„Wir sind der Missing Link zwischen Elektrotechnik und IT“

Mit ihrer weitreichenden Erfahrung in der Industrie gibt Dr. Myriam Jahn der Q-loud GmbH derzeit eine neue Ausrichtung. Bild: © QSC AG

Dr. Myriam Jahn ist seit Oktober 2018 Vorsitzende der Geschäftsführung der QSC-Tochtergesellschaft Q-loud. Dem IoT-Spezialisten gibt sie derzeit eine zusätzliche Ausrichtung. Warum Q-loud der passende Partner für die Industrie und insbesondere den Maschinenbau ist, erläutert Jahn im Interview.

 

Frau Dr. Jahn, als Sie voriges Jahr den Vorsitz der Geschäftsführung bei Q-loud übernommen haben, haben Sie im Interview hier im Blog unter anderem die starken Kompetenzen von Q-loud im technischen Bereich hervorgehoben. Hat sich der positive Eindruck bewahrheitet?

Jahn: Der Eindruck hinsichtlich der technischen Kompetenzen hat sich seitdem sogar extrem verstärkt. Es ist wirklich unglaublich zu sehen, welches Know-how die Kollegen in neuen Themen wie 5G, Blockchain oder KI haben und welche Lösungen Q-loud in den letzten Jahren schon geschaffen hat. Wir verfügen nämlich über genau die Kompetenzen, die vielen Unternehmen fehlen, um ihre Produkte und Geschäftsmodelle ins Internet of Things zu bringen.

 

Welche sind das genau?

Jahn: Über die neuen Themen hinaus: Zum einen fußt alles auf einer ausgesprochen soliden Hardwarekompetenz. Also die Kompetenz für OT – Operational Technology. Andere bezeichnen das auch als Elektro- oder Automatisierungstechnik. Hier fertigen wir für unsere Kunden Millionen IoT-Komponenten, die diese wiederum in ihre Produkte integrieren, um sie IoT-fähig zu machen. Derartiges Know-how sucht tatsächlich marktweit unter den IT-Anbietern seinesgleichen. Denn die Entwicklung von Prototypen ist das Eine. Aber wenn es an die massenmarktfähige Produktion geht, benötigt man ganz andere Kompetenzen.

 

Was hat Q-loud hier, was andere nicht haben?

Jahn: Bei der Zusammenarbeit mit ausgesuchten Produktionsfirmen haben wir ein Verfahren etabliert, bei dem die Embedded-Software – also die Software zur Steuerung der Geräte – während des Produktionsvorgangs von uns zentral und im Fernzugriff auf die Maschinen aufgespielt wird. Das gibt uns und unseren Kunden die Sicherheit, ihr geistiges Eigentum genau zu kontrollieren. Ganz zu schweigen davon, dass wir die Software und eine SIM-Karte damit eins zu eins zuordnen können. Das Herstellungsverfahren für die IoT-Hardware unserer Kunden ist also voll automatisiert, mit Losgröße eins, hoch sicher und trotzdem kostengünstig. Nur so können wir beispielsweise ein industriekonformes Edge Gateway herstellen.

 

Wie sieht es denn auf der IT-Seite aus, wenn es darum geht, die Daten der Geräte in die Cloud zu bringen? Plattformseitig gibt es zahlreiche große, internationale Wettbewerber. Kann Q-loud hier überhaupt konkurrenzfähig sein?

Jahn: Unser IoT-Hub hat tatsächlich eine einmalige Ausrichtung. Und hiermit möchten wir auch nicht in Konkurrenz zu den großen IoT-Plattformen treten. Im Gegenteil: Wenn es für unsere Kunden sinnvoll ist, stellen wir unseren IoT-Hub auf Basis von Microsoft Azure, AWS oder der Google Cloud Platform bereit, wahlweise und jederzeit umziehbar auch ins kundeneigene oder unsere Rechenzentren.

