Dr. Myriam Jahn: „Q-loud hat großes Potenzial bei Industrie 4.0“

Dr. Myriam Jahn, Geschäftsführerin der Q-loud Gmbh. Foto: © Myriam Jahn.

Dr. Myriam Jahn: Seit dem 15. Oktober 2018 leitet die promovierte Betriebswirtin und studierte Elektrotechnikerin als Vorsitzende der Geschäftsführung die Q-loud GmbH – die auf Internet of Things (IoT) spezialisierte Tochterfirma von QSC. Foto: © Myriam Jahn.

Seit dem 15. Oktober 2018 leitet Dr. Myriam Jahn als Vorsitzende der Geschäftsführung die Q-loud GmbH, die auf Internet of Things (IoT) spezialisierte Tochterfirma von QSC. Grund genug für ein erstes Gespräch mit Myriam Jahn über ihre frischen Eindrücke von Q-loud, ihre Einschätzung des IoT-Markts sowie die Positionierung von Q-loud.

 

Frau Dr. Jahn, Sie sind zwar erst wenige Tage bei Q-loud an Bord, aber die Frage sei erlaubt: Wie ist Ihr erster Eindruck? Was haben Sie vorgefunden?

Jahn: Bei Q-loud herrscht eine optimistische Aufbruchsstimmung, fast wie bei einem Start-up. Entsprechend offen und schnell bin ich aufgenommen worden. In einem jungen, erfolgreichen Unternehmen gibt es sofort viel zu tun. Da packt man gerne mit an.

Was mich aber vor allem beeindruckt hat, ist die unglaublich hohe Kompetenz im technischen Bereich, die ich hier vorgefunden habe. Es ist großartig, wie Q-loud es versteht, Automatisierungs-Know-how und IT-Know-how zu kombinieren. Für den Maschinenbau bedeutet das: Die unterste Ebene der Automatisierung, die Sensoren, kann mit der obersten Ebene der Informationspyramide, der IT, kommunizieren, und zwar über eine skalierbare, standardisierte Konnektivität – wir nennen es IoT-Hub. Und das ist die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg von Industrie-4.0-Anwendungen.

 

Warum ist das so ungewöhnlich?

Jahn: Weil man sich hierfür neben dem reinen IT- und Automatisierungswissen auch mit drahtlosen Datenübertragungstechniken auskennen muss. Und das ist keinesfalls trivial. Es geht darum, die unterschiedlichsten Sensoren mit der jeweils passenden Technologie drahtlos an die IT über den IoT-Hub anzubinden. Für diese Anbindung stehen mehrere Wireless-Technologien wie RFID, LORA, Narrowband IoT und Bluetooth – um nur einige zu nennen – zur Wahl. Und hier heißt es dann, die jeweils passende Übertragungstechnik für die unterschiedlichen Szenarios einzusetzen. Das geht nur, wenn man die Schwächen und Stärken der einzelnen Technologie genau kennt.

 

Und Q-loud ist in der Lage, diese Komplexität zu händeln?

Jahn: Ja, Q-loud verfügt über sämtliche Skills, die dafür nötig sind: Know-how in der Sensorik, im klassischen IoT und in der Übertragungstechnik nach höchsten Security-Standards. Daher sehe ich großes Entwicklungs- und Wachstumspotenzial für Q-loud als Anbieter intelligenter Industrie-4.0-Lösungen für den Mittelstand. Dieses Potenzial gilt es zu heben.

 

E-World 2018: Gemeinsamer Messestand von Q-loud mit Partnern zum Thema Energiemanagement. Foto: © QSC AG / Daniela Eckstein.

Q-loud auf der E-World 2018: Gemeinsamer Messestand von Partnern zum Thema Energiemanagement. Foto: © QSC AG / Daniela Eckstein.

Können Sie das näher erläutern? Bei der Automatisierung etwa von Produktionsprozessen hat sich QSC bisher noch nicht so stark umgetan. Warum trauen Sie Q-loud hier so viel zu?

Jahn: Weil eine sinnvolle Industrie-4.0-Lösung sich genau dadurch auszeichnet, dass sie die unendlich vielen Informationen, die die Sensoren sammeln, auch in den IoT-Hub transportieren kann. Und zwar so, dass diese Informationen dann zu weiteren, intelligenten Steuerungen der jeweiligen Maschine führen. Q-loud kann diesen Prozess von Anfang bis Ende gestalten und trifft damit den Nerv der Maschinenbauer in Deutschland. Die warten sozusagen händeringend auf eine solche mittelstandstaugliche Lösung.

 

Hier sehen Sie also einen vielversprechenden Markt für Q-loud?

