Strategien für den Faktor Mensch – beim Wechsel zu SAP S/4HANA

Welche Konsequenzen hat die Einführung von S/4HANA für die Personalstrategie von Unternehmen? Experten für dieses Thema finden sich bei PAON, einem auf dieses Thema spezialisierten Beratungshauses mit Sitz in Hannover. PAON ist Partner von QSC bei Projekten mit SAP-Kunden, die S/4HANA einführen. Über den menschlichen Faktor bei IT-Projekten und die Notwendigkeit einer frühzeitigen Einbindung der Personalarbeit sprachen wir mit PAON-Geschäftsführer Uwe Loof und mit Meik Brand, Business Development Manager im Bereich SAP Services & Consulting von QSC.

Foto: © wavebreakmedia/Shutterstock. com

Wie sieht die beste Strategie für den Wechsel zu S/4HANA aus? Mit dem „S/4HANA Value Assessment“ erhalten SAP-Kunden die passende Beratung von der QSC AG und ihren Partnerunternehmen. Foto: © wavebreakmedia/Shutterstock. com.

 

Unser Gesprächspartner Uwe Loof ist einer der Geschäftsführenden Gesellschafter der PAON GmbH in Hannover. Er kann mehr als 30 Jahre einschlägige Berufserfahrung u. a. als Personalverantwortlicher in unterschiedlich großen Unternehmen und in verschiedenen Branchen vorweisen und war auch als Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen tätig. Er hat zahlreiche unternehmerische Veränderungsprozesse mitgestaltet und wurde mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet. 2002 gründete er die PAON GmbH, die seit drei Jahren auch SAP-Partner ist.

Uwe Loof, Geschäftsführer der PAON GmbH. Foto: © PAON GmbH.

Uwe Loof, Geschäftsführer der PAON GmbH. Foto: © PAON GmbH.

Meik Brand ist als SAP Business Development Manager bei der QSC AG in Hamburg tätig. Seine aktuellen Themenschwerpunkte sind S/4HANA, SAP Leonardo (IoT), Multi-Cloud und Big Data. Er ist als Experte für die strategische Ausrichtung des SAP-Geschäftsbereichs von QSC zuständig. Meik Brand kam 2016 zur QSC AG. Zuvor arbeitete er als SAP-Beratungsleiter fünf Jahre lang bei der Bertelsmann-Tochter arvato Systems GmbH. Seine SAP-Laufbahn startete er bei SAP Deutschland als Business Development Manager.

 

Herr Loof, Herr Brand, hat die Einführung zu S/4HANA so radikale Konsequenzen, dass ein Unternehmen dafür Beratung bzw. externe Unterstützung benötigt?

Brand: Der Wechsel zu S/4HANA ist tatsächlich sehr grundlegend, denn diese neue ERP-Software ist eine der weitreichendsten Antworten von SAP auf die Digitalisierung. Und so umfassend die Digitalisierung alle Bereiche der Gesellschaft und der Wirtschaft verändert, so stark wirkt sie auch in den SAP-Systemen. Durch den Einsatz des sogenannten „Digital Core“ ergeben sich Veränderungen hinsichtlich der Betriebsabläufe und auch der Zusammenarbeit von Mitarbeitern und Abteilungen. Das muss begleitet werden.

Meik Brand, QSC AG, SAP Partnermanager. Foto: © QSC AG.

Meik Brand, QSC AG, SAP Business Development Manager. Foto: © QSC AG.

Die wesentlichen Änderungen: S/4HANA liefert die Unternehmensdaten automatisiert in Echtzeit, was bisher in der Regel nicht möglich war. Dadurch entstehen ganz andere Entscheidungsgrundlagen fürs Management, das damit viel schneller auf Geschäftsprozesse reagieren kann. Hinzu kommt, dass diese Technologie cloudbasiert arbeitet. Somit entfallen bei den Anwendern die Investitionen in eigene Hardware und in Personal, das sich um diese Hardware kümmert. Die S/4HANA-Einführung hat also gravierende personelle Änderungen zur Folge. Die digitale Transformation findet eben nicht nur auf der technologischen Ebene statt.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass das Interesse der SAP-Nutzer an S/4HANA immer mehr zunimmt, weil SAP die Wartung für die bisherige Business Suite ECC 6.0 – die von S/4HANA abgelöst wird – im Jahr 2025 einstellen wird. Hier entsteht also bald ein enormer Handlungsdruck. Personelle Anpassung aber brauchen Zeit. Hier kann eine externe Personalberatung sehr hilfreich sein.