Wichtig ist es hier zu verstehen, welche Lücke wir mit dem IoT-Hub in Kombination mit unserem Edge Gateway schließen: Wir verfügen hiermit über eine Technologie, die die Maschinendaten in die Cloud und wieder zurück bringt. Und zwar sinnvoll und flexibel strukturiert; also nur die Daten, die zum Zeitpunkt X benötigt werden, um daraus bestimmte Erkenntnisse zu gewinnen. Man kann sich das wie einen Datenhahn vorstellen, den man jederzeit auf- und zudrehen kann. Wenn man so möchte, sind wir der Missing Link zwischen OT, der Elektrotechnik, und der IT. Beide Bereiche gingen bislang branchenübergreifend getrennte Wege. Aber im Internet of Things ist es unerlässlich, dass sie zusammenarbeiten. Und genau das stellen wir sicher.

 

IoT-Gateways gibt es ebenfalls auch von anderen Anbietern. Was also ist das Besondere bei Q-loud?

Jahn: Korrekt, andere Lösungen gibt es durchaus. Das Besondere an unseren Edge Gateways ist, dass sie sofort und massenweise einsetzbar sind und sich perfekt mit unserem IoT-Hub ergänzen. IoT-Hub und Gateways sind so aufgebaut, dass sie zu mindestens 80 Prozent standardisiert genutzt werden können. Kundenindividuelle Lösungen werden vom IoT-Hub an bereits installierte Gateways weitergereicht. Hierdurch werden die Kunden unserer Kunden in die Lage versetzt, die Vielzahl an Geräten schnell, günstig und zukunftssicher ins Internet of Things zu bringen.

 

Apropos Kunden: Bislang ist Q-loud ja überwiegend im Bereich der Gebäudeautomation und der Energiewirtschaft in Erscheinung getreten. Wird das auch künftig so sein?

Jahn: Insbesondere im Bereich Home Automation – also Gebäudeautomatisierung, wie Wassermelder, Thermostate und Heizungstechnik – hat sich Q-loud seit der Gründung ein hervorragendes Standbein geschaffen. Mit Kunden wie Schüco haben wir nicht nur einzelne Testprojekte umgesetzt, sondern massenmarktfähige Lösungen geschaffen, die die Schüco-Kunden täglich sicher nutzen. Im Bereich der Heizungstechnik gehören die Marktführer zu unserer Kundenbasis. Aber auch wenn das ein hervorragendes Standbein ist – auf einem Bein kann man nicht stehen.

 

Industrie und Maschinenbau stehen vor einem Paradigmenwechsel und benötigen Lösungen für ihre digitalen Geschäftsmodelle. Bild: © Monty Rakusen / gettyimages

Vor dem Hintergrund Ihrer jahrzehntelangen beruflichen Erfahrung im Maschinenbau und Industrieumfeld: Wie schätzen Sie diesen Markt mit Blick auf das Internet of Things ein?

Jahn: Was im Bereich Home Automation bereits passiert ist, wird im Bereich Industry Automation in den kommenden Jahren passieren. Denn die Wertschöpfung wird sich hier in den kommenden Jahren drastisch verändern.

Aktuell gehen Marktbeobachter davon aus – und diese Meinung teile ich –, dass bis zu 70 Prozent des Produktwertes in Zukunft die Cloud- und IoT-Fähigkeit der Automatisierungstechnik ausmacht. Das ist ein drastischer Paradigmenwechsel, insbesondere für die Maschinenbauer! Denn bislang haben sich diese ausschließlich auf die Fähigkeiten der Geräte und die Automatisierung innerhalb der Maschine konzentriert. Das funktioniert im Zeitalter der vernetzten Maschinen und Produktion nicht mehr.

 

Wie kann Q-loud hier weiterhelfen?

