All-IP: Telefonverfügbarkeit für verteilte und kleine Unternehmen

Wie können Unternehmen mit vielen Standorten und kleine Firmen für eine hohe Verfügbarkeit ihrer IP-Telefonie sorgen? Die Plusnet GmbH, Tochterfirma von QSC, bietet eine ganze Reihe von Redundanz-Konzepten für die mittelständische Wirtschaft an – und dabei auch Lösungen für Betriebe unterschiedlicher Struktur und Größe. Teil drei einer Serie über die Grundlagen der Ausfallsicherheit und Möglichkeiten, die Safety in der Telefonie zu erhöhen.

How can I help you? Beautiful call center workers in headphones are working at modern office. Bild: © istock.com / Vasyl Dolmatov

Bild: © istock.com / Vasyl Dolmatov

ISDN gilt als die zuverlässigste Telefontechnologie, wird aber jetzt durch Voice-over-IP (VoIP) ersetzt. Wie erreicht man bei VoIP ebenfalls eine maximale Ausfallsicherheit („Safety“)? Da wir VoIP-Anbieter der ersten Stunde sind, können wir Ihnen dafür verschiedene Lösungen zeigen. Meine Berichterstattung im QSC-Blog dient als erster Überblick. Bereits erschienen sind diese Artikel dazu:

Im vorliegenden dritten Teil geht es um die besonderen Konstellationen bei kleinen Unternehmen und bei Betrieben mit mehreren Standorten, die etwas andere Gegebenheiten berücksichtigen müssen als große Einstandort-Unternehmen. Gleich bleibt jedoch:

Die Grundlagen der Thematik gelten für jedes Unternehmen in gleicher Weise:

  • Risikoanalyse: Zusätzliche Safety kostet Geld, zum Beispiel wenn ein IP-Backup für die Standortanbindung zum Einsatz kommen soll. Doch nicht jedes Unternehmen muss ein Maximum an Verfügbarkeit für die Festnetztelefonie vorhalten. Es kommt auf die Größe, Struktur und letztlich die Art der Geschäftstätigkeit an. Eine Risikoanalyse sollte daher am Anfang der Überlegungen stehen.
  • Gute Technik: Den Sprachanschluss sollte man so wählen, dass er möglichst wenig für Störungen anfällig ist. Das bedeutet: wenige gute Komponenten, ausreichende Bandbreite, Filter gegen Angriffe per Firewall und/oder E-SBC und so weiter. Und Wahl eines Carriers und eines Internet Telephony Service-Providers (ITSP), die Quality of Service (QoS) bieten und ihre Übertragungskomponenten und den SIP-Trunk bereits redundant ausgelegt haben. Das alles hilft nicht nur gegen Ausfälle, sondern sorgt tagtäglich für eine hohe Sprachqualität.
  • Nummer sicher: Um für einen Ausfall gerüstet zu sein, wird Redundanz eingebaut: das Netz und der doppelte Boden, so dass man auch dann weiterhin telefonieren kann, wenn das Erdkabel vor dem Haus von einem Bagger gekappt oder durch eine Naturkatastrophe gestört wurde. Hierzu wird meist für eine zweite drahtgebundene Leitung gesorgt oder eine zweite Verbindung über ein anderes Medium, zum Beispiel Koax-Kabel oder eine Funktechnologie.

 

Safety in kleinen Unternehmen

Wer einen Betrieb mit bis zu 30 Mitarbeitern leitet, hat meist nicht die Ressourcen, um hohe Summen in ein ausgeklügeltes Risikomanagement zu stecken. Trotzdem sollte auch er sich Gedanken darüber machen, wie er den Problemen und Kosten von Ausfällen vorbeugt oder wie er auf eine solche Störung reagieren kann.