Loof: Wenn Sie S/4HANA einführen, erschließen sich neue organisatorische Potenziale und Sie benötigen nach unserer Erfahrung einen neuen Mix an Personalkapazitäten, Qualifikationen und Kompetenzen. Lassen Sie mich nur zwei Beispiele nennen: Die Software liefert Echtzeitdaten, wodurch die umständliche Aufbereitung von Geschäftszahlen entfällt, mit denen bisher ganze Mitarbeitergruppen beschäftigt waren. Diese Beschäftigten können in Zukunft an anderer Stelle eingesetzt werden, da der demographische Wandel die Verknappung der Personalressourcen kontinuierlich verstärkt. Umgekehrt erfordert der Einsatz von Cloud-Technologien ganz neue Kenntnisse in den Belegschaften, die in vielen Unternehmen bisher nicht vorhanden sind. Dafür wird man in der IT-Abteilung, aber auch in den Fachbereichen, neue Qualifikationen intern aufbauen oder neue Mitarbeiter einstellen müssen. Die sind derzeit aber nicht leicht zu finden. So etwas muss man also rechtzeitig bedenken und planen.

Unsere langjährige Erfahrung als Berater für mittelständische und große Unternehmen zeigt, wir stark zum Beispiel auch die Globalisierung, die demografische Entwicklung und der Wertewandel die Arbeitswelt verändern. Durch die Digitalisierung entsteht für die Unternehmen eine zusätzliche, neue Komplexität im System Arbeit, die leicht zu einer Überforderung der Organisationen führen kann, wenn sie nicht durch frühzeitige Personalstrategien unterstützt wird.

 

QSC und PAON bieten ihre Dienstleistungen für die S/4HANA-Umstellung gemeinsam an. Welchen Vorteil hat das für die Kunden?

Brand: Für den Wechsel zu S/4HANA unterstützt QSC ihre SAP-Kunden mit einem umfassenden Consulting sowie bei der Projektplanung und -durchführung. Dies erfolgt im Rahmen eines sogenannten „S/4HANA Value Assessments“ – einer systematischen Bestandsaufnahme sowie Erstellung einer individuellen Roadmap für die S/4HANA-Einführung.

Dass wir unser Service-Paket zu S/4HANA um Personalstrategie und Organisationsberatung erweitert haben, beruht auf unserer Überzeugung, dass ein SAP-Projekt nur dann nachhaltig sein kann, wenn die sich daraus ergebenden Anpassungen für die Aufbau-/Ablauforganisation und die Human Ressources von Anfang an mitgeplant werden. Für die Themen rund um den menschlichen Faktor greift QSC dann auf die Expertise von spezialisierten Personal- und Organisationsberatern zurück. PAON wird die Beratung in puncto Personalstrategie übernehmen.

Das S/4HANA Value Assessment der QSC AG. Grafik: © QSC AG.

Das „S/4HANA Value Assessment“ der QSC AG deckt unterschiedlichste Beratungsleistungen ab für Unternehmen, die zu SAP S/4HANA wechseln. Die Personalberatung und das Process Mining werden von Partnerunternehmen übernommen. Grafik: © QSC AG.

Loof: Seit mehreren Jahren bereits unterstützt PAON Unternehmen bei strategischen Personalfragen, die sich im Zuge von SAP-Projekten ergeben. Aufgrund dessen haben wir uns inzwischen einen Status als SAP-Partner erworben.

Unsere Aufgabe im Rahmen des „S/4HANA Value Assessment“ ist es, die Unternehmen hinsichtlich ihrer künftig notwendigen Strukturen, passenden Personalstrategien und einer frühzeitigen Planung für den künftigen Skill-Mix zu unterstützen.

Und wie schon gesagt wurde: Personelle Anpassungen brauchen ihre Zeit. Und die richtigen Mitarbeiter für die IT zu finden, ist derzeit nicht leicht – vor allem, wenn Cloud-Experten benötigt werden.

Wir achten darauf, die Weichen für die Zukunft für das Unternehmen zu stellen, indem wir die kurzfristigen und mittelfristigen Schritte mit dem Kunden erarbeiten. Hierbei identifizieren wir unter anderem auch Handlungsbedarfe bei der Qualifizierung von Mitarbeitern und neue Aufgabenbereiche, für die es dann gilt, neue Funktionsprofile zu schaffen. Der Vorteil unseres gemeinsamen Angebots für den Kunden liegt also darin, dass er keine Zeit verliert, wenn er von Anfang an – und damit rechtzeitig – die notwendigen HR-Maßnahmen mitplant.

 

Wie wird diese gemeinsame Beratung für SAP-Kunden ablaufen?