Jahn: Die gesamte Automatisierungsindustrie ist fast ausschließlich deutsch und mittelständisch geprägt. Deutschland ist darüber hinaus im internationalen Vergleich die Hochburg des Maschinenbaus. Das heißt, die rund 20.000 Maschinenbauer in Deutschland suchen einen mittelständischen Dienstleister, der ihre spezifischen Bedürfnisse kennt und versteht. Internationale Konzerne tun sich da sehr schwer, weil sie den Mittelstand nicht verstehen. Eine Ausnahme bildet übrigens SAP als deutsches Unternehmen. Deshalb sehe ich Q-loud, insbesondere im Verbund mit der QSC AG, als idealen Partner dieser mittelständischen deutschen Maschinenbauer. Der Claim „Der Digitalisierer für den Mittelstand“ passt also genau.

 

Q-loud hat sich bereits erfolgreich im Energiemanagement positioniert. Einige namhafte mittelständische Unternehmen der Heizungsbranche smartifizieren ihre Produkte durch die Sensoren und Systeme von Q-loud. Auch die EnergyCam macht Furore.

Jahn: Ja, das ist klasse! Hier haben wir sehr schöne Lösungen im Angebot und uns einen guten Namen gemacht. Genau diese Erfolge zeigen: Mittelständler wollen mit mittelständischen IoT-Dienstleistern arbeiten, weil man hier auf Augenhöhe miteinander umgeht. Natürlich spielt auch der sicherheitsbewusste Umgang mit den industriellen Daten eine Rolle. Auch hier genießt Q-loud großes Vertrauen; wir sind eines der wenigen IoT-Unternehmen mit einem TÜV-zertifizierten Qualitätsmanagement. Zusätzlich bietet auch die enge Verzahnung der Iot-Technologie mit SAP vielversprechende, innovative Anwendungen wie das QSC-Energy Management Cockpit beweist.

 

IoT Gateway von Q-loud. Foto: © QSC AG / Daniela Eckstein.

IoT Gateway von Q-loud. Foto: © QSC AG / Daniela Eckstein.

Sie sind eine IoT-Expertin der ersten Stunde und haben den Markt schon aus verschiedensten Blickwinkeln kennengelernt. Wie hat sich der IoT-Markt in den letzten Jahren entwickelt und wo geht Ihrer Meinung nach die Reise hin?

Jahn: Wir haben zunächst einmal im Consumer-Bereich, beispielsweise bei der weißen Ware oder der Haushaltstechnik, enorme Entwicklungen gehabt. Heizungen zähle ich übrigens auch dazu.

Jetzt ist im industriellen Bereich die IoT-Ära angebrochen. Gerade in der mittelständischen Industrie ist der Druck hoch, Maschinen und Produktionsprozesse zu digitalisieren. Genauso hoch sind die Safety- und Security-Anforderungen. Darin sehe ich, wie gesagt, eine große Chance für Q-loud, denn bis jetzt hat hier noch kein potenter IoT-Anbieter eine Antwort gefunden.

 

Und wie lässt sich hier für Q-loud Wachstum generieren? Sie sehen die Automatisierungs- und Maschinenbau-Branche als Markt, in der Q-loud wachsen kann. Aber wie sieht es mit der Skalierbarkeit der Lösungen aus? Wird jetzt für jede Maschine eine individuelle IoT-Lösung geschneidert?

Jahn: Eben gerade nicht! Unsere potenziellen Kunden wünschen sich eine sinnvolle Standardisierung beim Sammeln der Sensordaten und ihrer Verarbeitung. Dieser Vorgang muss hochskalierbar sein, damit er mit allen Sensoren und von Maschine zu Maschine angewendet werden kann. Ich bin davon überzeugt: Q-loud kann das.

Zudem haben die genannten 20.000 Maschinenbauer ihren Hauptsitz in Deutschland, aber die meisten haben internationale Kunden. Die brauchen alle sichere Wireless-Verbindungen zu ihren Maschinen und zwischen den Produktionsstandorten ihrer Kunden. Q-loud kann das liefern.

 

Narrow Band Iot-Tracking von Q-loud GmbH. Foto: © Q-loud GmbH.

Narrowband Iot-Tracking von Q-loud. Foto: © Q-loud GmbH.