  • Redundanz via Mobilfunk: In kleineren Unternehmen kann Sprachredundanz via Mobilfunk funktionieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besitzen in aller Regel Smartphones und können bei Ausfall der Festnetztelefonie darauf zurückgreifen, um Kunden und Partner anzurufen. Allerdings: Wenn das Kerngeschäft des Unternehmens viel mit Beratung oder Kundenservice/Call-Center-Diensten zu tun hat, kann eine gestörte oder unterbrochene Festnetz-Telefonverbindung schon für einen Dreimann-Betrieb existenzbedrohend sein. Mobilfunk ermöglicht eben aufgrund der GSM-Technik nicht dieselbe Sprachqualität wie gute IP-Telefonanschlüsse. Außerdem werden in der Regel Telefonie und Daten über dieselbe Leitung transportiert. Fällt diese Leitung aus, ist nicht nur die telefonische Erreichbarkeit beeinträchtigt, sondern die gesamte Internetanbindung des Betriebs. Schon deswegen sollte man zumindest eine einfache IP-Backup-Lösung in Erwägung ziehen.
  • IP-Backup: Wer etwas mehr investieren kann, bucht einen professionellen, ITK-konvergenten IP-Backup zu seiner IP-Standortanbindung hinzu, der nicht unbedingt sehr viel teurer sein muss. Ganz auf Nummer sicher geht, wer eine andere Übertragungstechnologie dafür einsetzt oder gar eine Zweitleitung von einem anderen Carrier nimmt. Zum Beispiel kann man als Hauptanschluss DSL wählen und zusätzlich einen Koax-Kabel-Anschluss. Dadurch erreicht man Absicherung in zweierlei Hinsicht: Man nutzt zwei verschiedene Technologien und – weil das Koax-Kabel eben Sache von TV-Kabelnetzbetreibern ist – auch verschiedene Carrier (Carrier-Redundanz). Die Weiterentwicklung dieses Konzepts, SD-WAN, wird derzeit bei Plusnet getestet. Hierbei wird der zusätzliche, redundante Anschluss nicht nur im Notfall, sondern fortlaufend mitgenutzt. Die SD-WAN-Box steuert die Datenströme über beide Zugänge. Allerdings handelt es sich dabei um eine weitere Komponente im TK-System, die ihrerseits gemanagt werden muss, ein eigenes Ausfallrisiko birgt und zusätzliche Kosten verursacht.
  • Cloud-Lösung: Steht in einem kleinen Unternehmen eine neue Telefonanlage auf dem Einkaufszettel, sollte der Firmenchef eine virtuelle Variante in Betracht ziehen, bei der er die Voice-Dienste über seine IP-Standortanbindung bezieht und nicht aus einer TK-Anlage im eigenen Serverraum. Plusnet (bis Herbst 2018 der entsprechende Geschäftsbereich von QSC) offeriert hierfür seit mehr als zehn Jahren eine bewährte und mehrfach ausgezeichnete Telefonanlage aus der Cloud. Dabei steht die auf Centrex beruhende Telefontechnik im Rechenzentrum von QSC, die Nutzer benötigen lediglich eine Internet- oder IP-VPN-Verbindung sowie IP-fähige Endgeräte. Damit spart der Kunde nicht nur die Anschaffungs- und Administrationskosten einer eigenen Telefonanlage. Er braucht sich auch um Sicherheitsfragen der TK-Anlage keine Gedanken zu machen. Dies ist unsere Aufgabe. Als einer der führenden Carrier hierzulande arbeiten wir in allen Bereichen mit redundanten Systemen und sichern unsere Rechenzentren, die allesamt in Deutschland stehen, umfassend ab. Die Cloud-TK-Anlage von Plusnet ist „highly available“ und weist eine deutlich bessere Verfügbarkeit auf als die durchschnittlichen, im KMU-Umfeld eingesetzten TK-Anlagen.