Brand: Im ersten Teil des „S/4HANA Value Assessments“ geht es hauptsächlich um IT-Prozessfragen. Es werden eine Ist-Analyse der IT-Systemlandschaft des Kunden durchgeführt und die Auswirkungen der prozessualen Änderungen in S/4HANA auf die Prozesse im Unternehmen herausgearbeitet. Hinzu kommt der Abgleich von Ist- und Soll-Prozessen in der zukünftigen Umgebung. Viele Unternehmen nutzen die Umstellung auf die neue Plattform, um in Richtung „Fit to Standard“ zu gehen, also Prozesse auszudünnen und zu verschlanken. Sich also auch von Individualprozessen – wo es nur geht – zu trennen. Dies ist oft schmerzhaft. Hat man sich für ein Transformationsszenario entschieden, kommt der menschliche Faktor ins Spiel und damit die Organisationsberatung und die Personalstrategie.

Loof: Unsere Leistung besteht neben einer Risikoanalyse in den Feldern Organisation und Personal im Aufsetzen einer strategische Personalplanung. Dazu zählt zum Beispiel, die Anforderungen für Organisationseinheiten und Beschäftigungsgruppen zu bestimmen, die durch den Übergang zu S/4HANA auf die Personalarbeit zukommen. Es müssen auch künftige Skill- und Jobprofile konkretisiert und Prioritäten für die künftige Personalgewinnung und -entwicklung festgelegt werden – um nur einige der Aufgaben zu nennen. Das Ergebnis unserer Beratung sollte unter anderem sein, dass die Bedarfe für den personellen Auf-, Um- und Abbau in einzelnen Funktionen herausgearbeitet werden und die künftig relevanten Kompetenzprofile für die wesentlichen Funktionsbereiche und -gruppen feststehen. Fünf bis zehn Projekttage sollte die Kunden dafür zu veranschlagen.

Dabei betrachten wir die Unternehmen stets systemisch: Es geht darum, die Wechselwirkungen und das Geflecht der Veränderungen zu erfassen und zu steuern. Und wir ermutigen unsere Kunden auch immer, den konkreten Anlass zu nutzen, um strategisch weitergehende Fragestellungen der Personalarbeit anzugehen, die ohnehin bald anstehen würden. Also nicht nur den Personalmix an die neuen Gegebenheiten bei S/4HANA anzupassen, sondern auch die Mitarbeiterstruktur grundsätzlich anzusehen. Sehr wichtig ist dabei aktuell die Altersstruktur, die in vielen Unternehmen zunehmend zu Problemen führt. Auf Wunsch beraten wir auch dazu.

 

Und nun noch ein kleiner Ausblick: Welche Konsequenzen der Digitalisierungen erwarten Sie zukünftig für die Arbeitswelt? 

Brand: Nicht nur die Technik, sondern auch das Know-how von Menschen wird digitalisiert. Wir müssen davon ausgehen, dass selbst hochkomplexe Jobs verloren gehen werden. So wird man bald keine Experten mehr für Wahrscheinlichkeitsrechnung benötigen, das können Computer besser. Organisationen und Unternehmen werden sich in Teilen selbst lenken können. Man spricht von subautomatisierten Entscheidungen. Hier kommen ganz neue Anforderungen aufs Management und damit auch auf die Personalarbeit zu.

Loof: Um auch mal etwas Positives über die Digitalisierung zu sagen: Durch den demografischen Wandel werden in den nächsten Jahren Millionen von Fachkräften in Deutschland verloren gehen. Es gibt die Prognose, dass dies bis 2030 bis zu 6,5 Millionen sein werden. Die Digitalisierung wird helfen, diesen Mangel zu kompensieren. Doch werden Unternehmen auch um Fachkräfte und Nachwuchstalente konkurrieren. Und man sollte daran denken, dass junge Leute heute sehr hohe Ansprüche an die technische Ausstattung ihrer Arbeitsplätze stellen. Es werden also nur solche Unternehmen bei der Personalrekrutierung zum Zuge kommen, die ihre Hausaufgaben bei der Digitalisierung und der strategischen Personalplanung gemacht haben.

 

Weitere Informationen:

Über Details unserer Beratungsangebote informieren wir Sie gerne im persönlichen Gespräch. So können Sie uns kontaktieren:

  • Meik Brand, QSC AG: M +49 40 27136 8986, email hidden; JavaScript is required Website, Twitter: @MeikBrand
  • Uwe Loof, PAON GmbH: T +49 511 533 554 60, email hidden; JavaScript is required Website, Twitter: @LoofUwe

 

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