Jahn: Das Fantastische ist, dass unsere Lösungen mit der eingangs angesprochenen Kombination aus Hardware- und IT-Kompetenz exakt die Lücke schließen, die vielen Maschinenbauern momentan Bauchschmerzen bereitet. Denn sie verfügen einfach nicht über die nötige IT-Kompetenz. Das sehen auch viele der Marktakteure selber so. Zwar haben einige bereits IoT-fähige Lösungen auf dem Markt. Aber beispielsweise der große wunde Punkt, die Ende-zu-Ende-Security, ist hier oft nicht umgesetzt. Hier unterstützen wir mit unserer weitreichenden Kompetenz bis hin zu einer IoT-spezifischen Blockchain.

 

Wie genau sieht das aus; welche Lösungen bietet Q-loud der Industrie?

Jahn: Bislang haben sich die Industrieunternehmen und Maschinenbauer Gedanken über die Kompetenz und Security innerhalb der Maschine gemacht. Die IT-Hersteller und Cloud-Anbieter wiederum haben ihre Lösungen und Clouds abgesichert. Wenn man nun beides kombiniert, also die OT, die Elektrotechnik, mit der IT oder der Cloud verbindet, um eben die Maschinen ans Internet of Things anzuschließen, muss man sich Gedanken über die Sicherheit von beiden Elementen machen und gleichzeitig auch die Übertragungswege absichern. Genau das können wir – und zwar sehr gut.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass es bislang eben grundsätzlich an guten Lösungen für die Verbindung der OT- und IoT-Welt gefehlt hat. Denn IT-Anbieter und OT-Hersteller waren bislang völlig getrennte Welten. Mit der Vernetzung der Maschinen wird das anders. Es liegt auf der Hand, dass Maschinen lernen müssen zu kommunizieren. Das haben wir bei unserer Hardware-Fertigung bereits realisiert, mit den bereits beschriebenen Vorteilen. Zudem ergeben sich vollkommen neue Geschäftsmodelle. Q-loud ist das beste Beispiel dafür. Der Knackpunkt: Die Effizienz, die mit einer Cloud-Lösung möglich wird, stellt gleichzeitig eine Angriffsfläche auf allen Übertragungswegen dar. Das ist eine ähnliche Entwicklung wie wir seit Ende der 1990er im privaten Bereich mit der Verbreitung des Internets gesehen haben: Auf einmal ist man angreifbar. Und genau wie damals gilt es heute, Sicherheit für die Anwender zu schaffen – heute für die Maschinenbauer und Industriebetriebe.

 

Sie haben bereits Gespräche mit Maschinenbauern geführt?

Jahn: Natürlich! Und immer haben wir festgestellt: Der Wille ist da, die Maschinen IoT-fähig zu machen. Nur der Weg dorthin ist schwer. Denn da ist zum einen die Auswahl des geeigneten Anbieters. Wenn man selbst nicht über IoT-Kompetenz verfügt ist es naheliegend, sich diese einzukaufen. Aber hier haben die Maschinenbauer Berührungsängste.

 

Warum ist das so?

Jahn: Das liegt in der Natur der Sache: Die großen IT-Provider bieten hervorragende Cloud-Betriebsmodelle, die auf den ersten Blick offen sind und all die Vorzüge einer fertigen IoT-Plattform mit sich bringen. Nur auf der anderen Seite schaffen sie hiermit einen Lock-in in ihre Cloud-Umgebung und der Übertragungsweg ist noch immer ungeklärt. Kommt hinzu, dass die großen Plattformmonopole, wie wir sie im Konsumentenbereich haben, der Industrie ein Dorn im Auge sind. Zumal sie sich hiermit an unüberschaubare Preismodelle bindet. Auch wir arbeiten wie schon erwähnt mit den großen Cloud-Anbietern zusammen. Aber unser IoT-Hub ist so ausgelegt, dass der Basisbetrieb von Cloud-Anbieter zu Cloud-Anbieter wechseln kann. Wenn der Kunde es wünscht, kann der IoT-Hub auch in seiner eigenen oder unserer deutschen Rechenzentrumsumgebung betrieben werden.