Virtuelle TK-Anlage: Hohe Verfügbarkeit und Erreichbarkeit entsteht bei der Telefonanlage aus der Cloud auch dadurch, dass sie verschiedene Rufumleitungsmechanismen und vor allem eine Remote-Office-Funktion anbietet und über eine App administriert werden kann. Dabei wird das One-Number-Konzept angewendet: Egal, wo ich mich aufhalte, bin ich unter nur meiner Festnetzrufnummer für Kunden, Partner und Kollegen erreichbar. So kann die Telefonanlage mit wenigen Klicks auf dem Smartphone-Display, am Firmen-PC oder am Telefonapparat im Büro so eingestellt werden, dass alle Anrufe zur Büronummer (auch) auf dem Mobilgerät ankommen. Das Besondere daran: Mit der Rückruffunktion vom Smartphone sieht der Angerufene wiederum die Festnetzrufnummer – denn auch dieses Telefonat läuft ja über die Plusnet-TK-Anlage aus der Cloud.

Außerdem spart die Telefonanlage aus der Cloud Bandbreite auf der IP-Standortanbindung des Kundensitzes: Rufumleitungen und -weiterleitungen verbrauchen nicht zwei mal 100 kbit/s auf dieser Anbindung, da die VoIP-Datenströme im Next Generation Network (NGN) des ITSP verbleiben. Bei Telefonkonferenzen mit mehreren externen Teilnehmern verbraucht ebenfalls keiner dieser Teilnehmer 100 kbit/s für seinen VoIP-Datenstrom zu einem Konferenzserver am Standort, da dieser ja auch im NGN des ITSP steht. Auch braucht man keine Angst zu haben, dass die Mediendaten zwischen zwei VoIP-Telefonen am gleichen Kundenstandort Bandbreite auf der IP-Standortanbindung verbrauchen: Diese Daten verbleiben am Standort und werden direkt von Endgerät zu Endgerät übertragen. Somit ist eine Telefonanlage aus der Cloud auch ideal für Unternehmen, die in einem Bandbreiten-technisch unterversorgten Standort residieren.

 

 

Safety bei zahlreichen Standorten

Bei großen Unternehmen oder Betrieben mit mehreren Standorten benötigt man Sicherheitskonzepte für die Telefonieverfügbarkeit sowohl in der Firmenzentrale als auch in den Filialen. Den ersten Schritt im Rahmen der Umstellung auf All-IP sollte aber die Konsolidierung der Telefoninfrastruktur darstellen.

