Low Code / No Code: Programmieren für alle

Programmieren mit Low Code / No Code geht fast ohne IT-Kenntnisse: Ein paar Klicks – und die App ist fertig. Bild: © Maskot / Getty Images

Programmieren mit Low Code / No Code geht fast ohne IT-Kenntnisse: Ein paar Klicks – und die App ist fertig. Bild: © Maskot / Getty Images

Dank vorgefertigter Bausteine und Funktionen können Fachbereiche heute viele Software-Anwendungen selbst erstellen – ohne IT-Abteilung und teilweise ganz ohne Programmierkenntnisse. Das hat viele Vorteile, doch es gibt auch Stolperfallen. Die IT sollte sich deshalb als ordnende Hand an die Spitze dieses Trends setzen.

Ein paar Klicks – und die App ist fertig. Aus Word- oder Sharepoint-Dokumenten lassen sich mittlerweile im Handumdrehen ganze Apps generieren. Bei Microsoft läuft diese Funktionalität unter dem Begriff „Power Apps“, aber auch andere Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS) bieten ähnliche Dienste an.

„No Code“- beziehungsweise „Low Code“-Programmierung heißt dieser Trend, der gerade für Furore sorgt. So ist zum Beispiel auch SAP mit dem Low-Code-Spezialisten Mendix eine Partnerschaft eingegangen und wirbt mit Blick auf die SAP Cloud Platform damit, dass sich „Anwenderbedürfnisse schnell erfüllen“ und sich Apps „zehnmal schneller“ erstellen lassen.

 

No Code / Low Code: Programmieren ohne Programmierkenntnisse

No Code- und Low Code-Angebote versetzen auch Fachspezialisten in die Lage, ohne größere (Low Code) und zum Teil auch ganz ohne (No Code) Programmierkenntnisse Anwendungen zu erstellen – mithilfe von Baukästen und anderer standardisierter Software-Komponenten. So sind es zunehmend auch Vertriebs- oder Produktionsmitarbeiter, die Code erzeugen. Ganz ohne das Zutun der IT im Unternehmen. Sie verfügen heute über vorgefertigte Templates für hoch anpassbare aufgaben- und rollenzentrische Lösungen, die über Office-ähnliche Oberflächen verfügen und sich geräteübergreifend einsetzen lassen. Auch die Datenanbindung an Cloud- oder Vorort-Systeme erfolgt zumeist automatisch.

Ein Beispiel veranschaulicht den Nutzen dieses „Coding by Doing“: Es gibt viele Unternehmen, die eine umfangreiche Mannschaft an Wartungsmitarbeitern oder Monteuren im Einsatz haben, ob Hersteller von Heizungsanlagen oder Energiedienstleister. Die Zeiterfassung dieser Mitarbeiter im Feld erfolgt heute oft noch über Excel-Listen, welche die Mitarbeiter ausdrucken und an ihre Verwaltung faxen. Dort verbringen Sachbearbeiterinnen die meiste Zeit damit, diese Daten in ein zentrales IT-System – meistens eine ERP-Anwendung – einzugeben. Dieser Prozess ist wegen der eingebauten Medienbrüche äußerst aufwändig und fehleranfällig. Treten Inkonsistenzen auf, verschlingt die manuelle Fehlersuche und -behebung ebenfalls viel Zeit. Ein solcher Prozess lässt sich zum Beispiel aus Sharepoint heraus ganz einfach digitalisieren und sozusagen per Knopfdruck in eine App überführen, welche die Außendienstmitarbeiter per Smartphone bedienen können. Zugleich entfällt die manuelle Übertragung von Excel ins ERP-System komplett.

 

Was ist Low Code-/No Code?

Die Low Code- und No Code-Programmierung steht für einen Ansatz im Software-Engineering, bei dem Entwickler und zum Teil auch Fachmitarbeiter ganz ohne Programmierkenntnisse Anwendungen generieren. Dabei müssen sie entweder gar keinen („No Code“) oder nur wenig Software-Code („Low Code“) generieren. Der Vorteil: Eine deutlich beschleunigte Anwendungsentwicklung trägt dazu bei, dass die Kooperation in Projekten agiler wird.

