Selber machen: Kommunen bauen eigenes Glasfasernetz

Glasfaserkabel für die DigitalkommunikationViele Gewerbegebiete haben keine Breitbandanbindung. Kommunen sollten aktiv werden und ein eigenes Glasfasernetz aufbauen. Denn für den regionalen Mittelstand sind nicht mehr breite Straßen, sondern breitbandiges Internet entscheidend.

Wie verzweifelt die Lage bei der Breitbandversorgung ist, zeigt sich vor allem dort, wo das Land sehr flach ist und weit auseinandergezogene Dörfer und Hofschaften das Bild bestimmen – etwa im Kreis Coesfeld im Münsterland. Nach einem Bericht der Westfälischen Nachrichten ergreifen dort die Landwirte selbst die Initiative und verlegen die Leerrohre für Glasfaserkabel in Eigenleistung. Ein Spezialgerät zieht die sechs Zentimeter breite und 80 Zentimeter tiefe Furche durch die Randstreifen der Äcker. So schaffen die Landwirte an einem Arbeitstag 14 Kilometer. Organisiert wird das Ganze auf Vereinsbasis und die Kosten liegen pro Anschluss bei etwa 2.500 Euro – die Eigenleistung nicht mit eingerechnet.

Im Kreis Coesfeld geht es also vorwärts, 1.500 Hofstellen haben auf diese Weise einen Breitbandanschluss bekommen, 2.500 weitere folgen in Kürze. Macht grob gerechnet 12,5 Millionen Euro, die von den Nutzern selber aufgebracht wurden, um an der vielzitierten Gigabit-Gesellschaft teilzuhaben. Doch was ist mit der Breitbandförderung des Bundes? 1,56 Milliarden Euro, verteilt über die Jahre 2015-2017? Wo sind die Mittel gelandet? Nirgendwo, lediglich 13,9 Millionen Euro waren bis zur Mitte des Jahres 2017 abgerufen, wie das IT-Medium golem.de berichtet. Bei dem Sonderprogramm zur Förderung von Gewerbegebieten sieht es sogar noch ungünstiger aus: Von den freigegebenen 350 Millionen Euro wurden bisher nur 710.000 Euro abgerufen.

Die Breitbandförderung ist zu bürokratisch

Woran liegt es? „Viele Kommunen wollen den Breitbandausbau auf andere Weise finanzieren, weil die Förderung zu bürokratisch abläuft, recht langwierig ist und es einschränkende Auflagen gibt“, berichtet Dietmar Becker, Leiter Consumer Wholesale Services bei QSC, von seinen Gesprächen mit Vertretern aus den kommunalen Verwaltungen. „Die Kommunen und vor allem die kommunalen Versorgungsbetriebe können nicht mehr frei unternehmerisch entscheiden. In den Zeiten von günstigen Krediten überlegen viele Gemeinden, ob sie angesichts der zahlreichen Einschränkungen überhaupt Fördermittel beantragen.“

Dass die Landwirte selbst aktiv geworden sind, ist nur zu verständlich. Doch diese Art der Eigenleistung ist nicht immer so einfach wie auf dem westfälischen Ackerland. Die meisten Gewerbegebiete eignen sich nicht für schnelles Verlegen der Leerrohre. Doch das ist auch nicht notwendig, denn jedes Gewerbegebiet besitzt bereits eine Vielzahl an Schächten und jedes Gebäude hat einen eigenen Versorgungsanschluss. Die baulichen Voraussetzungen sind bereits erfüllt oder können zumindest recht schnell nachgebessert werden. Die mittelständischen Unternehmen in den kommunalen Gewerbegebieten sollten also nicht länger abwarten, sondern mit den für sie zuständigen Verwaltungen reden.

Kommunale Versorger sind für den Ausbau gerüstet

Gemeinden und Kreise haben einiges in der Hand, um den Breitbandausbau voranzutreiben. Dazu müssen sie allerdings aktiv werden und sich als potentielle Betreiber von Glasfasernetzen verstehen. Den kommunalen Versorgungsbetrieben gehören bereits Schächte in den Straßen, sodass dort relativ leicht Glasfaser verlegt werden kann. Außerdem sind die Versorger ohnehin in neu ausgewiesenen Gewerbegebieten die wichtigsten Akteure bei der Erschließung. Es ist naheliegend, hier zumindest Leerrohre oder direkt Glasfaserkabel zu verlegen; sie besitzen das Know-how und die Ressourcen für die notwendigen Bauarbeiten bereits.

Doch die Versorgungsunternehmen sind keine Telekommunikationsanbieter, können also Dienste wie Telefon, Internet und TV nicht in Eigenregie betreiben. Sie können diese Aufgabe jedoch outsourcen und mit einem spezialisierten Kommunikationsunternehmen wie etwa der QSC AG als Partner zusammenarbeiten. Die QSC betreibt bereits seit mehreren Jahren ein Glasfasernetz für die Stadtwerke Marburg (SWMR), das die Marburger Bürger mit Internetanschlüssen bis aktuell 200 Megabit pro Sekunde versorgt.

Telekommunikationsanbieter als Partner für den Netzbetrieb

Der TK-Partner unterstützte die Stadtwerke von Anfang an aktiv bei der Planung, dem Aufbau und später dem Betrieb des Glasfasernetzes. Er schaltet dabei seine Dienste auf das vorhandene Netz auf und übernimmt weitere Services. Neben den typischen Sprach- und Datendiensten gehört außerdem eine White-Label-Plattform zum Leistungsumfang, mit Modulen für Webshop, Self-Service-Portal, Kundenverwaltung und Abrechnung. Die kommunalen Unternehmen erhalten also ein schlüsselfertiges, webbasiertes System für das Kundenmanagement, mit dem sie alle Dienste auf eigene Rechnung vermarkten können. Die Marburger Stadtwerke haben damit bereits sehr früh auf eine Breitband-Allianz gesetzt, die ihr nun einen Vorsprung gegenüber anderen Lösungen beschert: Das Netz ist echtes FTTH („Fiber To The Home“), also zukunftssichere Glasfaser-Hausanschlüsse.

Für die Gemeinden, Kreise und kommunalen Versorgungsunternehmen sind hier Investitionen notwendig, die allerdings vom TK-Dienstleister über attraktive Dienste sowie eine langfristig gedachte Infrastruktur refinanziert werden können. Zudem können die Gemeinden weitere Einnahmen erzeugen, indem sie zusätzlich eine 5G-Shared-Infrastruktur mit Basisstationen und Glasfaseranbindung aufbauen. Denn auch Mobilfunknetze gehören zu einer umfassenden Breitbandstrategie. Wegen der hohen Datenübertragungsraten müssen 5G-Stationen direkt an eine moderne Glasfaserinfrastruktur angeschlossen sein – die von den Kommunen angeboten werden kann.

Dadurch wird das breitbandige Internet zur modernen Wirtschaftsförderung. Die Kommunen haben so erheblichen Einfluss darauf, welche Unternehmen und Selbständige sich neu ansiedeln und vor Ort bleiben. In Regionen ohne Breitbandversorgung besteht die Gefahr der Abwanderung in besser versorgte Gebiete. Deshalb der Rat an Unternehmen und Wirtschaftsverbände auf lokaler und regionaler Ebene: Fordert die kommunalen Versorgungsunternehmen auf, nicht länger abzuwarten, sondern selbst aktiv zu werden.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Digitales-Wirtschaftswunder.de, dem Themenblog der QSC AG

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