Um noch einmal auf die Kalkulierbarkeit zu sprechen zu kommen: Diese ist insbesondere für die Maschinenhersteller ein hohes Gut. Sie möchten von ihren Zulieferern wissen, welcher Preis am Ende des Tages zu zahlen ist. Und wenn jetzt die IT eine weitere Komponente ihrer Produkte darstellt, müssen sie auch hier mit festen Preisen kalkulieren können.

 

Dr. Jahn: „Die Industrie bewegt sich aktuell in großen Schritten auf die nächste Generation an Maschinen zu, die allesamt IoT-fähig sind.“ Bild: © QSC AG

Und bei den Lösungen von Q-loud ist das der Fall?

Jahn: Exakt. Auf den Hardwarekomponenten wie dem Edge Gateway steht selbstverständlich ein fester Preis. Das Besondere ist, dass wir unseren IoT-Hub aufgrund der hohen Standardisierung ebenfalls fest bepreisen können. Beides ist natürlich abhängig davon, wie die Lösung unserer Kunden genau aussieht und welche Hard- und Softwarekomponenten wir hier bereitstellen. Um herauszufinden, wie das Ganze umsetzbar ist und welche Leistungsfähigkeit insbesondere der Hardware für eine Zukunftssicherheit notwendig ist, führen wir zunächst immer einen Proof of Concept mit Interessenten durch. Das hat sich in den letzten Jahren als richtiges und praktikables Vorgehen etabliert.

Im Anschluss ist dann zum einen für unsere Kunden und uns klar, wie die IoT-Lösung konkret aussieht und wie sie unter realen Bedingungen funktioniert. Zum anderen können wir die gesamte Lösung mit einem festen Preis versehen. Und zwar mit allen Komponenten, die dazugehören, also Hard- und Software inklusive Übertragungsweg.

Dieses Szenario ist insbesondere für die Industrie hoch attraktiv. Und ich sehe hier einen Markt, in dem jetzt Geschäft zu generieren ist. Die Industrie bewegt sich aktuell in großen Schritten auf die nächste Generation an Maschinen zu, die allesamt IoT-fähig sind. Und Q-loud ist für die mittelständischen Maschinenbauer und Industrie aus den genannten Gründen der ideale Partner, um auf Augenhöhe – von Mittelstand zu Mittelstand – profitable, neue Geschäftsmodelle zu schaffen.

 

Q-loud auf der Hannover Messe 2019:

  • Messestand C46 in Halle 6
  • Vortrag von Dr. Myriam Jahn, Vorsitzende der Geschäftsführung Q-loud: „IO-Link, OT, IoT – Welche Industrie 4.0-Plattform ist mittelstandstauglich?“; 4. April 2019, 16:30 – 17:00 Uhr, Forum Industrie 4.0, Halle 8, Stand D17

 

Zur Person:

Dr. Myriam Jahn hat Betriebswirtschaft und Elektrotechnik studiert und sieben Jahre lang in der Beratung gearbeitet.

In den letzten 15 Jahren baute sie den Industrial-IoT-Bereich der ifm-Unternehmensgruppe auf und übernahm dabei Führungsaufgaben im Vertrieb und Marketing.

Zuletzt war sie Vorstand Vertrieb bei der TiSC AG. Die TiSC AG entwickelt und vertreibt IT-Lösungen für die Bereiche Industrie 4.0, IoT und Digitalisierung im Zusammenhang mit Automatisierungstechnik. Die Gesellschaft erwirtschaftet mit 220 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 40 Millionen Euro.

Zudem veröffentlichte Myriam Jahn 2014 eines der ersten Standardwerke zum Thema Industrie 4.0 und beschäftigt sich — neben zahlreichen Vorträgen und Publikationen — schon seit mehr als zehn Jahren mit dem Themenbereich Internet of Things.

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