Vorsicht bei systemkritischen Anwendungen

Warum also überhaupt noch die eigene IT-Abteilung bei der Erstellung solcher Anwendungen mit einbinden? Eines steht fest: Besteht die Möglichkeit, Applikationen selbst zu bauen, wird diese auch genutzt. Dafür sorgt in der Regel der Lösungsdruck, der in den Fachabteilungen herrscht. Allerdings können solche selbsterstellten Anwendungen zu nicht unerheblichen Problemen führen, wenn sie systemkritisch geworden sind.

Systemkritisch ist eine Applikation dann, wenn sie von mehr als einem Fachbereich verwendet wird und wenn ganze Prozesse ins Stocken geraten, sobald diese App einmal nicht funktionieren sollte und damit zu wirtschaftlichen Einbußen des Unternehmens führt. Oder wenn die jeweilige App personenbezogene oder anderweitig sensible Daten verarbeitet.

Die Gründe für App-Aussetzer sind vielfältig und die Fachbereiche haben sie wegen ihres fehlenden IT-Backgrounds zumeist nicht auf dem Schirm:

  • So reicht es manchmal schon aus, wenn der Anbieter bei einem Software-Update eine neue Funktion eingespielt oder entfernt hat, und die selbsterstellte App gerät ins Stocken.
  • Oder die Datenbank, die das Funktionieren der App garantiert, ist plötzlich nicht mehr erreichbar.

So mag der Fachbereich funktionierende Apps ohne IT-Abteilung programmieren können, aber um beispielsweise einen stabilen Betrieb oder die Skalierung von Plattformen für weitere Anwender sicherzustellen, müssen dann doch wieder IT-Spezialisten oder -Berater mit an Bord geholt werden. Zumal es Aufgabe der IT ist, möglichst integrierte und homogene Lösungen für das Unternehmen zu gewährleisten. Hier muss ein Unternehmen sicherstellen, dass die Fachbereiche und die IT zusammen statt nebeneinander her arbeiten.

 

Was sind unternehmenskritische Anwendungen?

Je mehr eine Software-Anwendung eine oder mehrere der folgenden Merkmale aufweist, umso unternehmenskritischer ist sie:

  • Sie bildet komplexe Workflows im Unternehmen ab.
  • Fällt sie aus, entstehen wirtschaftliche Schäden.
  • Sie verarbeitet personenbezogene oder anderweitig sensible Daten.
  • Sie wendet sich an eine große Zielgruppe.
  • Mehr als nur eine Abteilung setzt sie ein.

Die IT-Abteilung als No-Code-Dienstleister

Spätestens wenn Low-Code- und No-Code-Anwendungen also sicherheitskritisch beziehungsweise komplexer werden, muss der gesamte IT-Background abgesichert werden. Da die Fachbereiche die neue Möglichkeit der App-Erstellung so oder so nutzen werden, sollten sich die IT-Verantwortlichen am besten an die Spitze der No Code-/Low Code-Bewegung setzen und als Dienstleister ihren Fachbereichen entsprechende Angebote unterbreiten.

Ein solch proaktives Vorgehen stellt sicher, dass die Anwendungsentwicklung in gesteuerten und abgesicherten Bahnen verläuft. Dazu muss die IT nicht nur die entsprechenden Angebote seitens Microsoft, AWS, Google & Co. kennen, sondern auch die Bedürfnisse der einzelnen Fachbereiche.

Ist dies nicht der Fall, helfen zum Beispiel Schulungen, die im ersten Schritt die heute verfügbaren No Code-/Low Code-Plattformen vorstellen und ihre Vorteile sowie die möglichen Fallstricke aufzeigen. Im zweiten Schritt bringt ein weiterer Workshop Fachbereiche und IT zusammen, der vor allem den Handlungsbedarf und die Anforderungen der Fachabteilungen herausarbeitet. QSC tritt dabei nicht nur als Vermittler von Know-how, sondern auch als unabhängiger Dritter und Moderator auf, der sowohl die Sprache der Fachabteilungen als auch die der IT spricht.

 

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