  • Virtual Private Network sorgt für hohe Sprachqualität: In sehr vielen verteilten Unternehmen hatte bisher jeder Standort einen eigenen ISDN-Anschluss und eine eigene TK-Anlage. Solche Konstruktionen waren – insbesondere, wenn sich über die Jahre eine heterogene TK-Landschaft eingeschlichen hatte – aufwändig zu managen. Die beste Alternative dazu besteht aus der netzbasierten Virtual Private Network (MPLS-VPN-)Technologie: Hierbei versorgt eine zentrale VoIP-TK-Anlage das gesamte Unternehmen einschließlich aller Filialen mit Telefonie. Mit MPLS und CoS (Class of Service) lässt sich der Sprachverkehr zwischen den verschiedenen Standorten mit QoS (Quality of Service) übertragen – was bei der Verwendung normaler Internetleitungen nicht möglich ist. Denn im IP-VPN haben auch VoIP-Pakete, die zwischen den Unternehmensstandorten übertragen werden, einen eigenen Bandbreitenschutz in beide Übertragungsrichtungen. Plusnet sorgt so für eine hervorragende Sprachqualität. Weitere Informationen zu MPLS-VPN lesen Sie in einem meiner früheren Blog-Beiträge.
  • Unternehmenszentrale mit IP-Backup absichern. Versorgt die Zentrale über ihre TK-Anlage alle Standorte mit Telefonie, besteht für die Safety dieser TK-Anlage natürlich höchste Priorität. Zentrales Element ist hier der SIP-Trunk, der IP-basierte Anlagen mit dem NGN verbindet. Dieser kann und sollte auf der ITSP-Seite, aber durchaus auch auf der Kundenseite, redundant aufgebaut sein, was man mit zwei SBC-Instanzen auf beiden Seiten erreicht. Ansonsten gilt hier alles, was für jedes größere Unternehmen richtig ist: Ein IP-Backup sollte unbedingt installiert werden. Das bedeutet: Die IP-Zuführung wird durch einen parallelen Übertragungsweg ergänzt, der immer dann einspringt, wenn der Hauptübertragungsweg unterbrochen wird. Dabei können bekannte Redundanz-Konzepte zur Geltung kommen: Wegeführungs-Redundanz, Zuführungs-Redundanz, Medien-Redundanz oder Dual-Carrier-Strategie. Da die Firmenzentrale so wichtig ist, sollte man sich hier für die Königsklasse der Verfügbarkeit entscheiden und keine Kosten scheuen. Eine sehr gute Möglichkeit, für Safety zu sorgen, ist eine Richtfunk-Anbindung (WLL). Diese Technologie kann gut als Hauptleitung genutzt werden, da sie die Qualität einer Standleitung und Bandbreiten bis 1 Gbit/s bietet. Erläuterungen zu den verschiedenen Redundanz-Konzepten finden Sie in meinem vorherigen Artikel dieser Serie.
  • Safety-Aufwand für die Filialen abwägen. Je nach Bedeutung eines Standorts ist zu entscheiden, wie viel dort in Safety zu investieren ist. Handelt es sich um einen Vertriebsstandort, wird man mehr für die Absicherung tun als bei einem Lager. Einige TK-Anlagenhersteller empfehlen für Standorte mit hohem Telefonieaufkommen eine Survival-Box: Sie sorgt dafür, dass man am Standort auch dann telefonieren kann, wenn die Verbindung zur zentralen TK-Anlage unterbrochen sein sollte. Meine Empfehlung wäre, so eine „Survivable Branch Appliance“ nur für sehr wichtige und große Filialen zu installieren und vor allem die Zentrale abzusichern. Ist dies geschehen, kann auch bei einer wichtigen Filiale alternativ mit einem IP-Backup für eine sehr hohe Verfügbarkeit der Telefonie und der Computerkommunikation gesorgt werden.
  • Centrex bei vielen Standorten überlegenswert: Last, but not least, möchte ich darauf hinweisen, dass auch bei großen, verteilten Unternehmen der Einsatz einer TK-Anlage aus der Cloud (siehe oben) sinnvoll sein kann. Das bietet sich zum Beispiel an, wenn es sehr viele, etwa gleich große Standorte gibt – etwa im Filial-Handel. Egal, welcher Standort hier ausfällt: Alle anderen können normal weitertelefonieren, so dass sich ein Maximum an Standort-übergreifender Verfügbarkeit der Telefonie ergibt.
TK_Anlagenkonsolidierung. Abbildung: © Andreas Steinkopf /Plusnet GmbH.

Die zentrale TK-Anlage liefert Telefonie für alle Unternehmensstandorte. Über einen zentralen SIP-Trunk und eine IP-Anbindung mit IP-Backup wird sie sicher mit dem IP-VPN verbunden. Die anderen Unternehmensstandorte können als kurzzeitiger Migrationsschritt 1 klassisch mit ISDN eingebunden werden. Bei wichtigen Standorten kann eine Survival-Branch-Anlage ein „dezentrales Überleben“ der Telefonie bieten (Migrationsstufe 2). Auch für die Computerkommunikation optimal ist die Migrationsstufe 3, die eine hohe Verfügbarkeit durch IP-Backup bringt. Abbildung: © Andreas Steinkopf /Plusnet GmbH.

 

Weitere Informationen:

Artikelserie im QSC-Blog über Safety beim All-IP-Sprachanschluss:

All-IP: Telefonverfügbarkeit für verteilte und kleine Unternehmen
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