die nicht eben mal mit einem neuen Zuschnitt in Form gebracht und eine neue Richtung gelenkt werden kann. Hinzu kommt das weit verbreitete Phänomen der „Schatten-IT“. Damit ist gemeint, dass sich einzelne Abteilungen – unabhängig von der Konzern-IT – über Jahre hinweg ihre jeweils eigene technologische Infrastruktur gebastelt haben. Der Verweis auf erfolgreiche Technologie-Startups, die ihre IT-Systeme „from scratch“ bauen, hilft in solchen Fällen nur bedingt weiter. Etablierte Unternehmen können nicht einfach von vorn beginnen. Sie benötigen strukturelle Lösungen.

Jedes Unternehmen muss sich als Technologieunternehmen begreifen

Die nötige Transformation beginnt mit der Aufwertung der IT-Abteilung. Im digitalen Zeitalter muss sich jedes Unternehmen als Technologieunternehmen begreifen – wenn schon nicht am Backend, dann wenigstens am Frontend, an der Kundenschnittstelle. Die IT‘ler sind darum nicht mehr diejenigen, die man anruft, wenn der PC abgestürzt ist. Sondern sie werden zu einem integralen Bestandteil von Vertrieb, Marketing und anderen Funktionen. Die Folge: Die Entwicklung neuer IT-Lösungen für die Kundenschnittstelle gerät zu einem gestalterischen iterativen Prozess. So wird vermieden, dass, sagen wir, das Business Development und die IT-Abteilung aneinander vorbeiarbeiten – und sich am Ende gegenseitig die Schuld geben, wenn wieder einmal wertvolle Zeit verloren geht.

Daneben verlangt die Digitalisierung nach neuen Flexibilitätsräumen. Ein Beispiel: Ein jährliches IT-Budget macht nur noch bedingt Sinn, wenn unterjährig neue Ideen entstehen, die es binnen weniger Monate umzusetzen gilt. Bei der Flexibilisierung helfen, kann eine „IT der zwei Geschwindigkeiten“, wie wir das nennen. Das eine ist die „verwaltende IT“, die für die Dauer des Übergangs noch weitgehend nach den alten Regeln funktioniert. Dadurch können die Ressourcen zunächst auf die andere, nämlich die „gestaltende IT“ konzentriert werden. Sie ist es, die direkt am Kunden wirkt und für die das Gebot von Beweglichkeit und Geschwindigkeit darum im besonderen Maße gilt.

Fazit: IT der zwei Geschwindigkeiten

Die „IT der zwei Geschwindigkeiten“ hat darüber hinaus einen weiteren Charme: Das Unternehmen wird agiler, ohne in diesem Prozess die eigenen Mitarbeiter zu überfordern. Ein schwäbischer Mittelständler mutiert nicht über Nacht zu einem kalifornischen Startup. Aber das muss auch nicht sein. Agilität lässt sich zwar nicht verordnen, aber erlernen. Fangen Sie doch einfach damit an!

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Digitales-Wirtschaftswunder.de, dem Themenblog der QSC AG

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