Ihr Lebenslauf ist beeindruckend. Nach einem Wirtschaftsstudium haben Sie als Beraterin bei einer renommierten Unternehmensberatung gearbeitet und bei einem Tochterunternehmen einer großen deutschen Bank mittelständische Kunden strategisch beraten. Welche Erfahrungen nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Jahn: Ich komme aus dem Eifel-Ort Monschau, wo mein Vater ein Sägewerk besessen hat. Insofern bin ich mit den Sorgen und Nöten eines Mittelständlers aufgewachsen. Im Studium an der Otto-Beisheim Hochschule habe ich mich dann mit stabilen Auftragsprozessen und Logistik beschäftigt. In meiner Dissertation ging es verkürzt gesagt um die Betrachtung von Fertigungsprozessen aus ökonomischer Sicht. Kurz, ich habe gelernt, bei technischen Prozessen auf ihre Effizienz zu schauen. In dem Sinne habe ich auch meine mittelständischen Kunden beraten.

 

Nach Ihrer Promotion haben Sie während Ihrer Berufstätigkeit ein Elektrotechnik-Studium absolviert. Warum Elektrotechnik?

Jahn: Weil ich das Potenzial der Elektrotechnik für die Effizienzsteigerung in der technischen Produktion ausloten wollte. Elektrotechnik ist die Basis der Informationsverarbeitung von Maschinendaten. Und dass die Reise auch in der Produktion hin zur Digitalisierung führen würde, davon war ich schon damals überzeugt.

 

Anschließend sind Sie in den Vertrieb der ifm Unternehmensgruppe, einem Hidden Champion im Bereich Sensoren, gegangen. Worauf kommt es an, um in einem so spezialisierten Geschäftskundenmarkt vertrieblich erfolgreich zu sein?

Jahn: Ich habe bei der ifm-Gruppe zunächst das strategische Marketing geleitet. Im Laufe der Zeit habe ich sehr viel über Sensoren, ihre Fertigung und ihren intelligenten Einsatz in Hardware gelernt. Der Clou war dann aber die Kombination aus Hard- und Software. Das aber bedeutete für unseren Hardware-orientierten Vertrieb, dass er sich neu aufstellen musste. Daher haben wir unter meiner Leitung ein geeignetes Vertriebsmodell entwickelt und sehr erfolgreich umgesetzt.

 

Verraten Sie uns das Geheimnis Ihres Erfolges?

Jahn: Vereinfacht gesagt, wir haben das Produkt immer weiter vereinfacht und in Verbindung mit einer App zu einem Festpreis verkauft. Wollten die Kunden mehr, konnten sie dazu buchen.

 

Und natürlich wollen wir wissen, was Sie veranlasst hat, jetzt in die Geschäftsführung von Q-loud zu wechseln? Der Job birgt ja eine Menge Herausforderungen.

Jahn: Stimmt und das genau reizt mich. Denn ich sehe deutlich mehr Chancen als Risiken. Erstens, Q-loud ist technisch optimal aufgestellt. Zweitens, wir können die Flexibilität eines Start-ups leben, profitieren aber auch von der Professionalität und Größe der QSC AG. Drittens, das Kundenpotenzial. Die Ausrichtung auf mittelständische Kunden ist goldrichtig.

 

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Ihre Karriere ist auch deshalb so beeindruckend, weil Sie es geschafft haben, in einer vorwiegend männerdominierten Branche an die Spitze zu kommen. Wie ist Ihnen das gelungen?

Jahn: Das weiß ich auch nicht so genau. Man muss sich wirklich reinhängen. Was natürlich genauso für Männer gilt. Aber Frauen müssen meistens doch noch doppelten Einsatz zeigen. Das habe ich getan, weil ich den Gestaltungsspielraum und die Gestaltungsmöglichkeit wollte – und den hat man meist nur in einer Spitzenposition.

 

Dr. Myriam Jahn, Geschäftsführerin der Q-loud Gmbh. Foto: © Myriam Jahn.

Dr. Myriam Jahn, Geschäftsführerin der Q-loud GmbH. Foto: © Myriam Jahn.

Zur Person:

Dr. Myriam Jahn hat Betriebswirtschaft und Elektrotechnik studiert und sieben Jahre lang in der Beratung gearbeitet.

In den letzten 15 Jahren baute sie den Industrial-IoT-Bereich der ifm-Unternehmensgruppe auf und übernahm dabei Führungsaufgaben im Vertrieb und Marketing.

Zuletzt war sie Vorstand Vertrieb bei der TiSC AG. Die TiSC AG entwickelt und vertreibt IT-Lösungen für die Bereiche Industrie 4.0, IoT und Digitalisierung im Zusammenhang mit Automatisierungstechnik. Die Gesellschaft erwirtschaftet mit 220 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 40 Millionen Euro.

Zudem veröffentlichte Myriam Jahn 2014 eines der ersten Standardwerke zum Thema Industrie 4.0 und beschäftigt sich — neben zahlreichen Vorträgen und Publikationen — schon seit mehr als zehn Jahren mit dem Themenbereich Internet of Things.

 

Weitere Informationen:

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